Streikwelle gegen Sarkozy-Reformen

19. November 2008, 15:59
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Auf Eisenbahner und Piloten folgen Lehrer und Postangestellte - Erste Reformen zurückgenommen

Paris - Frankreich wird derzeit von einer Streikwelle gegen zentrale Reformprojekte von Staatspräsident Nicolas Sarkozy überrollt. Wegen heftiger Proteste von Einsenbahnern wurde bereits die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit bei der Bahngesellschaft SNCF gestoppt. "Um einen größeren sozialen Konflikt zu vermeiden, nehmen wir von der Reform Abstand", teilte die Bahn am Mittwoch mit.

Das ist ein heftiger Rückschlag für den Güterbereich, der für den europäischen Wettbewerb fitgemacht werden sollte. Durch die Neuregelung, die im Dezember in Kraft treten sollte, wollte die Bahn die Wartezeiten der Lokführer zwischen den Einsätzen verkürzen.

Pilotenstreik

Nach einem viertägigen Streik der Air-France-Piloten bis zum Montag steht nun auch die Verlängerung der Arbeitszeit der Airline-Angestellten von 60 auf 65 Jahre auf der Kippe. Die Heraufsetzung des Renteneintritts sollte auf freiwilliger Basis möglich werden, die Gewerkschaften sehen darin jedoch einen ersten Schritt zur obligatorischen Mehrarbeit.

Am Donnerstag ist ein landesweites Chaos an den Schulen programmiert, weil die Lehrer in den Streik treten. Sie sind wütend über einen geplanten umfassenden Stellenabbau, Mittelkürzungen sowie eine aus ihrer Sicht unabgesprochene Bildungsreform. Die Gewerkschaften erwarten eine massive Beteiligung von rund 70 Prozent.

"Dann wird es Tote geben"

Die von Sarkozy eingeführte Mindestversorgung im Streikfall werden etliche Kommunen, darunter Paris, nicht gewährleisten. Überwiegend Bürgermeister der oppositionellen Sozialisten begründen dies damit, dass sie keine ausreichenden Kapazitäten für die Betreuung aller Kinder haben. Sie raten den Eltern deswegen, ihre Kinder am Donnerstag selbst zu betreuen.

Die heiße Woche geht am Samstag mit Massenprotesten der Postangestellten gegen eine geplante Teilprivatisierung zu Ende. Die Verschnaufpause wird danach nur kurz. Ab dem 1. Dezember wollen die Notfallmediziner gegen schlechte Arbeitsbedingungen streiken. "Dann wird es Tote geben", warnte ihr Verband AMUF am Mittwoch. (APA/AP)

 

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