Im Volltext: Franzobels Originalmanuskript

19. November 2008, 18:03
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Auftritt einer Assistentin im Galakostüm ...

... über die Showtreppe, man denkt, es handelt sich um die Moderatorin, sie lächelt, Musik, schreitet elegant die Treppe herunter, stolpert, fällt die Treppe runter.

Maria Happel mit Amy Winehousefrisur, Dirndl, Knickerbocker, klobigen Trachtenschuhen, Vogelkäfig, in dem sich die Umschläge mit den Preisträgern befinden, wütend, aus der Gasse kommend So hätte ich begonnen, wenn man mich machen ließe, im Galakleid, aber man lässt mich nicht. Jetzt gibt es ein Buch von Franzobel und ich muss einen Direktor und einen Beleuchter und eine Klofrau und den Hitler und weiß Gott was spielen. Ist der überhaupt da, der Franzobel? Wie? Was? Der ist gegenwärtig nicht momentan? Franzobel ist im Fernen Osten. Wo? In Linz. Das ist ja der ganz ferne Osten. Typisch. Und jetzt muss ich. Wissen Sie, was das ist? Eine Zumutung. Guten Abend meine Damen und Herren. Wie gesagt, ich hätt ganz anders begonnen, aber im Buch bin ich jetzt eine Schauspielerin beim Vorsprechen. Sie wechselt die Rolle

Hab ich alles intus: Mundaufprobe, Stehprobe, Wenn-der-Kollege-spricht-Schweigprobe. Aber wo ist denn jetzt das Vorsprechen? Das ich so was noch notwendig hab - nur weil es im Buch steht. Als junge Schauspielerin war ich immer besorgt, ob meine Stimme durchhält, jetzt ist es der Magen. Wo ist denn jetzt das Casting. Standbein, Spielbein. Spielbein, Standbein. Ich hab meinen ganzen Schmuck angelegt, weil die nehmen ja nur Reiche. Wo ist denn jetzt das Vorsprechen... Hallo!

Was ist denn das? Nestroy? Hmm. Kommt mir bekannt vor. Nestroy? Ist das nicht dieser österreichische Oskar, diese langweilige Theater-Weihnachtsfeier, ein Galaabend schamloser Selbstbeweihräucherung, wo sich alle in Komplimenten suhlen und alle auf die Bühne wackeln, ich bedanke mich bei den Spermien meines Vaters, ich danke den Eierstöcken meiner Mutter, den fehlerhaften Kondomproduzenten. Ehen werden da gekittet, Kinder gezeugt. Und dann diese Moderation, wo man die Pointe schon fünf Minuten vorher riecht. Mich müsste man das machen lassen, ich würde mich so hinstellen, so, und Billy Wilder zitieren: Was haben Hämorrhoiden und Preise gemeinsam? Im Alter kriegt sie jeder Arsch. Und ich würde sagen, meine Damen und Herren, das Theater ist ein Schmuckkästchen, das es zu bewahren gilt, gerade in unserer heutigen Zeit des Sprachverlusts und der Kommunikationslosigkeit, wo all nu no so sprech, niema meh eine gute Ausspra man nich meh versteh... Und die Theaterleute sind ein friedliches, ein friedliebendes Volk, gut, sie intrigieren und keifen, sie sind neidisch und voller Missgunst, aber sonst sind sie die besten, die edelsten Menschen. Ein Schmuckkästchen das Theater! Es hat nichts mit dem Feuilleton zu tun, das Publikum ist wichtig.

So würde ich mich hinstellen und die Menschen im Publikum hinstellen, als das was sie sind, liebenswert, wunderbar, das ganze Küss-die-Hand-Viertel, Habedieehre, so viel Botox, alle Lachfalten gelähmt, die üblichen Verdächtigen, der Inter Mailand Pokorny, der Herrn Wagner-Trenchcoat, sogar der Peter Nimm-mich-innich-bin-ich, die ganzen Intendanten, Prinzipale und Prinzipalinnen von Großenzersdorf bis Kleinreifling, Doyens und Doyennen, Hähne und Hennen, Kammerschauspieler, Producers und zu Produzierende ... den Häupl und die Happel - nein, das bin ich ja selbst. Abend. Happel, - ein Fußballername. Wir befinden uns hier im Ernst im Maria Happel Stadion. Nein, Fußball kommt mir nicht mehr vor. Seit ich am Tag, an dem Österreichs Spieler unsterblich werden hätten können, von Berlin nach Wien geflogen bin und alle Bildzeitung gelesen haben: „Ösi Würstchen auf Wiedersehen, heute verputzen wir euch!" ist bei mir der Fußball unten durch. Euro? Und dann noch mit der Schweiz. Wissen Sie wie in der Schweiz die Nationalmannschaft heißt? Naazi! Die der Österreicher heißt ja auch nicht Dorli - obwohl das passen würde, bei den Schmerzen, die sie uns zufügt. Aber in Österreich gehen mehr Leute ins Theater als auf den Fußballplatz. Darauf kann man stolz sein.

Es geht hier nur um das Theater, diese hehre und edle Kunst. Theater macht schön und gescheit und sexy und langhaxig. Gut, den Schauspielern geht es nur um die Besetzung. Was du spielst die Ophelia? Wieso ich nicht? Was brauch ich die Ophelia, wenn ich die Gertrud hab... Eigenartigerweise hängen die Besetzungszettel immer gleich nach dem Portier beim Häusl. In jedem Theater hängt der Besetzungszettel neben dem WC. Das machen die absichtlich.

Unlängst war ich in einer Buchhandlung, was hab ich mir gekauft? Einen Lass-uns-ohaun Pamuk? Ein Hörbuch? Toni Polster liest die Bibel? imitiert ihn Du sollst nicht begehren deines nächsten Pass, wer ohne Sünde ist, werfe den nächsten Ball, näher mein Trainer zu dir... Nein, die Memoiren der Ulrike Beimpold. Die Erinnerungen einer Beleidigten? Mitnichten. - Ich kann nichts dafür, das steht so im Buch.

Kommen wir also zur ersten Kategorie, zur Kategorie beste Schauspielerin, - und ich bin nicht dabei! Was eine Schweinerei ist! Diese Leute von der Nestroy-Jury haben keinen Stolz. Talent und Begabung ängstigt sie. Sie riecht unter ihrer Achsel Buah. Alles Kritiker. Von allen Theaterberufen ist der des Kritikers der Schrecklichste - Egon Fridell. Nominiert sind also in der Kategorie ... „Beste Schauspielerin"

Sandra Cervik in den Frauenrollen des „Reigen" von Arthur Schnitzler, Theater in der Josefstadt - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Regina Fritsch als Nawal in „Verbrennungen" von Wajdi Mouawad, Akademietheater - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Andrea Wenzl in der Titelrolle von „Alice" nach Lewis Caroll, Schauspielhaus Graz - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Filmeinspielungen, Jingle, Sie nimmt einen Umschlag aus dem Vogelkäfig

Ich muss das jetzt öffnen, Moment, der Preis geht also an... an Sunny Melles, nein, Entschuldigung, ich bin so aufgeregt, ich kann kaum lesen, ah, da steht's, der Nestroy 08 in der Kategorie beste Schauspielerin geht also an Stefan Petzner, nein, Entschuldigung, ich bin so nervös, so jetzt hab ich's, der Preis geht also an...

Danksagung

In Glitzer-Varietekostüm, mit Zigarette. Das Umziehen geschieht während dem Singen
Lied: Wie ich eins war, hatte ich einen Kopfwackler, mit zwei bekam ich einen Zungenzeig, und wie ich drei wurde, begann dann das Ohrenwackeln. Mit vier stellte sich ein das Brrrbrrrmund und mit fünf hatte ich ein Augenrollen. So war ich gerade erst mal sechs und hatte schon das und das und das und das und das. Sie macht alle fünf Bewegungen schnell hintereinander, jede Bewegung wird von eigenem Geräusch (Klingeln, Hupen, etc.) begleitet. Was sollte da viel aus mir werden? Man hat mich ausgelacht für das und das und das und da. Was konnte ich da tun, ich musste ans Theater. Ich hab gezischpelt und geblupscht, ich hab gewischpelt und gebrumst. Ich hab gehappelt und gehumpft. Und ich wusste, Kindchen, du musst ans Theater mit deinem 5 Bewegungen, mit deinem Zischpeln, Blupschen, Wischpeln, Brumsen, Happeln und Humpfen musst du auf die Bühne, auf die Nudelbretter dieser Welt.

Keine Ovationen bitte.

Wissen Sie eigentlich, dass das Leben verkehrt anfängt? Stellen sie sich vor, es fängt mit dem Tod an, man erwacht, erhebt sich aus dem Sterbebett und geht ins Altersheim, wo man sich pflegen lässt, bis man dafür zu jung ist. Dann bekommt man eine goldene Uhr und Geschenkkörbe, man fängt zu arbeiten an, die Beziehung wird täglich schöner, bis man frisch verliebt ist, bis man sich nicht mehr kennt, man zum Arbeiten zu jung ist, dann geht man in die Schule, wo man täglich was vergisst, bis man zu dumm dafür ist, in den Kindergarten wird man dann gesteckt, bis man auch dafür zu klein ist, nur noch herum getragen und gefüttert wird, man nicht mehr spricht - trotzdem haben einen alle lieb. Und am Schluss kriecht man in den Schoß seiner Mutter und wird in einem großen Höhepunkt geboren. Ich sag es ja, das Leben fängt verkehrt an.

Dafür, dass es auch diese andere Sicht der Dinge gibt, braucht man im Theater die Regie. Die Regie? Wissen Sie, woher das Wort kommt? Von Rage. Regie, reg i mi auf - oder net? Und Leute, die diese Aufreger produzieren sind die Reschischeur, die Resisch, die Rescheusch, na, Sie wissen schon,

Nominiert in der Kategorie „Beste Regie" sind also...

Stefan Bachmann mit „Verbrennungen" von Wajdi Mouawad, Akademietheater - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Christiane Pohle mit „Freier Fall" von Gert Jonke, Akademietheater - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Nicolas Stemann mit „Die Räuber" nach Friedrich Schiller, Salzburger Festspiele in Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Filme, Jingle

Der Nestroy 08 für die beste Regie geht an... Ich hab es ja nicht geglaubt, aber ich weiß selbst nicht, was in diesem Umschlag steht. Wirklich. Gestern erst ist ausgezählt worden und in der Regie sitzt jemand, der es weiß, damit die Kamera den Preisträger erwischt. Aber sonst weiß es niemand. Ehrlich. Sie denken jetzt natürlich, die Alte kann mir viel erzählen, ich glaub ihr trotzdem nicht. Aber es stimmt. Niemand weiß, was in diesem Umschlag steht. Freilich, irgendwer muss die Stimmen auszählen und irgendwer muss den Namen des Siegers in den Umschlag stecken, aber die werden nachher alle gleich sie macht ein Zeichen für Kehle durchschneiden und auch die, die das machen werden selbes Zeichen und auch ihre Familien und alle Leute, die mit ihnen Kontakt hatten... und die Hersteller der Kuverts und... Alle! Geheimhaltung hat eben ihren Preis. Der Nestroy 08 für die beste Regie geht also an...

Jingle, Danksagung

Assistentinnen bringen Billeteursjacke und Kappe

Als Billeteur, der sich zusehends in Reich-Ranicky verwandelt: Programme! Frische Programmheftln. Programmatische Programmhefte, contragrammatische Progrome. Wie ich nach Wien gekommen bin und in die Josefstadt wollte, hat man mir gesagt, ja, gehngans, da rennans und nehmans den D-Wagen. Ich hab geglaubt, die spinnen. Was soll ich denn mit einem Tee-Wagen in der Josefstadt? Ich dachte immer, Wien sei so berühmt für den Kaffee - nicht für den Tee. Mit dem Tee-Wagen in die Josefstadt, alles, was recht ist.

Ich hab ja nie verstanden, wieso es harte und weiche t's gibt. Man sagt ja auch Billiedeur, Deater, Föddinger...
Mein Vater hat zu Weihnachten immer gesagt, du darfst dir alles wünschen, so lange es gebackener Karpfen mit Erdäpfelsalat und ein Abend in der Josefstadt ist. Ich habe alte Eltern, sehr alte.

Es gibt ja Schriftsteller, Audoren, die schreiben, weil sie schreiben wollen und andere, die schreiben, weil sie Schriftsteller sein wollen. Es gibt Berserker und Bitte-nicht-bös-sein-wenn-ich-Ihnen-auf-die-Füße-trete-Schreiber. Der Träger des diesjährigen Autorenpreises gehört sicher zu den ersteren. Den werden wir uns merken müssen.

Können Sie sich noch an das Flugzeugunglück letzten Sommer in Madrid erinnern. Nachdem es zwei missglückte Startversuche gegeben hat, wollten Passagiere aussteigen, der Pilot hat sie nicht gelassen - jetzt sind alle tot. Freier Fall. Wumms. Das zeigt, wie sehr man sich auf seine innere Stimme verlassen und für sie kämpfen muss. Einer, der das immer gemacht hat, einer, der immer ein Amokläufer in der Sprache war, ist der Träger des diesjährigen Autorenpreis, Gert Jonke. Gert mit hartem t. Er erhält den Nestroy bereits zum dridden Mal. Warum weiß ich nicht. Wahrscheinlich weil ihn sich die ehrenwerte Nestroy-Jury gemerkt hat, oder weil es sonst keine Dramatiker mit hartem T gibt. Einen gäb's natürlich schon, den Zumtobel, äh, Franzobel, Entschuldigung, aber der schreibt das Buch für diese Gala (ist er schon da?) und seit sich der Peter, wie heißt er jetzt, Moll, nein, Durrini. Meine Damen und Herren, begrüßen Sie mit mir, den Träger des Autorenpreises Gert Jonke. Gert mit hartem t.

Applaus

Lux betritt die Bühne.

Aber das ist doch der Joachim Lux. Sollten Sie nicht längst schon in Hannover sein? Äh, Hamburg. Mir ist alles eins. Begrüßen Sie mit mir, meine Damen und Herren, den Laudator Joachim Lux.

Rede, Preisübergabe

Als Diva, mit Whiskyglas, einsam: Einen Auftritt. Ich brauche einen Auftritt, Kinder. Wenn ich die Medea spiele, spüre ich auch die Steine Griechenlands unter mir. Eine Galatreppe. Eine Feststiege? Gibt es nicht. Wenigstens einen Teppich. Sie findet eine kleine Stehleiter, klettert hinauf. Zumindest eine Leiter. Da. Jetzt bin ich in der Lage, die Balkonszene aus Romeo und Julia mit mir selbst zu spielen.

Sie werden sich vielleicht fragen, warum ich alleine moderieren muss? Einsparungsmaßnahmen. Nein, unter uns, weil man keinen gefunden hat. Wie ein altes Mädchen auf einem Heiratsmarkt bin ich mir vorgekommen, wie auf einem Viehmarkt, aber keiner wollte mich, dabei hat man alle angefragt, den Manker, den Markovics, den Malkovic, den Millowitsch, den Mayer, den Maertens, den Maierhoff, den Moik, den Moser, den Muster, den Messias, und das waren nur die Ms, sogar den Serafin, aber keiner wollte mich. Keiner. Mit dem Serafin hätten wir 5000 mehr gehabt. 5000 was? Tänzer? Aber keiner wollt mich. Keiner. Dabei hab ich ein Gesicht. Ein Gesicht, da steckt die ganze Welt drinnen - von Perchtholdsdorf bis Reichenau. Und eine Figur! Wie? Wie ein Überraschungsei auf zwei Beinen? Ballt die Faust Franzobel! Ich bin feinmembratorisch!

Und dabei bin ich so gut ausgestattet. Theatermäßig. Ich hätt mir zum Beispiel alleine heuer den Nestroy für die beste Schauspielerin selbst überreichen können, wenn ich nicht so bescheiden wäre. Ich finde ja, dass jeder einen Nestroy bekommen sollte - die Schweizer haben die Volksbewaffnung und bei uns hat jeder einen 5 Kilo schweren Nestroy unterm Bett liegen. Aber dafür hat die Regierung wieder kein Geld. 0,78 Prozent des Haushaltsbudgets gehen in die Kultur und 3 Prozent in die Landesverteidigung. Da könnte man doch umschichten. Stellen Sie sich vor, wir werden überfallen und die Österreicher laufen den feindlichen Soldaten mit Nestroys entgegen. Sieht ja aus wie ein goldenes Eisstanitzel. Na ja, mehr wie ein überdimensionales, vergoldetes Fächergürkchen. Oder wie ein großer Kinder-Dart-Pfeil, mit einem Magnet vorne. Aber dafür fehlt der Regierung das Geld. Wir haben zwar gewählt, aber keine Regierung, und die hat kein Geld. Minus und Minus ergibt Plus. Deshalb darf ich diese Galavorstellung auch moderieren, als Fortsetzung der Nationalratswahl, ich, die Elefantenrunde - dabei bin ich ein Uhu, unter hundert. Franzobel! Der weiß schon, warum er nicht da ist. Weshalb so viele Schauspieler in die Politik drängen? Heuer hat sogar ein österreichischer Schauspieler eine Partei gegründet. Eine Hackler-Partei? Beinahe.

Daher kommen wir nun zu etwas ganz anderem, zur besten Ausstattung. Wie wichtig das Bühnenbild ist, zeigt die Tatsache, dass ich selbst in einem solchen stehe. Ja, da schauen Sie. Ich steh mitten in einem Bühnenbild - und es tut nicht weh. Wir befinden uns hier übrigens im Wiener Ronacher - ich sag das für die Fernsehzuseher, weil Sie im Saal werden es ja wissen, für die Fernsehzuseher, die daheim in ihren kalten Holzhütten bei einem Glas heißen Wasser und vielleicht einer alten grünen, verschimmelten Knackwurst sitzen, weil sie sparen müssen, sparen, weil die Bankvorstände jährlich Milliarden Bonifiationen eingestreift haben, sparen, um sich auch einmal im Leben eine Karte für die Producers im Ronacher zu leisten. Die teuerste Produktion ever. Und das wäre das Bühnenbild. Also schauen Sie es sich gut an.

Für den Nestroy 08 in der Kategorie „Beste Ausstattung" sind nominiert

Viktor Bodó für „Alice" nach Lewis Carroll, Schauspielhaus Graz - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Hyun Chu für „Clavigo" von Johann Wolfgang von Goethe, Volkstheater - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Rolf Langenfass für „Nächstes Jahr - gleiche Zeit" von Bernard Slade, Kammerspiele - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Und gewonnen hat...

Jingle, Dankesrede

Als Direktor: Kinder, Kinder. Statt eines Herzens hab ich eine Loge, statt einer Seele ein Nudelbrett und statt eines Verstandes einen Vorhang - der nicht hoch geht. Ich bin ganz auf Theater eingestellt. Wir haben ein bewegtes, ein ereignisreiches Theaterjahr hinter uns. Ein großartiges Theaterjahr. Die Burg hat alle Shakespeares abgespielt, damit für den Nachfolger keiner mehr bleibt. Die Josefstadt hat nach einem Umbau erst im November wiedereröffnet. An anderen Häusern wird so besetzt, dass niemand besser ist als der Intendant und seine Frau - da liegt die Latte hoch. Im Schauspielhaus ist ein Stück gleicher als das andere. Und die größten Highlights waren in der Provinz, die ich aber nicht gesehen habe. Und dann ist noch der größte österreichische Schauspieler mit 1,8 Promille und 140 km/h verunglückt. Ein Großindustrieller will jetzt Schlüsselanhänger mit dem Konterfei des seligen Kärntner Landeshauptmanns produzieren, darunter soll stehen: Gute Fahrt. Und dann will auch noch der Fritz Muliar den Claus Peymann verklagen, weil er ihn einen kompletten Volltrottel genannt hat - da frägt man sich schon, ob das nicht gerade die unfreiwillige Verifikation der Behauptung ist. Kinder, Kinder.

Gut dass wir noch den zukünftigen Präsidenten von Amerika haben. Imitiert Schwarzenegger: Es war immer schon mei dream the Apfelstrudel, jetzt hab ich a schene operierte Frau, sie kann auch schreiben, sie heißt Schreiber, eigentlich is a Kennedy, mach ich unter jeden Krieg a Kreisel, gell Osama, samma zwei... den Preis für den besten Apfelstrudel geht ohnehin an mei Mama, die hat den ausgezogen, sonst san wir eher prüde - außer beim Sex. Was kann i nu sagen, important ist, dass man schnell ausekummt aus Österreich, nach Hollywood, da gibt's de besten Schatzis und das meiste Göld... so wie i das gemacht hab... apropos, wenn i schon do bin, wollts man net a amoil so an Preis als surprise verleihen, ... na? Es heiß ja, dass a Schauspieler a Stunde vor der Premiere net strafmündig ist - also passts auf... Wer is de junge Herr mit der schönen Prinz Eisenherz Frisur? Ah, des ist de Frau Kathrein. Entschuldigung, net bes sei, i bins, da Aaaarni aus ...

Jedenfalls werden heuer schon zum neunten Mal elf Nestroys vergeben. Eigentlich müsste der Preis ja Neströ heißen, weil er ein österreichischer Theaterpreis ist. Es heißt ja auch ÖIAG, ÖFB, SPÖ, ÖVP, FPÖ, BZÖ, Gröne, andererseits gibt es auch die OMV, den ORF und die AUA - das tut weh.

Österreich hat also gewählt, meine sehr verehrten Damen und Herren, das heißt die 333 Mitglieder der Nestroy-Akademie haben gewählt. 333 rosarote Ritter ritten 333 mal um den Berg Ararat. Sie haben gewählt in der Kategorie Spezialpreis aus folgenden Nominierten.

Andreas Beck für den Neustart im Schauspielhaus Wien - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Hans Escher und Bernhard Studlar für das Autorentheaterprojekt „Roter Oktober", wiener wortstaetten - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Suse Wächter für ihre Gestaltung der Puppen in „Go West - Eine Familie wandert aus" von Sasa Stanisic, Schauspielhaus Graz - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Den Nestroy 08 in der Kategorie Spezialpreis erhält...

Jingle, Danksagung

Als Souffleuse: Geflüstert Was schert mich Bozen, wenn ich St. Pölten haben kann. Laut Was schert mich Bozen, wenn ich St. Pölten haben kann. Diese Schauspieler merken sich einfach keinen Text mehr. Mein Herz ist ein Reindl und meine Seele ein faschierter Braten. Aber die haben ein Nudelsieb im Kopf. Und wer muss sie retten, wer ist ihr Netz? Ich, die Dame aus der Soufflage, die Tante im Souffle. Ich souffliere, wie ich soupiere, weil ich probiere und auch studiere...

Unlängst hab ich zwei Jungschauspieler in der Kantine belauscht: Ich hab den Mortimer abgelehnt. Was schert mich Bozen, wenn ich St. Pölten haben kann.

Wie heißt es doch beim Qualtinger: In Märisch-Ostrau hättest du mich erleben müssen. Du warst in Märisch-Ostrau? Ev. die ganze Nummer?

Und alle wollen ins Burgtheater. Wissen Sie, was die russischen Präsidenten mit den Burgtheaterdirektoren gemein haben. Eine klar vorhersehbare Abfolge zwischen Behaarung und Glatzköpfigkeit. Lenin Glatze, Stalin Haare. Chrustchow Glatze, Breschenjew Haare, Andropow Glatze, Tschernenko Haare, Gorbatschow Glatze, Jelzin Haare, Putin Glatze, Medwedew Haare. Und genau so ist es mit den Burgtheaterdirektoren. Glatze, Haare, Glatze, Haare. Peymann, Bachler, Hartmann, Happel. Na ja. Kann ja noch werden.

Das Burgtheater verdient ja am meisten, wenn darin nicht Theater gespielt wird. Vielleicht soll man es an eine großes Fastfood-Kette verpachten: Burger-Theater.

Wir kommen nun also zur Kategorie bester Nachwuchs 2008, zur jeunesse doree. Schauen wir mal, was da so nachgewachsen ist. Die sind ja teilweise so jung, dass die gar keinen Schilling mehr kennen.

Nominiert sind:
Ewald Palmetshofer als Autor von „wohnen.unter glas", Schauspielhaus Wien - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Jette Steckel für die Inszenierung von „Die Kaperer oder Reiß nieder das Haus und erbaue ein Schiff" von Philipp Löhle, Schauspielhaus Wien - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Sebastian Wendelin als Sebastian in „Der junge Till" von Gregor Barcal und Alex Scheurer sowie in mehreren Rollen in „I Furiosi" nach Nanni Balestrini - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Als Kantinefrau

In H-Wien gibt's an Hamur, ganz H-Wien ist ein H-Heuriger, wo man tschunkelt, sich vergnügt und an Ha-Lamourhatscher tanzt, wo die Leut mit braunen Tabletts voller H-Hochgenüsser zum Scha-hanktisch wackeln, an H-Liter Wein sich in die Gurgel lackeln, sich dreckig, derbe Witz erzählen, Aschenbecher stehlen und wegen H-Nichts sich in die Pappn hauen. In H-Wien gibt's an Hamur, ganz H-Wien ist ein H-Heuriger, wo man tschunkelt, sich vergnügt und an Ha-Lamourhatscher tanzt, wo die Leut so gern raunzen und fürs grantig sein h-leben. Ganz H-Wien hat an Sch-hmäh, ist gemütlich und ha ganz ganz vergnüglich, wenn man Küss die H-Hand sagt und Leck mich am H-Arsch meint, ha Wien und die Wiener, das sind halt Schlawiner ... Hallo.

Sind Sie ein Kratochwil oder ein Pospischil, heißen Sie Trrrrtilek oder Karrrrasek, sind sie ein Hatschek, ein Wlaschek oder Maschek, Holub, Horak oder Morak, Kavlak, Schimek oder Srna, heißen Sie Gludowatz, Akagündüz oder Pfrm, dann sind Sie ganz bestimmt aus Wien. Denn so ein wasch, ein echter Wiener, mit einer böhmisch-wienerischen Oma, einem O-mein-Papa aus der Bukowina, einem Göd aus Galizien und einer Tant aus Samarkant, mit Ahnen, ja, Sie ahnen es, aus Polen oder Budapest, das ist ein echter, ein wasch, ein echter Wiener. Heißen Sie Czerny oder Hubtschek, Tschigrinsky oder Hatschek, sind Sie ein Popowitch, Senekowitsch, Kowatschitsch, Tschitschewitsch, Witschetschitschetschitschetschischetschitsch, dann sind Sie ganz ein besonderer Vogel und kommen ganz bestimmt aus Wien. Hallo. Ja, in H-Wien gibt's an Hamur, ganz H-Wien ist ein H-Heuriger, wo man tschunkelt, sich vergnügt und an Ha-Lamourhatscher tanzt,...

Die Zahl der Herzschläge eines Menschenlebens ist limitiert. Es heißt so maximal um die 2 Milliarden Herzschläge hat jeder Mensch zur Verfügung. Aber jedes Mal, wenn ich die nun Nominierten sehe, die, die jetzt kommen, Heldenväter und Schurkendarsteller, Gigolos und Heroen des Alltags... verbraucht mein armes kleines Herz ganz viele Pumperer, es rast. Aber das ist es mir wert.

In der Kategorie „Bester Schauspieler" sind drei Herrschaften nominiert, Herrrschaften, herrlich kommt ja bekanntlich von Herr und dämlich von Dame - nicht lachen, bitte, nicht lachen, drei Herrschaften, die gemeinsam ein Ernst Jandl Gedicht bilden könnten, sie heißen nämlich Koch weiß Hering, Hering weiß Koch. Weiß Hering Koch? Hering Koch Weiß. Ich weiß gar nichts. Aber gleich werd ich es wissen.

Nominiert sind also:

Markus Hering als Hermile in „Verbrennungen" von Wajdi Mouawad, Erich in „Freier Fall" von Gert Jonke und C in „Pool (kein Wasser)" von Mark Ravenhill, Akademietheater - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Roland Koch als Franzeck in „Die Probe" von Lukas Bärfuss, Akademietheater - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Samuel Weiss als Seth Regan und Mickey Nestor in „Harper Regan" von Simon Stephens, Salzburger Festspiele in Koproduktion mit dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Der Preis geht an... die drei Assistentinnen sehen ihr über die Schulter, die stiehlt sich davon, das Spiel wiederholt sich, sie flüstert den Preisträger, man versteht sie nicht, eine Assistentin bringt ihr Wasser, jetzt geht's, ... Der Preis geht an...

Jingle, Dankesrede

Als Beleuchter mit Scheinwerfer

An Anfang sprach der Herrgott: Wer spricht, kriegt Licht! Dann ist ein Beleuchter auf die Bühne und hat gesagt: Heit geht gar nichts mehr. Probenschluss. Licht aus. Feierabend. Ob das verdient ist? Es ist ja ein Unterschied, zwischen dem, was ich verdien und dem was ich krieg.

Die eigene Spucke kann man nicht schmecken - nur anschauen. Aber anschauen kann man sie sehr wohl. Man sagt ja immer, das Theater hat keinen Nutzen und die Schauspieler haben keine Ideale mehr. Aber das stimmt nicht. Es gibt viele Kollegen, die sich für humantiäre Belange einsetzen - und Champagner für die Menschenrechte trinken. Es hat sich zum Beispiel der Harald Krassnitzer für das Hilfswerk Österreich engagiert. Harald Krassnitzer unterstützt auch die Amref Austria. Er war Teilnehmer der Kundgebung für Bleiberecht in Grein, im Fall Arigona hat er eine Grußbotschaft ausrichten lassen, er sprach beim KZ Gedenken in Gunskirchen, Harald Krassnitzer hat zahlreiche Petitionen gegen die Finanzkrise unterschrieben...

Aber er bekommt den Nestroy trotzdem nicht, weil er einfach ein schlechter Schauspieler ist, steht im Buch, nein, weil er schon einen Bambi hat. Der Nestroy 08 in der Kategorie Beste Off-Produktion geht an ein engagiertes Theater-Projekt. An eine Produktion, bei der auch der letztes Jahr tragisch verunglückte Georg Staudacher mitwirkte. Es sterben ja viel zu viele Theaterleute. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an Joachim (?) Herdieckerhof (?) und Marie Zimmermann. Ulrich Mühe ist gestorben, George Tabori und ... Das Theater ist gefährlich. Schon das viele künstliche Licht, die Pressspanholzplatten, die weggeatmete Luft, die Abonnenten, das Kantinenessen, die Schminke, die Bakterien in den Stühlen, der Angstschweiß in den Kostümen. Das Leben im Theater ist ungesund. Das Leben als solches ist gefährlich, meine Oma hat Badeperlen gegessen, die sie für Pralinen hielt, mir ist eine gefrorene Weihnachtsgans auf den Fuß gefallen.

Das Scheinwerferlicht des Nestroy 08 in der Kategorie Beste Off Produktion fällt auf ein Projekt, das sich mit Amokläufen an Schulen auseinandersetzt, an
Volker Schmidt mit „komA", New Space Company und Dschungel Wien - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Preisentgegennahme, Jingle, Danksagung

Als Putzfrau mit Mob und Kübel

Ma, da schauts schon wieder aus. Die immer mit ihre Galas, aber zsammräumen tuns net. Da redens von Fantasie und Menschlichkeit - und was machen's? An Saustall! Wir kommen nun zum Spezialpreis beste Frühlingsrolle. Die beste Frühlingsrolle gibt es beim Da Du Hui in der Geblergasse im 17.Bezirk. Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die deutsche Sprache von chinesischen Einflüssen infiltriert ist. Blue Tschin - Hose auf Chinesisch, Blu tschen - ein Sprachfehler. Sau Zung - ein üppiges Mal, Hau Zwang. Nestloy. Was heißt Nestroy eigentlich. Nest. Roy. König vom Nest? Oder Nesttreue?


Die nächste Kategorie heißt beste Nebelrolle. Aristoteles hat ja bereits gesagt, von allen Künstlern, die am Theater vertreten sind, ist der Nebel am bedeutendsten. Der Nebel schafft diese besonderen auratischen Momente, die Verliebten kommen aus dem Nebel, die Schurken flüchten in den Nebel. Der Nebelpleis für die beste Nebelmaschine geht an das nebulose Theater hustet

Weiters gibt es einen Nestroy für den besten siebten Zwerg von links. Wie legst du ihn an? Hintergründig?

Nominiert für den NESTROY 2008 „Beste Nebenrolle" sind Chau chau hoi tsing hui da da hi da wu. Tsatsong tingsao jangdo da ho... und auf Deutsch: Johannes Krisch als Bertl in „Freier Fall" von Gert Jonke, Akademietheater - ein persönlicher Satz von Maria Happel. André Pohl als Alfons in „Der jüngste Tag" von Ödön von Horváth, Theater in der Josefstadt - ein persönlicher Satz von Maria Happel. Udo Samel als Justin in „Motortown" von Simon Stephens, Akademietheater - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Und der Preis geht an...

Jingle, Danksagung

Die Assistentinnen bringen Mantel, Kappe, Bier und einen weißen Hitlerbart

Als Hitler mit Bier

Kann ich jetzt endlich um etwas Ruhe haben! Ruhe bitte!

Singt Land der Zwerge, Land der Keller, Land der Knödel - mit Saft, Land der Teller, Heimat bist du großer Frauen - Versteher...

Wegen der Etikett wär's gewesen. Wegen der Geschichte. 70 Jahre Anschluss. Ich schlage vor, wir beginnen mit mir. Ich sitze jetzt zur Rechten Satans, vom Publikum aus links gesehen. Stellen Sie sich vor, man wollte mich hier nicht mehr auftreten lassen. Niemand wollte mich mehr sehen, keiner hat mehr einen Arsch in der Hose. Diese Ostmärker sind alles Essiggurkerlesser. Keine einzige gescheite Zeitung! Nur U-Bahn-Blätter! Und wo bleibt die Kunst? Was bleibt von der Kunst? Wir alle - nur ein bisschen anders. Prost. Auf die Romantik. Man muss beim Trinken die Nase ins Glas halten. Drei Liter. Und beim Theater muss man die Nase in die Wirklichkeit halten. Das Theater ist Magie. Eine Schule des Zuhörens und Mitfühlens. Es macht, dass man nicht so abgefeilt wird vom Erwachsenendasein, man nicht so glatt poliert wird, man sich seine Kantigkeit bewahrt. Überziehen Sie das? Nein, überziehen tut man eine Bettwäsche. Aber auch das Theater füllt die leeren Säcke unserer Existenz mit flauschigen Daunendecken. Das Theater ist die Wärmflasche in kalten Winternächten, der Senf zum Würstel, das Theater ist dem Handy sein Läuten, dem Hendl sein Gackern, dem Nettsein sein Fett. Das Theater ist das Theater, das man darum macht.

Zur Auswahl standen alle 4000 Inszenierungen im großdeutschen Sprachraum, in Deutschland, der Schweiz und Österreich und Lichtenstein und Deutsch-Südwestafrika und Argentinien und Mallorca. Was mit den unteren Chakren der Leute passiert ist, die sich das alles ansehen mussten, weiß ich nicht.

Nominiert für die „Beste deutschsprachige Aufführung" 08 wurden:

„Das letzte Feuer" von Dea Loher in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg, Thalia Theater Hamburg, Intendant Ulrich Khuon - ein persönlicher Satz von Maria Happel.
„Der Sturm" von William Shakespeare in der Inszenierung von Stefan Pucher, Münchner Kammerspiele, Intendant Frank Baumbauer - ein persönlicher Satz von Maria Happel.
„Ratten" von Gerhart Hauptmann in der Inszenierung von Michael Thalheimer, Deutsches Theater Berlin, Intendant Bernd Wilms - ein persönlicher Satz von Maria Happel.

Gewählt wurde von den 333 deutschsprachigen Mitgliedern der Netroy-Preis-Akademie... die können alle deutsch, Houchang Allahyari, Ezio Toffolutti, Pantelis Dessylas.

Ich habe hier in diesem Kuvert den glücklichen Gewinner, aber das interessiert mich nicht. Zerreißt das Kuvert. Diese Umschlaghörigkeit geht mir gegen den Strich. Wien darf kein Umschlagplatz werden - für nichts. Ich habe daher beschlossen, ein Saalvoting zu veranstalten. Sehr schnell Wer für das letzte Feuer ist, hebt jetzt die Hand. Also niemand. Das war zu spät. Wer für den Sturm ist, hebt jetzt die rechte Hand. Niemand. Die rechte habe ich gesagt. Ratten! Ratten? Auch niemand. Und jetzt zeigen Sie mir mal, wo der Himmel ist. Na, wo ist der Himmel. Sie auch. Wird's bald. Hilft nach, bis alle aufzeigen. Wer ist also dafür dass der Preis nachträglich an Adolf Hitler für seine Inszenierung des Heldenplatzes geht? Danke. Er nimmt den Preis und geht ab.

Kommt zurück. Ich hab's mir anders überlegt. Theaterpolizei und so. Dabei bin ich gar nicht der, für den Sie vielleicht geruhen mich zu halten. Ist doch alles nur Verkleidung. In Wirklichkeit bin ich Linzelot, der Ritter mit dem Schlot. Sie wissen doch, Kulturhautstadt. Was glauben Sie, wie sich Linz 09 gefreut hätte, wenn es schon 08 einen Nestroy eingeheimst hätte. Aber... Nehmen Sie ihn also, möge er Ihnen eine kleine Fluchtmöglichkeit bieten, etwas Frieden bringen. Ich brauch ihn nicht. Linz hat ihn nicht notwendig. Der Nestroypreis 08 in der Kategorie beste deutschsprachige Aufführung geht also an... aber da ihn niemand von mir entgegennehmen würde, ziehe ich das besser wieder aus, die Zeiten sind ein für alle Mal vorbei, der Nestroy 08 geht also an...

Jingle, Danksagung

In Galakleid

Wir kommen nun zum absoluten Höhepunkt unserer Gala, zu einem begnadeten Musiker, er hat schon mit vier die Tonleiter auswendig gewusst, mit acht spielte er vierhändig Klavier, mit zwölf hat er über das Spätwerk Rossinis dissertiert und mit 16 ist er gemeinsam mit einer jungen Soubrette von der Oper desertiert, meine Damen und Herren, begrüßen Sie mit mir... Was? Wie bitte? Sie bekommt Zeichen vom Inspizienten Ja. Nein. Das mach ich nicht. Unmöglich. Nein. Geh, reds doch in ein Sackerl und stells es vor die Tür. Was? Äh hehe. Es ist so, unseren Stargeiger hat es verblasen und seinen Ersatz, den Startrompeter, hat das Management vergeigt, daher soll jetzt ich, auf diesem Kamm...aber das mach ich nicht, na gut, weil Sie es sind Sie bläst auf einem Kamm ein sehr trauriges Lied, wirft ihn dann weg. Scheiße. Entschuldigung. Aber ich mach das nicht. Ich werde mich beschweren, ganz oben.

Im Amerika hat man unlängst Gott verklagt, weil er für so viele Kriege verantwortlich ist. Die Klage wurde wegen Unzustellbarkeit abgewiesen. Man weiß ja nicht, wo Gott wohnt. Da haben wir es am Theater leichter, wir laden Gott ganz einfach ein, wir locken ihn mit einem Preis - und er kommt auch. Unser Beruf hat viel mit Magie zu tun, und wir leben davon, dass uns die Alten Geheimnisse zuflüstern. Und ein so ein großer Geheimnisträger kommt nun auf die Bühne. Nein, noch nicht. Pause Ich versuche ja, den jungen Kollegen immer den Unterschied zwischen Pause und Stille begreifbar zu machen. Das war zum Beispiel eine Pause. Und jetzt zeig ich Ihnen eine Stille. Stille. Merken Sie den Unterschied? Der Nestroy 2008 in der Kategorie Lebenswerk geht an ... Peter Zadek. Persönlicher Satz von Maria Happel.

Die Laudatio wird halten:

Preisübereichung, Jingle, Zadek soll gleich auf der Bühne bleiben

Das, meine Damen und Herren, das war's. Der Käfig ist leer. Mehr Nestroys hab ich nicht. Leider.

Ich darf nun zum Abschluss noch einmal alle Preisträger auf die Bühne bitten. Aber schön aufstellen, ja. Detmolder Halbkreis. Das war die neunte Nestroy-Gala. Ich hätte das ganz anders gemacht, aber das Buch von Franzobel, der gerade im Fernen Osten, in Linz, weilt, schrieb anderes vor. Vielleicht hat es ihnen trotzdem nicht gefallen. Wir freuen uns, dass Sie dennoch dabei waren, gratulieren nochmals den Preisträgern, bedanken uns für die Ovationen und hoffen, Sie auch nächstes Jahr wieder zu sehen, wenn es auch nächstes Jahr wieder heißt, Vorhang auf für die besten Bühnenleistungen des Jahres... Ich bedanke mich noch bei den Sponsoren, der österreichischen Klassenlotterie, dem Ronacher, ... Wir wollen auch nicht vergessen, dass es, während wir hier feiern, anderen Menschen nicht so gut geht, das Geld ist auch bald nichts mehr wert, Hedges-Fond ist das Unwort des Jahres. Menschen werden freigestellt. Entlassen wird man nur noch im Gefängnis und im Krankenhaus - und bei uns. Ich bin Maria Happel und ich entlasse Sie in die Nacht und in die noch verbleibende Spielzeit 08/09.

Schönen Abend - und nicht vergessen, brav ins Theater gehen. Toi toi toi. (Franzobel / DER STANDARD, 20.11.2008)

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