Post-Gipfel: Schmierenkomödie

19. November 2008, 17:56
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Einen Vorgeschmack, wie nachhaltig die künftige Regierung Probleme löst, gab der Post-Gipfel im Finanzministerium - Von Luise Ungerboeck

Einen Vorgeschmack, wie nachhaltig die künftige Regierung Probleme löst, gab der Post-Gipfel im Finanzministerium: Der gelbe Riese verzichtet 2009 generös auf „betriebsbedingte" Kündigungen, weil er seine überzähligen Leute auf Kosten der Steuerzahler in Frühpension (Hacklerregelung!) schicken kann, freiwillige Abgänge nicht nachbesetzen wird, Golden Handshakes und Sozialpläne gibt.

Weil diese Maßnahmen des Personalabbaus in Österreich völlig unbekannt, radikal, unglaublich innovativ und vor allem gar nicht teuer sind, kann sich die Post-Personalvertretung beziehungsweise die mit ihr idente Post-Gewerkschaft nun wieder zufrieden zurücklehnen und warten, bis das Post-Management im Herbst 2009 mit dem nächsten Rationalisierungspaket anrückt. Die nächste Streikdrohung, von der Öffentlichkeit teils fassungslos, teils angewidert aufgenommen, ist programmiert.

Dass die Post ihre Zustelldienste weiter an billigere - weil keinen Tarifverträgen unterliegende, in abhängiger Selbstständigkeit herumkurvende - private Zusteller auslagern wird, stört die Arbeitnehmervertreter offensichtlich ebenso wenig wie die Tatsache, dass der Post-Vorstand damit seinen eigenen unkündbaren Beamten die Arbeit wegnimmt. Zahlen, so der Plan, muss am Ende der Steuerzahler.

Eine Zumutung ist die Schmierenkomödie mit dem runden Tisch. Weder ist die Versorgung mit Post-Dienstleistungen gesichert noch die Zukunft der Post, obwohl ihr Vorstand das vor zwei Jahren noch felsenfest behauptete. Wenn die Politiker jetzt noch die überzähligen Telekom-Beamten wegbeamen, ist Österreich ergriffen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2008)

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