Heiter durchs mediale Grauen: Buch der Blattsalate

19. November 2008, 18:53
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Der Verlag "Der Apfel" hat Traxlers Beiträge gesammelt: "Blattsalat, Neue Texte" - Mediales Grauen in mittelgroßen Dosen, konsumierbar nur durch Traxlers scharfe Marinade

Redakteure überlassen den raren Platz im Blatt eher selten mit Vergnügen Kollegen. Aber selten unterhält Platznot so prächtig, mit Genuss und Belehrung, wie Günter Traxlers "Blattsalate". Der Wiener Verlag ""Der Apfel" hat Traxlers Beiträge zur Qualitätssicherung im Journalismus, so Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell im Vorwort, zum zweiten Mal gesammelt: "Blattsalat, Neue Texte". Mediales Grauen in mittelgroßen Dosen, (oft lachend) konsumierbar nur durch Traxlers scharfe Marinade.

Traxlers Lieblingsziele: Andreas Mölzers Zur Zeit, die Neue Freie Zeitung der FPÖ, Andreas Unterbergers Wiener Zeitung, Hans Dichands Kronen Zeitung und seit 2006 auch Wolfgang Fellners Österreich. "Jetzt will der Mann, der täglich Österreich zu sein vortäuscht und doch nur Österreich ist, dem Alten, der Österreich mit dem Segen seiner führenden Politiker international als Tierecke etabliert hat, auch noch den Plüschhasen wegnehmen! Für die Krone musste er einst den Stephansturm erklimmen, aber wo deponierte Karl-Heinz Grasser sein umfassendes Geständnis 'Bin bereit für die Koalition'? Richtig, dort, wo sich sein Werbewert für die Kristalllady in den letzten Wochen am penetrantesten niedergeschlagen hat - Geschäft ist Geschäft."

Drei Folgen zitierte Österreich aus einer nichtautorisierten Kampusch-Biografie und befand dann: "Ein Buch, das neben teils massiven Eingriffen in die Privatsphäre Nataschas vor allem eines enthält. Heiße Luft." Traxler: "Spätestens in diesem Stadium hätte man von einem Blatt, das über einen Rest von Anstand verfügt, das Bekenntnis erwartet: Leserinnen und Leser, wir haben euch jetzt drei Tage mit heißer Luft angeblasen, tut uns leid, jetzt ist Schluss, Geld zurück. Aber für den Herausgeber, dessen Lebenselixier abgestandene Luft ist, kommt so etwas nicht infrage." Im Gegenteil: Für den Erscheinungstag dieses Blattsalats hatte Fellner schon Buchexzerpt 4 angekündigt. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 20.11.2008)

  • Günter Traxler: Blattsalat, Neue Texte. Verlag Der Apfel, Wien 2008, 436 Seiten, Hardcover, 26,80 Euro.
    foto: verlag

    Günter Traxler: Blattsalat, Neue Texte. Verlag Der Apfel, Wien 2008, 436 Seiten, Hardcover, 26,80 Euro.

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