Die Wiederkehr des Wollhaarmammuts

19. November 2008, 19:20
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Erstmals wurde ein Gutteil des Genoms einer ausgestorbenen Art rekonstruiert - 4,17 Milliarden Basenpaare wurden bestimmt

London - Die letzten von ihnen lebten noch in der Zeit der ägyptischen Pharaonen. Vor rund 3700 Jahren dürften die Wollhaarmammuts dann endgültig ausgestorben sein. Ort des Geschehens: die Wrangel-Insel, die heute zu Russland gehört und hoch oben im Arktischen Meer liegt.

Wahrscheinlich waren unsere Vorfahren daran schuld, dass es der zwergwüchsigen zottigen Elefantenart an den Kragen ging: Denn aus der Zeit des letzten Mammuts stammen auch die ältesten Hinterlassenschaften der Menschen auf der Insel, die den Tieren als abgelegenes Rückzugsgebiet nach der Eiszeit diente.

Knapp vier Jahrtausende, nachdem wahrscheinlich wir Menschen dem Mammut den Garaus gemacht haben, könnte es uns in nicht ganz ferner Zukunft gelingen, die Wollhaarmammuts wieder auferstehen zu lassen - oder sie zumindest zu "fälschen".

Von einem erster Schritt in diese Richtung berichtet nun jedenfalls ein US-amerikanisch-russisches Forscherteam im britischen Fachblatt Nature (Bd. 456, S. 387). Das 22-köpfige Team aus Genetikern und Bioinformatikern schaffte es nämlich, aus den konservierten Überresten mehrerer Mammuts das Erbgut der Tiere zu rund 70 Prozent zu rekonstruieren.

Erbsubstanz aus den Haaren

In Zahlen ausgedrückt: Die Forscher konnten mithilfe der neuen Generation von Sequenzierern 4,17 Milliarden Basenpaare des Mammutgenoms bestimmen. Davon stammen wiederum 3,3 Milliarden, also rund 80 Prozent, vom Wollhaarmammut, dessen Haarproben im Eis der Arktis besonders gut konserviert blieben.

Damit liegt nun erstmals das Genom einer ausgestorbenen Spezies in größerem Ausmaß vor, denn bislang hatte man allenfalls die mitochondriale DNA ausgestorbener Arten sequenziert, die bloß Bruchteile der Gesamt-DNA ausmacht. (Demnächst folgt übrigens das Gesamtgenom des Neandertalers.)

Damit lässt sich natürlich noch lange kein Mammut erzeugen. Doch da demnächst auch das Genom des Afrikanischen Elefanten sequenziert vorliegen wird, sollte es immerhin möglich sein, darauf zu schließen, welche DNA-Unterschiede zu welchen Unterschieden beim Aussehen führen, wie der Paläogenetiker Svante Pääbo in einem Begleitkommentar anmerkt.

Mit diesem Wissen, den Einsatz gentechnischer Methoden und selektiver Züchtung könnte man immerhin "Pseudomammuts" herstellen, so der 53-jährige Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. "Das ist das Äußerste, was ich mir in Sachen Wiederbelebung in meiner Lebenszeit vorstellen kann." (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. November 2008)

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    Der Elefant, der aus der Kälte kam, die wiederum seine DNA gut konservierte.

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    Haarproben des Wollhaarmammuts blieben im Eis der Arktis besonders gut konserviert.

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