"Wir werden ihn langsam aufbauen"

19. November 2008, 18:44
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Der 73-jährige Ken Mink mischt im US-Basketball mit. Dabei gehört der Forward der Universität Roane State im US-Bun­desstaat Tennessee nicht zu den Leistungsträgern des Teams

Knoxville - Wenn Ken Mink zum Sprungwurf ansetzt, geht ein Raunen durch die Menge. Dabei gehört der Forward der Universität Roane State im US-Bundesstaat Tennessee nicht gerade zu den Leistungsträgern des Teams. Dass dennoch jeder Punkt von Kollegen und Publikum frenetisch bejubelt wird, hat einen einfachen Grund. Mit 73 Jahren ist Mink der älteste College-Basketballspieler der USA, er verdiente sich soeben den Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde.

Als Mink in seinem letzten Spiel als junger Mann auf Punktejagd ging, war Dwight "Ike" Eisenhower der 34. Präsident der Vereinigten Staaten (1953 bis 1961). "Es fühlt sich schon komisch an. Damals war ich mit 1,80 Metern einer der Größten. Heute erinnern mich meine Gegner eher an das World Trade Center", sagte er nach seinem Comeback. Mink verwandelte beim 93:42 gegen das King College zwei Freiwürfe. Zugegebenermaßen war Mink dabei nur wenige Minuten auf dem Platz, dennoch standen die Journalisten nach dem geschichtsträchtigen Spiel Schlange. Wie er es als Pensionist ins Team geschafft hätte, war die am häufigsten gestellte Frage. Schließlich frönte Mink in den vergangenen fünf Jahrzehnten eher dem Golf, oder er ging wandern.

Bewerbungsschreiben

Als ihm ein Nachbar vor ein paar Monaten einen Basketballkorb vors Garagentor stellte, erwachte die Lust am Spiel mit der roten (orangen) Kugel wieder, und Mink schrieb ein Dutzend Bewerbungsbriefe an Universitäten der Umgebung. Roane-State-Coach Randy Nesbit schnappte wohl eher nach dem Köder, weil ein 73-jähriger Student Zuschauer, TV-Stationen und Presse in die Halle lockt. "Natürlich ist Ken keine 20 mehr, aber für sein Alter hat er einen überaus fitten Körper. Wir werden ihn langsam aufbauen", kündigte er an, nachdem Mink sich unter dem Jubel der Zuschauer in die Dusche verabschiedet hatte.

Disziplinarische Probleme gab es mit der Nummer 52 bisher übrigens nicht - obwohl Minks Basketball-Laufbahn mit einem Makel aus seiner Jugend befleckt ist. Er wurde 1956 bezichtigt, das Büro seines damaligen Trainers mit Seifenlauge unter Wasser gesetzt und dessen Schuhe mit Rasierschaum gefüllt zu haben. Auf die Frage nach der Richtigkeit des Vorwurfes, verweigerte Mink nun grinsend die Aussage. "Das ist so lange her, und ich bin ein alter Mann. Daran kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern." (sid, DER STANDARD Printausgabe, 20.11.2008)

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    Herr Mink deckt die Kugel ab und lässt dem Gegner dank seiner Routine kaum eine Chance auf Ballbesitz.

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