Wie der Staat zu seinem Geld kommt

19. November 2008, 17:25
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Einkommensgrenzen, Tarife, kalte Progression: So funktioniert das Steuersystem

Wien - Auf den ersten Blick sieht das österreichische Steuersystem recht einfach aus: Drei Steuertarife gibt es, die ab bestimmten Einkommensgrenzen greifen. Allerdings ist der entsprechende Prozentsatz nur für jeweils jenen Einkommensteil zu entrichten, der in die entsprechende Steuerklasse fällt. Wer also etwa zwischen 25.000 und 51.000 Euro jährlich verdient, zahlt nicht für seine gesamten Einkünfte 43,6 Prozent, sondern eben nur für jenen Teil, der 25.000 Euro übersteigt.
Zur Einstufung in die verschiedenen Steuertarife wird auch nicht das Bruttojahreseinkommen herangezogen, sondern eine bestimmte Bemessungsgrundlage. Diese ergibt sich aus den zwölf monatlichen Bruttogehältern minus Sozialversicherungsbeiträgen und diversen Freibeträgen. Beispiel: Der Spitzensteuersatz von 50 Prozent greift derzeit ab der Bemessungsgrundlage von 51.000 Euro. Das heißt: Wer im Jahr knapp 70.000 Euro brutto oder mehr verdient (alle 14 Gehälter eingerechnet) zahlt den Spitzensteuersatz.

Weil die Einkommen wegen der Inflation regelmäßig in absoluten Zahlen steigen, die Einkommensgrenzen aber oft jahrelang nicht verändert werden, rutschen immer mehr Menschen in höhere Steuerklassen, obwohl sie gemessen an der Kaufkraft nicht unbedingt mehr verdienen - die viel beklagte "kalte Progression" . Nun verschiebt die Regierung die Einkommensgrenzen nach oben und senkt die Steuersätze; doch die dafür veranschlagten 2,3 Milliarden, sagen Wirtschaftsforscher, werden kaum die Verluste durch die kalte Progression seit 2005 abgelten.

Rund 6,1 Millionen Arbeitnehmer fallen unter die Lohnsteuerpflicht, darunter 2,2 Millionen Pensionisten. Knapp 2,4 Millionen zahlen aber keine Steuer, weil sie unter der Bemessungsgrundlage von 10.000 Euro im Jahr liegen; durch die Reform sollen noch einmal 200.000 Menschen dazukommen. Das Gros der Steuerzahler - nämlich 2,5 Millionen - fällt in die Gruppe zwischen 25.000 und 51.000 Euro. Den Spitzensteuersatz berappten bisher gut 180.000 Menschen. Diese Zahl könnte sich durch die rot-schwarze Entlastung nun um rund 67.000 reduzieren.

Freilich werden vom Salär nicht nur die Lohnsteuer, sondern auch die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. De facto liefern Arbeitnehmer von manchen Einkommensteilen bis zu 49 Prozent an den Staat ab. Besonderheit des Systems: Weil die Versicherungsbeiträge gedeckelt sind, kommen Topverdiener prozentuell am Einkommen gemessen wieder besser weg, als die gehobene Mittelschicht. (jo/DER STANDARD-Printausgabe, 20. November 2008)

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