Terror gegen Handelsschiffe

19. November 2008, 16:27
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Moderne Piraten vor Somalia

Hamburg - Moderne Piraterie ist fernab jeder Seeräuberromantik eine Form der organisierten Kriminalität. Besonders vor der Küste Somalias terrorisieren schwer bewaffnete Banden zunehmend die Handelsschifffahrt. Seit 1992 sammelt das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) Meldungen über Piraten.

Demnach ist die Zahl der Überfälle im vergangenen Jahr erstmals seit 2003 wieder gestiegen. 2007 wurden weltweit 263 Piratenangriffe gegen Handelsschiffe registriert, zehn Prozent mehr als im Jahr davor. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wurden bereits 199 Schiffe überfallen.

Etwa jeder Dritte dieser Angriffe wurden im Golf von Aden zwischen dem Horn von Afrika und der arabischen Halbinsel sowie vor der Ostküste Somalias verübt. In diesem Jahr brachten somalische Piraten bisher 39 Schiffe in ihre Gewalt und nahmen insgesamt rund 550 Besatzungsmitglieder als Geiseln. Wie das IMB mitteilte, wurden weitere zwölf Frachter beschossen, unter anderem mit Maschinenpistolen und Panzerfäusten. Die Seeräuber operieren oft von "Mutterschiffen" und greifen von dort in Schnellbooten Frachter jeder Größe auf hoher See an.

Die zunehmenden Angriffe haben die Einfahrt ins Rote Meer bereits so unsicher gemacht, dass erste Reedereien Schiffe nicht mehr von dort durch den Suez-Kanal, sondern auf die weit längere Route um das Kap der Guten Hoffnung schicken. So sollen extrem hohe Versicherungsprämien wegen des Piraten-Risikos oder Kosten für eigene Sicherheitsmannschaften an Bord vermieden werden.

Derzeit sind in Somalia 17 Schiffe und rund 340 Seeleute in der Gewalt der Seeräuber, unter ihnen knapp 130 Philippiner. Das Rückzugsgebiet für die meisten somalischen Piraten ist die autonome Region Puntland. Allein nahe der Küstenstadt Eyl werden laut Amnesty International gegenwärtig mehr als 130 Geiseln festgehalten. Einige der Entführten seien bei den Kämpfen um ihre Schiffe verletzt und bisher nicht medizinisch versorgt worden. Für die große Zahl der Geiseln gebe es nicht genug Wasser und Nahrung. Die Machthaber von Puntland wurden wiederholt beschuldigt, die Piraten zu unterstützen und einen Teil des Lösegeldes für Schiffe und Besatzungsmitglieder selbst zu kassieren. (APA/dpa)

 

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