Harte Einschnitte bei deutschen Lkw-Zulieferern

19. November 2008, 16:47
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Die Produktion wird gekürzet, Stellen gestrichen - so die Reaktion auf den Einbruch der Branchenkonjunktur, MAN verhandelt mit dem Betriebsrat über Kurzarbeit

Hannover/München - Lkw-Zulieferer in Deutschland reagieren mit harten Einschnitten bei Produktion und Arbeitsplätzen auf den Einbruch der Branchenkonjunktur. Der US-Nutzfahrzeugteile-Hersteller Wabco und der fränkische Konkurrent SAF-Holland streichen hunderte Stellen. Nach Einschätzung von Branchenexperten ist das aber nicht das Ende der Fahnenstange. "Es ist davon auszugehen, dass der Lkw-Absatz bis nächsten Herbst um bis zu 20 Prozent sinken wird", sagte Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB am Mittwoch. Das könne zu einem Arbeitsplatzabbau in der gleichen Größenordnung führen. Eine Trendwende sei frühestens in einem Jahr zu erwarten.

Nachdem der weltgrößte Autozulieferer Bosch und der deutsche Branchenriese Continental angesichts des Auftragseinbruchs Kurzarbeit, verlängerte Werksferien und einen Abbau von Leiharbeitern angekündigt haben, ziehen die kleineren Betriebe nun nach.

Wabco streicht in seinen beiden großen Werken in Hannover und Gronau bei Hildesheim bis zu 600 der 2.900 Stellen. "Auch die deutschen Standorte sind mit einem Auftragsrückgang von rund 25 Prozent konfrontiert", begründete Wabco-Deutschland-Chef Jürgen Heller den Schritt. Die Produktion von Sicherheitssystemen und Bremsen für Kunden wie Daimler, MAN und Volvo werde entsprechend zurückgefahren.

SAF-Holland streicht Stellen

Bei der auf Achs- und Federungssysteme sowie Sattelkupplungen spezialisierten SAF-Holland soll die Zahl der Beschäftigten bis Jahresende weiter sinken, nachdem bereits 350 Zeitarbeiter gehen mussten. Daneben könnten auch ganze Fabriken dichtgemacht werden, hieß es. Die Aussichten seien wenig rosig, da der Auftragseingang Ende September unter dem Vorjahreswert lag, sagte Konzernchef Rudi Ludwig. Im dritten Quartal brach der Nettogewinn um 90 Prozent auf 1,1 Mio. Euro ein.

Der Münchener Brems- und Türsystemanbieter Knorr-Bremse hatte bereits Anfang Oktober angesichts eines erwarteten Auftragsrückgangs um 30 Prozent in Europa ein Sparprogramm angekündigt.

Unterdessen verhandelt der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN nach einem Auftragseinbruch im dritten Quartal mit dem Betriebsrat über Kurzarbeit in seinen Werken. Im Gespräch sei beispielsweise eine Verlängerung der Weihnachtsferien, sagte ein MAN- Sprecher am Mittwoch in München. Welche Werke betroffen sind, stehe noch nicht fest. In einem Schreiben des Betriebsrates von MAN Salzgitter an die Mitarbeiter heißt es, der Vorstand plane allein im ersten Halbjahr 2009 rund 50 Schließtage in allen Werken.

Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 32.000 Menschen an seinen deutschen Standorten München, Salzgitter, Nürnberg, Gustavsburg (Hessen) und an anderen Orten, u.a. Lkw im oberösterreichischen Steyr und in Wien. Jeweils freitags solle den Plänen zufolge in der ersten Hälfte 2009 in den Werken nicht gearbeitet werden, zusätzlich seien drei Blöcke von jeweils zwei Wochen Ferien im Februar, April und Juni geplant. Die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung seien aber schwierig, heißt es in dem Papier des Betriebsrates.

MAN leidet vor allem unter der schwachen Nachfrage nach Bussen und Lastwagen. Zwischen Juli und September ging der Auftragseingang in der Nutzfahrzeugsparte um fast 40 Prozent zurück. Grund dafür war nach Angaben von MAN auch die zögerliche Haltung der Banken bei der Kreditvergabe, die es den Kunden immer schwerer mache, an Geld für neue Lastwagenkäufe zu kommen.

Wegen der schlechten Auftragslage hatte das Unternehmen vor drei Wochen bereits den Abbau eines Großteils seiner mehr als 3.000 Zeitarbeitsstellen angekündigt. Ein Stellenabbau bei der Stammbelegschaft sei aber kein Thema, hieß es. Ähnlich wie auch BMW kann MAN Arbeitszeitverkürzungen durch den Abbau von Arbeitszeitkonten abfedern. Vor zwei Jahren hatte der Konzern längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich eingeführt und dafür im Gegenzug zugesichert, bis zum Ende der Laufzeit 2012 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. "Unser Standortsicherungstarifvertrag schützt uns", schrieb der Betriebsrat an die Mitarbeiter. (APA/Reuters/dpa)

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