Constantia Bank wird liquidiert

19. November 2008, 19:14
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Bei der Immofinanz-Gruppe und der Constantia Privatbank beginnt das große Aufräumen. Die Banken wollen die Immobilien-Gruppe am Leben erhalten, die Constantia Bank wird abgewickelt

Wien - Immofinanz-Chef Thomas Kleibl hat in den wenigen Wochen seines Wirkens einiges erreicht: Allen voran, den Beteiligten klar zu machen, dass sie sich ihrer Verantwortung für die ins Wanken geratene Immobilien-Gruppe bewusst sein müssen. Die Banken hat er jedenfalls schon überzeugt. Sie wollen Immofinanz und Immoeast am Leben erhalten. Niemand der Beteiligten könne an einer Insolvenz Interesse haben, heißt es.

Daher werde bei den Lösungsmöglichkeiten, nach denen nun gesucht wird, die Vernunft siegen. Es bringe nichts, wenn man Projekte im Volumen von 14 Milliarden Euro in einem Schwung auf den Markt werfe. Noch dazu in einem Markt mit fallenden Preisen. In Rumänien etwa versucht die Immoeast das Shopping Center West Gate mit einem Abschlag zu verkaufen. Ihr Anteil am Projekt soll bei 45 Mio. Euro liegen. Der Rohbau sei zu 75 Prozent fertig, die Flächen zu 60 Prozent vorvermarktet. Der Part der Immoeast dabei: Die Finanzierungsbeschaffung.

Zwischen den Banken und der Geschäftsführung gebe es aber auch Uneinigkeiten: Die Immogesellschaften sollten sehr wohl "sinnvolle Kaufangebote" wahrnehmen und nicht nur neue Kreditlinien von den Banken erbitten, um an Liquidität heranzukommen. Es gebe ja Kaufinteressenten für etliche der 3350 Projekte (davon 350 bei der Immoeast) der beiden Gesellschaften - so sei die Bundesimmobiliengesellschaft an Immobilien interessiert, in denen der Bund eingemietet ist, so ein involvierter Banker. Eines der prominentesten Gebäude wäre der City Tower in Wien Mitte, wo diverse Gerichte untergebracht sind.

Den 89 Meter-Turm erwarb die Immofinanz von der Porr um 870 Mio. Schilling (63 Mio. Euro). Aktuell will die Immofinanz das Bürohaus neben dem Tower, den City Point, (Mieter: Paylife, Bwin, Bundesrechenzentrum) verkaufen.

Constantia Privatbank wird abgewickelt

Die Constantia Privatbank (CPB) soll abgewickelt, also liquidiert werden. Der Vertrag von Neo-Chef Andreas Grünbichler wurde nur für ein halbes Jahr abgeschlossen. Die fünf Banken, die neuen Eigentümer der CPB, hätten kein Interesse die Bank weiter zu führen. Dazu kommt, dass die CPB jeden Tag weniger wert wird, weil die noch verbliebenen Kunden (und auch Mitarbeiter) Abwanderungstendenzen zeigen. Vor allem die vermögende Kundschaft wolle mit einer Bank arbeiten, die Zukunftsperspektiven habe, berichten Banker.

Es sei nicht zu erwarten, dass jemand die Bank mit derart hohen Prozess-Risiken kaufen wolle. Sehr viele Leute hätten bei der CPB durch ihre Investment in Immofinanz-Titeln sehr viel Geld verloren. Die besten und teuersten Anwälte des Landes wurden von den Betroffenen bereits engagiert: Unter anderem Dieter Böhmdorfer. Er vertritt jemanden, der über einen Schaden von mehr als vier Mio. Euro klagt. Ewald Weninger bereitet eine "komplexe Klage" für seinen Mandanten vor.

Sachverhaltsdarstellung

Ein anderer, Anwalt Werner Sporn, hat inzwischen im Auftrag von Kleibl die Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwaltschaft übermittelt. Die soll allerdings relativ kurz ausgefallen sein. Darin werde aufgelistet, was der neuen Führung unklar ist, allen voran die Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag) die mit der Immofinanz offiziell nichts zu tun haben soll. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.11.2008)

 

  • Die einst noble Constantia 
Privatbank, 1986 vom verstorbenen Industriellen Herbert Turnauer gegründet, wird 
liquidiert. Davor werden die Beteiligungen verkauft.
    foto: standard/fischer

    Die einst noble Constantia Privatbank, 1986 vom verstorbenen Industriellen Herbert Turnauer gegründet, wird liquidiert. Davor werden die Beteiligungen verkauft.

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