Obamas zweite Reihe steht

20. November 2008, 06:49
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Während die Topjobs in der Regierung des neuen Präsidenten noch vakant sind und die Kandidaten dafür im Dutzend genannt werden, sind die wichtigen Posten im Stab des Weißen Hauses vergeben

Washington - Nach der Ernennung von Stabschef Rahm Emanuel sind in den vergangenen Tagen weitere Schlüsselposten im engen Beraterstab des designierten US-Präsidenten Barack Obama besetzt worden. Mona Sutphen wird stellvertretende Stabschefin, Peter Rouse und Valerie Jarrett Senior Advisors und Gregory Craig soll dem neuen Präsidenten im Weißen Haus als Rechtsberater beistehen.

Tom Daschle, ehemaliger Senatsführer der Demokratischen Partei, wird neuer Gesundheitsminister. Der enge Berater des designierten Präsidenten Obama nahm das Angebot an, wie am Mittwoch in Washington mitgeteilt wurde. Daschle schrieb kürzlich ein Buch über die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den USA.

David Axelrod und Greg Craig unter den Beratern

Obama hat außerdem weitere Berater für sein Team im Weißen Haus ernannt. Zu Obamas engstem Zirkel von Mitarbeitern gehören sein Wahlkampfmanager David Axelrod sowie Greg Craig, der Anwalt von Bill Clinton in dem Amtsenthebungsverfahren. Außerdem gehören die Anwältin Lisa Brown, die Clintons ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore beraten hat, und Chris Lu dem sogenannten West Wing Staff an.

Dass Politikberater Axelrod noch an Bork geholt werde, galt bis zuletzt als unwahrscheinlich. Obamas Strategie-Guru hatte zuletzt allein in der Obama-Kampagne 2,5 Millionen Dollar verdient, als Angestellter im Weißen Haus würde er auf nur 200.000 Dollar Jahresgage kommen.

Einer der prominentesten und versiertesten Männer in der zweiten Reihe ist mit Abstand Peter Rouse. Er war Obamas Stabschef in dessen Zeit als Senator, zuvor diente er in der gleichen Funktion Tom Daschle, dem demokratischen Mehrheitsführer im Senat. Rouse hat 30 Jahre Berufserfahrung im US-Kongress gesammelt und galt zuletzt wegen seines Einflusses als der 101. Senator in Washington. Beobachter glauben, mit einem "heavy lifter" wie Rouse seien selbst schwerste Gesetzesbrocken durch den Senat zu wuchten.

"Demokratische Maschine"

Valerie Jarrett wird Obama in der gleichen Funktion beraten. Die Anwältin hat ihr politisches Geschäft in der "demokratischen Maschine" unter Bürgermeister Richard Daley in Chicago gelernt und Obama zuletzt in seiner Wahlkampagne beraten. Sie soll zukünftig Kontakte zu den Regierungen der Bundesstaaten halten.

Mona Sutphen und Gregory Craig kommen dagegen aus dem Clinton-Camp. Sie war unter Bill Clinton Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates, er verteidigte den Präsidenten während dessen Amtsenthebungsverfahrens.

US-Medien meldeten am Mittwoch indes, dass Hillary Clinton möglicherweise den Job als Außenministerin zurückweisen könnte. Würde sie annehmen, würde die Senatorin auf rund sieben Millionen Dollar an Schulden aus ihrer Vorwahlkampagne sitzenbleiben. Zudem müsste ihr Ehemann Bill, der seit seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus mehr als 100 Millionen Dollar durch Bücherdeals und Reden verdient hat, seine Aktivitäten wegen möglicher Unvereinbarkeiten wohl stark einschränken. Ein Team Obamas prüft diese Fragen derzeit in dessen Chicagoer Transitions-Hauptquartier.

Auch Eric Holder, dem Obama das Justizministerium angeboten hat, überlegte vorerst. Für diverse Ministerien waren auch prominente republikanische Namen im Gespräch, darunter der ehemalige Außenminister Colin Powell, der amtierende Verteidigungsminister Robert Gates oder Senator Chuck Hagel.

Im US-Senat gewannen die Demokraten Mittwoch einen weiteren Sitz dazu. Der wegen Korruption verurteilte Republikaner Ted Stevens verlor sein Mandat in Alaska an Mark Begich. In Minnesota wurde weiter ausgezählt, in Georgia stand eine Stichwahl an. Eine 60-Sitze-Mehrheit im Senat war damit noch in Reichweite. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2008/APA/red)

 

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