Piraten erpressten seit Jänner bis zu 30 Millionen Dollar

20. November 2008, 06:22
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UN-Generalsekretär Ban: Piratenangriffe sind "Plage" - Etwa 65 Handelsschiffe wurden gekapert - NATO will Anti-Piraten-Einsatz an EU abgeben - Russland fordert: EU soll Piraten an Land angreifen

New York - Die vor Somalia operierenden Piraten haben laut UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in diesem Jahr bereits bis zu 30 Millionen Dollar (23,7 Mio. Euro) Lösegeld erpresst. Ban äußerte sich am Mittwoch in einem Bericht an den Weltsicherheitsrat in New York besorgt über die Piratenüberfälle entlang der somalischen Küste. Von Jänner bis Ende Oktober seien etwa 65 Handelsschiffe dort gekapert worden, sagte der Generalsekretär.

Die Piraterie habe ernste Folgen für den Handel, trage zu einer Verschlimmerung der humanitären Lage in Somalia bei und schwäche die Übergangsregierung in dem ostafrikanischen Land, erklärte Ban weiter. In Somalia gibt es seit 1991 keine funktionierende Regierung mehr. Ban bezeichnete die jüngsten Übergriffe von Piraten vor der Küste Somalias als "Plage".

Bush berät über mögliche Mittel gegen Piraterie

In der von Ban genannten Zahl nicht enthalten ist das mögliche Lösegeld für die 17 Schiffe und über 300 Besatzungsmitglieder, die sich nach Angaben des Internationalen Büros für Seeschifffahrt (IMP) derzeit in den Händen der Piraten befinden. Darunter sind ein saudi-arabischer Supertanker mit Öl im Wert von 100 Millionen Dollar an Bord sowie ein mit Waffen beladener ukrainischer Frachter.

Unterdessen schaltete sich US-Präsident George W. Bush ein und nahm am Mittwoch mit den Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrats Gespräche auf. Bush habe mit Großbritannien, Frankreich, Russland und China Gespräche über mögliche Mittel gegen die Bedrohung gesprochen, sagte Präsidialamtssprecherin Dana Perino am Mittwoch. Die Lage sei sehr kompliziert, betonte sie im Hinblick auf die Entführung des saudi-arabischen Öl-Frachters. "Das Ziel wäre, dabei zu helfen, dieses Schiff in Sicherheit zu bringen, die Mannschaft zu retten und dann mit unseren internationalen Partnern daran zu arbeiten, das Piratenproblem zu entschärfen."

Russland: EU soll Stützpunkte der Piraten an Land angreifen

Russland hatte die NATO und die Europäische Union zuvor aufgefordert, die Stützpunkte der somalischen Piraten an Land anzugreifen. Die NATO will ihren Anti-Piraten-Einsatz mit Kriegsschiffen Mitte Dezember beenden und den Stab an die EU übergeben, wie der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, der italienische Admiral Giampaolo Di Paola, am Mittwoch in Brüssel sagte. Derzeit wird überlegt, ob die Allianz längerfristig in der Region präsent bleiben soll, möglicherweise ergänzend zu dem EU-Marineeinsatz. Eine politische Debatte dürfte beim Außenministertreffen des westlichen Bündnisses am 2. und 3. Dezember in Brüssel geführt werden.

Die NATO hat laut Diplomaten derzeit vier Schiffe in dem Schutz-Einsatz, die unter anderem aus Italien und Großbritannien stammen. Die Europäische Union will Marine-Einheiten in ihrer "Operation Atalanta" ab Mitte Dezember einsatzbereit haben. Die Mission soll laut einem Grundsatz-Beschluss der EU-Außenminister von Mitte des Monats fünf bis sieben Schiffe und mehrere See-Aufklärungsflugzeuge umfassen. Österreich wird nicht direkt an dem EU-Einsatz beteiligt sein.

Schon wieder Boot entführt

Vor der Küste Somalias ist schon wieder ein Schiff in die Hände von Piraten gefallen. Wie die Internationale Seefahrtsbehörde (IMB) am Mittwoch mitteilte, haben Piraten ein thailändisches Fischerboot mit 16 Besatzungsmitgliedern entführt. Der Zwischenfall ereignete sich am Dienstag im Golf von Aden. Damit ist die Zahl der Schiffe, die sich in der Gewalt von Piraten befinden, auf 17 gestiegen. (APA/AP/dpa/Reuters)

 

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