Wiener Kunst-Auktionsmarathon

19. November 2008, 19:02
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In Wien stehen in den nächsten Tagen nicht weniger als acht Auktionen auf dem Programm

Auteno gibt sein Debüt, das Dorotheum veranstaltet den vierten Auktionsreigen, und Hassfurther lädt zur Jubiläumsauktion.


Wien - Mit dem Eventansatz will Auteno wohl ein neues Kapitel im heimischen Auktionsgeschäft aufblättern. Wer den Weg in den 22. Bezirk in die Dr.-Otto-Neurath-Gasse am 21. November nicht scheut, auf den warten in der "Auteno-Lounge" ab 16 Uhr nicht nur Fingerfood und Drinks, im Angebot stehen auch 342 Positionen zeitgenössischen Designs und Fotografie, für die man zwischen 1,2 und zwei Millionen Euro einzuspielen hofft.

Akquiriert und bearbeitet wurde die Debütofferte von Oliver Zid, einem von insgesamt fünf Experten des jüngsten österreichischen Auktionshauses. Gerüchte, wonach das Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten habe und seit September keine Gehälter mehr ausbezahle, verneint Geschäftsführer Gerald Hubmann. Sofern Großkunden mit ihren Zahlungen säumig sind, so gesteht er ein, könne es zu normalen Engpässen kommen. Ein Erfolg sei die erste Versteigerung dann, wenn man einen Auktionsumsatz von 800.000 bis 1,2 Millionen Euro und damit einen Gewinn in der Größenordnung von rund 250.000 Euro lukriert.

Im Herzen der Wiener Innenstadt stehen andere Summen auf dem Spiel. Über die vierte Auktionswoche des Jahres will das Dorotheum von 24. bis 28. November in sechs Sitzungen zumindest zehn Millionen Euro umsetzen, eine angesichts der Zuwächse gegenüber den Vorjahren fast bescheidene Erwartungshaltung (Nettoergebnis 2007: 12,2 Mio Euro). Im Vergleich zu bisher ist der Unterschied auch ein inhaltlicher, liegt der Schwerpunkt klar bei Zeitgenössischem und der zum zweiten Mal im Auktionswochen-Verbund lancierten Sparte Design. Die lange Zeit auch hier gepflogene Verösterreicherung des Angebotes ist definitiv Schnee von gestern: Francis Bacon (Oedipus, Lithografie, 12/14.000 Euro) und Sol Lewitt (Floating Cube, Aquarell, 16/18.000) sind ebenso mit von der Partie wie Damien Hirst (Spin-Painting, 45/ 55.000), Vanessa Beecroft (VB 09.01 Schipper & Krone, digitales Farbfoto, 8/12.000) und Jörg Immendorf (Affenbaum, Skulptur, 120/180.000).

In der Sektion Design setzt man einmal mehr auf Bestseller wie Zaha Hadid: Ein 2002 gefertigtes vierteiliges Tee- und Kaffeeservice der Stararchitektin will als Nummer sieben aus einer Edition von zehn zwischen 60.000 und 70.000 Euro einbringen. Zum Vergleich: 2005 hatte es Nummer fünf auf brutto 48.000 Euro gebracht.

Der Auftakt ist schon traditionell der Kunst der Gold- und Silberschmiede gewidmet: Als erstes aus knapp 430 von Georg Ludwigstorff versammelten Exponaten gelangt ein Siebenbürgener Renaissance-"Vermeil"-Deckelpokal zum Aufruf, der inklusive gefälliger Schwanbekrönung wenigstens 4000 Euro bringen soll. Als Höhepunkte gelten wohl eine vergoldete Historismusprunkkanne mit applizierten Lapislazulistücken (15/ 20.000) und ein Paar 1866 für Großfürstin Olga Nikolajewna ausgeführte Weinkühler (20/30.000).

Inhaltlich nicht weniger Prunkvolles steht am 27. November in der Hohenstauffengasse unter Jubiläumsflagge: Dann zelebriert Wolfdietrich Hassfurther sein 30-Jahr-Auktionatorenjubiläum mit 80 Positionen an Alten Meistern, Biedermeier und Klassischer Moderne, sehr standesgemäß, von "A" wie Rudolf von Alt bis "Z" wie Franz von Zülow. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.11.2008)

Debüt für Auteno

Es ist so weit: Das 2007 gegründete Auktionshaus Auteno - bislang nur im OnlineSegment aktiv - veranstaltet am 21. November in seinem Flagshipstore im 22. Wiener Gemeindebezirk die erste öffentliche Katalogauktion. Ein Vorläufer des Unternehmens war die von Februar bis Dezember 2006 dauernde Kooperation mit dem skandinavischen Internetauktionator Lauritz und die zeitgleich in Wels von Geschäftsführerin Judith Hesz, mittlerweile Exfrau des oberösterreichischen Kunsthändlers Jürgen Hesz, geleitete Österreich-Niederlassung.

Zu den derzeitigen Auteno-Gesellschaftern gehört Turtel Technology AG (60 %), der Tiroler Industrielle Christian Jäger (20 %), weiters sind die Geschäftsführer der Immobilienfirma Hausundgrund sowie die Hesz'sche Privatstiftung zu je zehn Prozent beteiligt. Als Geschäftsführer fungiert Gerhard Hubmann.

Anfang Oktober eröffnete Auteno in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dorotheum einen 18 Quadratmeter kleinen Citystore. Erste Berührungspunkte mit dem 300 Jahre alten Auktionshaus gab es bereits im Rahmen der Privatisierung. Jürgen Hesz bekundete gegenüber dem Standard damals sein Interesse am Traditionsunternehmen. Sein Konzept ließ sich mit dem Modell "Ikea für Kunst" am griffigsten beschreiben, und es war auch beim Lauritz-Intermezzo die Grundidee. Auf Tuchfühlung ging man neuerlich im Juni 2007 und beschäftigte anschließend die Gerichte.

"Wir hatten bloß Marketingaktivitäten gesetzt und wurden prompt vom Dorotheum verklagt", erklärte Hubmann im Rahmen einer Pressekonferenz. Laut der Rechtsabteilung des Dorotheums hätten Auteno-Mitarbeiter im Eingangsbereich des Palais wohl etwas zu proaktiv agiert. In einem Anwaltsschreiben forderte man die sofortige Einstellung dieses "sittenwidrigen Kundenfangs". Auteno lehnte ab, es folgte eine Klage auf Unterlassung, das Gericht wies diese in erster und zweiter Instanz ab. David und Goliath werden wohl miteinander zu leben lernen müssen. (kron)

  • Dreidimensionales Puzzle: Zaha Hadids vierteiliges Tee- und Kaffeeservice, 7/10 Edition, taxiert auf 60.000 bis 70.000 Euro. 2005 hatte 5/10 im Dorotheum brutto 48.000 Euro gebracht.
    foto: dorotheum

    Dreidimensionales Puzzle: Zaha Hadids vierteiliges Tee- und Kaffeeservice, 7/10 Edition, taxiert auf 60.000 bis 70.000 Euro. 2005 hatte 5/10 im Dorotheum brutto 48.000 Euro gebracht.

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