Trinkfest

19. November 2008, 18:29
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Mit Werbung für das Essen oder feine Weine funktionierte das Lokal nicht. Darum hat sich der Wirte nun etwas Neues einfallen lassen

 

Es war vor etwa einer Woche. Und auch wenn A. meint, dass ich bei Alkoholmarketing-Themen oft ein bisserl überreagiere und mitunter noch dogmatischer sei als es mein Großvater (der war Trinker-Trockenlegerarzt), ist sie in diesem Fall auf meiner Seite. Denn irgendwo, meint auch A., höre der Spaß nämlich auf.

Und zwar auch dann, wenn es nicht um das Abschlepp-Abfüllen von 16-jährigen Mädchen in Discos geht. Oder um Kampftrinken auf Unterstufler-Partys (unlängst erzählte uns die Mutter eines 12-Jährigen, dass sie auf einer Schülerparty beim Abliefern ihres Sohnes im Vorzimmer versehentlich einen Rucksack umgestoßen habe. Als es "klirr" machte, wären sie und eine andere Mutter aufmerksam geworden - und hätten dann in 14 der 16 Taschen Wodka- und ähnliche Flaschen gefunden. Die Kids und die Gastgeber-Eltern verstanden die Aufregung nicht - und tobten wegen des Eingriffes in die Schüler-Privatsphäre.). Und auch nicht um das Vorglühen am Großraumdiskoparkplatz oder die Alk-Eichung der Jugend beim Feuerwehrfest (wieso ich das Bild des an der Whiskeyflasche nuckelnden Säuglings über dem Hinweis mit den Jugendschutzbestimmungen nicht total lustig finde, wird mich Bürgermeister meiner Wochenendgartengemeinde wohl noch in zehn Jahren fragen).

Sondern um den Wirten drei Ecken weiter. Denn der hat sich jetzt etwas einfallen lassen. Schließlich sind die Zeiten hart - und sie werden wohl noch härter werden. Doch obwohl die Leute, so sagte es zumindest mein Großvater, zum Saufen immer genug Geld hatten, haben und haben werden (und zwar sogar dann, wenn sie beim Heizen und beim Obst für die Kinder sparen), weiß der kluge Mann (der Wirt, nicht mein Großvater), wie man seine Klientel bei Laune und Hoffnung und am Konsumieren hält: Mit Gewinnspielen.

Und so steht auf der Tafel vor dem Haus, dort, wo seine (erfolglosen) Vorgänger es mit guter Hausmannskost und Weinspezialitäten versuchten, eine Botschaft. Und funktioniert dem Vorbei-Reinschau-Augenschein nach tatsächlich: An der Bar stehen jeden Tag mehr Leute und hoffen wohl auf das große Glück. Denn der Wirt verschenkt Lose. Zu jedem alkoholischen Getränk gibt es ein Brieflos. Gratis. Das Motto dazu steht in Großbuchstaben auf der Tafel: "Sauf dich reich!"(Thomas Rottenberg, derStandard.at, 19.November 2008)

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