"An der Fracht sind die Piraten gar nicht interessiert"

19. November 2008, 21:02
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Reedereien zahlen höhere Polizzen vor Küste Somalias

"Die Piraten werden immer mutiger, sie agieren nun weit draußen im Ozean, in Gebieten, die nicht kontrollierbar sind" , sagt Svante Domizlaff von der Hamburger Reederei Claus-Peter Offen. Der nun gekaperte Tanker etwa wollte gar nicht durch das Rote Meer fahren, sondern um Afrika herum. "Der ist zu groß für den Suezkanal."

Die Polizzen für Schiffe, die vor die Küste von Somalia und den Golf von Aden fahren, seien "deutlich höher" als im Durchschnitt, erzählt Domizlaff. Aber das Gebiet, in dem die Piraten zuschlagen, ändere sich ständig. "An der Fracht sind die Piraten aber nicht interessiert. Die wollen nur die Besatzung, um Lösegeld zu erpressen. Die haben ja gar keine Verlademöglichkeiten für das Öl." Für die gekidnappte Besatzung eines französischen Kreuzers wurden kürzlich zwei Millionen Dollar bezahlt. Die einzigen Vorkehrungen, die Reedereien gegen Piraterie setzen könnten, sei dass man gar nicht in solche Gebiete fährt. Gefährdet seien vor allem langsame, kleine, tiefliegende oder schwerfällige Schiffe, weil sie nicht schnell manövrieren können oder die Piraten die Bordwand leicht hinaufklettern könnten. Die Mannschaft von Öltankern könnten die Piraten auch mit der Drohung erpressen, den Schiffsbauch mit panzerbrechenden Waffen zu zerstören und eine Explosion zu verursachen. "Da lässt man lieber die Leiter runter. Die sind ja gut ausgerüstet" , erklärt Domizlaff, der selbst schon oft auf See gefahren ist.

Von einer Bewaffnung des Personals hält Domizlaff aber nichts: "In den wenigsten Fällen sind die dafür ausgebildet und die Gefahr ist dann, dass sie sich bei einem Überfall gegenseitig tot schießen." Die Besatzung müsse in jedem Fall, so die internationalen Vorschriften, jede Eskalation verhindern. "Die Piraten haben ja Maschinengewehre, da bringt eine Gegenwehr nichts." (awö/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2008)

 

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