Kein Freispruch der IAEO für Damaskus

19. November 2008, 17:43
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Im Herbst 2007 zerstörte Israels Luftwaffe eine Anlage, die US-Geheimdienste als fast fertigen Atomreaktor bezeichneten

Jetzt liegt ein erster Bericht der Atomenergiebehörde in Wien dazu vor.

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Wien - Die Frage der gefundenen Uranspuren, dem Aufreger vor der Veröffentlichung des ersten Berichts der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zu einem mutmaßlichen geheimen Atomreaktorbau in Syrien, wurde auch am Mittwoch nicht gelöst: Die IAEO spricht sich mit keinem Wort darüber aus, auf welche Aktivitäten die "anthropogenen" Uran-Partikel, die von UN-Inspektoren in "signifikanter Zahl" am Gelände festgestellt wurden, hinweisen könnten.

Die Spuren seien "nicht konklusiv" , hatte IAEO-Generaldirektor Mohamed ElBaradei vor wenigen Tagen gesagt, das heißt, sie sind keine Beweise für eine nukleare Tätigkeit am Gelände. Das schachtelförmige Gebäude, in dem sich nach US-Geheimdienstinformationen ein mit nordkoreanischer Hilfe gebauter, fast fertiger Reaktor befunden haben sollte, war im September 2007 von der israelischen Luftwaffe zerstört worden. Israel geht mit Informationen zu dem Fall sehr restriktiv um, die Annahme ist jedoch, dass der - angeblich nach einer Kopie von Pjöngjang gebaute - Reaktor Syrien zur Plutoniumgewinnung für ein Atomwaffenprogramm dienen sollte.

Auch Syrien-kritische Experten waren immer der Meinung, dass im Reaktorbau noch keine Brennstäbe eingeführt waren, von denen die Uranspuren stammen könnten. Syrien gibt nun an, dass sie von der israelischen Munition kommen. Die IAEO hat angekündigt, sich zur Überprüfung dieser Vorwürfe an Israel zu wenden. Und Syrien wird aufgefordert, weitere Untersuchungen zuzulassen, vor allem des nach der Bombardierung eilig weggeschafften Schutts der Anlage und von weiteren drei Orten, wo ihr der Zugang bisher verwehrt ist.

Syrien behauptet, dass das Gebäude anderen militärischen Zwecken gedient hat, was der IAEO-Bericht nicht ausschließt. Dieser enthält aber die schwerwiegende Einschätzung, dass sowohl das Design des zerstörten Gebäudes als auch das damit verbundene Kühlsystem Einrichtungen, die im Zusammenhang mit einer Nuklearanlage zu erwarten seien, "ähnlich" seien.

Der Bericht enthält, wie erwartet, weder einen Schuld- noch einen Freispruch. Israel wird (nicht namentlich) dafür gescholten, die IAEO durch den "unilateralen Einsatz von Gewalt" an ihrer Aufgabe gehindert zu haben, ihren vom Atomwaffensperrvertrag gestellten Aufgaben nachzukommen. Und Syrien macht diese Aufgabe durch sein Verhalten noch "komplexer". (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2008)

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