"Anti-Gewerkschafts-Praxis" herrscht in Lateinamerika vor

22. November 2008, 16:52
3 Postings

2007 wurden weltweit 91 Gewerkschafter getötet - Besonderer Bedrohung sind Gewerkschaften in Lateinamerika ausgesetzt - Die Liste der "schlimmsten Länder wird länger"

Brüssel - Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hat am Donnerstag in Brüssel den Jahresbericht über Verletzungen der Gewerkschaftsrechte veröffentlicht. Demnach wurden 2007 weltweit 91 Gewerkschafter getötet und 73 verhaftet, weil sie "das Recht der Arbeitnehmer verteidigten". Besonderer Bedrohung sind Gewerkschaften in Lateinamerika ausgesetzt.

Die Berichte aus dem Kapitel "Lateinamerika" des Jahresberichtes zeigen, dass die "Situation für Gewerkschaften nichts anderes als dramatisch ist", heißt es in einer Aussendung der ITUC (International Trade Union Confederation). Mit 39 ermordeten Gewerkschaftern im Jahr 2007 sei Kolumbien "weiterhin bedauerlicher Rekordhalter".

"Anti-Gewerkschafts-Praxis"

"Lateinamerika ist 2007 nach wie vor der gefährlichste Teil der Erde für gewerkschaftliche Arbeit", heißt es in dem Bericht des IGB wörtlich. Es gebe eine regelrechte "Anti-Gewerkschafts-Praxis" die vor Gewalt, Morden, Folterungen und Inhaftierungen nicht zurückschrecke. "Gewerkschaftliche Vielfalt und das Recht der Arbeitnehmer auf die Vertretung ihrer Wahl wird mit Füßen getreten", beklagt der IGB.

In dem Jahresbericht wird auch die Situation in Guinea besonders hervorgehoben. Bei einer Gewerkschafts-Demonstration gegen Korruption und Verletzung der Grundrechte in dem westafrikanischen Land hatte es 30 Tote gegeben, als die Veranstaltung unter extremer Gewaltanwendung seitens der Polizei aufgelöst wurde.

Die Liste der "schlimmsten Länder wird länger"

Im Jahr 2007 seien darüber hinaus 73 Gewerkschafter inhaftiert worden, davon 40 im Iran, 14 in Marokko und 7 in Burma. Die Liste der "schlimmsten Länder im Hinblick auf Gewalt und Unterdrückung von Gewerkschaften wird länger", betont der IGB. Neben Kolumbien und Guinea sei die Situation auch in Weißrussland, dem Sudan, in Swasiland, auf den Philippinen, in Simbabwe, Pakistan, Nepal und Honduras äußerst bedrohlich.

Auch in einer ganzen Reihe asiatischer Länder - China, Nordkorea, Laos, Vietnam - sei der Umgang mit Gewerkschaften immer noch problematisch. Aber auch der Nahe Osten und die Golf-Staaten werden in dem Bericht kritisiert. In China habe sich ebenfalls nichts verbessert. "Trotz der Versprechen, die Situation der Arbeitnehmer im Vorfeld der Olympischen Spiele zu verbessern, wurden Gewerkschafter für die Teilnahme an Kundgebungen verhaftet und verurteilt."

Standortsicherung

Der internationale Verband sorgt sich zudem über die weltweite Tendenz, die Arbeitsrechte zugunsten von Investitionen und Standortsicherung abzuändern, anstatt den Schutz der Arbeitnehmer zu verbessern. Georgien habe, so der Bericht, ein neues Arbeitsgesetz verabschiedet, das die Kündigung ohne triftigen Grund ermögliche. Dies habe bereits "mehr als 20.000 Mitglieder des georgischen Gewerkschaftsbundes" betroffen. An den Industrieländern übt der IGB in seinem Bericht ebenfalls Kritik. Besonders "US-Präsident Bush und die Regierung Howard in Australien" seien gegenüber Gewerkschaften "feindselig" eingestellt. (APA/AFP)

 

Share if you care.