Trojanow-Rede eröffnete "Buch Wien"

19. November 2008, 21:48
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Der bulgarischer Schriftsteller bestritt die Festansprache mit seiner Erzählung über "Sternstunden Kakaniens"

Wien - Mit einer Erzählung des in Wien lebenden bulgarischen Schriftstellers Ilija Trojanow eröffnete am Mittwoch die neue Buchmesse "Buch Wien 08." Trojanow las als Festrede aus einer Erzählung über die "Sternstunden Kakaniens" und zeichnete ein vielschichtiges Bild Österreichs von den fiktiven Erinnerungen eines Hof-Mohren über die erste promovierte Frau Österreichs, Wien als Boden für die serbischen und slowenische Sprachrevolutionäre bis hin zum Heute.

Der Nachfolger der traditionellen Wiener Buchwoche im Rathaus präsentiert sich nun im schlichten, aber schicken Ambiente in der Messe Wien. Ein Schwerpunkt liegt auf der Literatur aus Zentral-, Südost- und Osteuropa. Die heimische Verlagsszene brauche sich jedoch "nicht verstecken", so Alexander Potyka, Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels anlässlich der Eröffnung.

Garten  in der Tasche

Bis zum Sonntag präsentieren sich 251 Aussteller, davon 148 aus Österreich. 700 Anmeldungen habe es allein zur Eröffnung der Messe gegeben, so Potyka, was nicht zuletzt zeige, dass eine "Buchmesse für Wien offensichtlich überfällig war". Die Buch Wien konkurriere allerdings keinesfalls mit Frankfurt, betonte Matthias Limbeck, Geschäftsführer der Reed Exhibitions in seiner Eröffnungsrede. "So vermessen sind wir nicht, das entspricht auch nicht der Dimension". Vielmehr wolle man dafür sorgen, dass Verlage direkt mit der Leserschaft in Kontakt kommen können, was sich nicht nur auf heimische Häuser beschränken solle. "Wenn wir es schaffen, interregional zu agieren und hier federführend zu werden, ist es ein Erfolg." Bereits die bisherigen Veranstaltungen auf der begleitenden Lesefestwoche seien "fast alle ausgebucht" gewesen.

Kulturministerin Claudia Schmied gab der Messe bei der Eröffnung ein arabisches Zitat mit auf den Weg: "Das Buch ist ein Garten, den man in der Tasche trägt", so Schmied. "Tragen wir gemeinsam dazu bei, dass aus dem Garten ein großer Park wird."

Die Eröffnung des neuen Konzeptes dieser Buchmesse war für Bundespräsident Heinz Fischer eine "Gelegenheit, dem Buch eine Liebeserklärung zu widmen". Fischer mahnte an den Umgang mit Büchern und Autoren in totalitären Systemen und erinnerte sich an die Gründung der Buchwoche, die im Jahr 1948 als "Leistungsschau des österreichischen Buchhandels" gegründet worden war. Die "Buch Wien" sei ein "neuer Schritt, der mit der Situation nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zusammenhängt und mit der Europäischen Union, wo die Staaten Mitteleuropas so nah zusammengerückt sind, nachvollziehbar ist".

Kurzes Rüberhüpfen

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny war gekommen, um "die Staffel vom Rathaus an die Messe zu übergeben". Das "weinende Auge", von dem er nach dem Ende der Buchwoche im Rathaus gesprochen habe, sei "mittlerweile fast nur mehr ein persönliches", da es "angenehm gewesen ist, vom Büro kurz rüberzuhüpfen, um zu schmökern."

"Wir haben uns für das kontrollierte Risiko der Veränderung entschieden", so Potyka. "In ein paar Jahren werden wir uns alle wundern, warum wir sie nicht schon zehn Jahre früher gemacht haben". Die "Buch Wien" biete von allem "nun mehr als die exzellente und gut eingeführte Buchwoche" - mehr Autoren, mehr Verlage, mehr Lesungen. Aber "wir bieten nicht nur einfach mehr, wir haben die Türen und Fenster weit geöffnet, geben der Messe eine internationale Ausrichtung". Die Zukunft des Buches sei eng mit der Vielfalt und Vielstimmigkeit der Literatur verbunden. Neben dem in Wien lebenden bulgarischen Schriftsteller Ilija Trojanow sind etwa der bulgarische Dichter Georgi Gospodinov, der in Zagreb geborene Nenad Popovic, der Autor und Botschafter der Republik Serbien in Wien Dragan Velikic oder der immer wieder als Nobelpreiskandidat gehandelte Ismail Kadare zu Gast.

Seit Mittwoch werden im Rahmen der siebenten Auflage von "Eine Stadt. Ein Buch" wieder 100.000 Gratisbücher in ganz Wien verteilt. Die Wahl fiel diesmal auf Ruth Klügers Erinnerungsroman "weiter leben. Eine Jugend", in dem die geborene Wienerin ihre Kindheitserlebnisse im Konzentrationslager verarbeitet. Als "kein typisches Holocaust-Buch" stellte Bürgermeister Häupl das Werk am Mittwoch bei der offiziellen Eröffnung vor. "Obwohl das Buch gemäß der amerikanischen Literaturtradition in einer leicht zu lesenden Sprache geschrieben ist, ist es trotzdem kein leichtes Buch", so der Bürgermeister, der auch als Schirmherr der Aktion fungiert. "weiter leben" beschreibe nicht nur die Schrecken des Konzentrationslagers, sondern stelle darüber hinaus die spannende Frage, wie Außenstehende mit Menschen umgehen, die den Terror des NS-Regimes erlebt haben. Das unterscheide Klügers Roman von anderer Holocaust-Literatur. Die 100.000 Gratisexemplare werden außer auf der "Buch Wien" auch in Buchhandlungen, an den Volkshochschulen sowie in den Büchereien vergeben. Die Autorin selbst wird am Donnerstag, Abend in der Fernwärme Wien zu Gast sein. (APA)

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    Ilija Trojanow

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