"Jammern auf hohem Niveau"

19. November 2008, 15:52
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Die Schifffahrt leidet unter der Finanzkrise. Da einige Reedereien Zahlungsprobleme haben, müssen Fondsschiffe neu vermietet werden

Die Finanzkrise bzw. die erwartete Wirtschaftsflaute gehen auch an den Schiffstransporten nicht spurlos vorüber. Reedereien müssen sich auf Schwierigkeiten bei der Kreditbeschaffung einstellen. Die Vergabe von Krediten an Schifffahrtsunternehmen sei fast zum Erliegen gekommen und die Situation werde sich bis Jahresende kaum bessern, sagten Manager von den zu den führenden Schifffinanzierern gehörenden skandinavischen Banken Nordea und DnB Nor zu Reuters.

Auf Kredit finanziert

Frachten werden nämlich oft auf Kredit finanziert und erst bei der Ausladung bezahlt.  Einen Rückgang bei Schiffstransporten hätte auch die Produktionsdrosselung in China aufgrund der olympischen Spiele im Herbst gebracht, erklärt Hans Haller, Vorstand der MPC Capital Austria AG. Hinzu kommt die allgemeine Verunsicherung ob der wirtschaftlichen Entwicklung. Der BDI (Baltic Dry Index; er erfasst Trockenfrachten wie etwa Kupfer oder Erze) etwa ist zuletzt drastisch gesunken. Andere Marktsegmente, etwa Containerschiffe, hätten sich hingegen stabil entwickelt. In Summe lassen diese Nachrichten Anleger, die Schiffsbeteiligungen halten, im Moment aber nicht ruhig schlafen.
Grund zur Sorge bestehe aber nicht. "Der BDI bildet nur ein Marktsegment der Schifffahrt ab" , erklärt Haller dem Standard. Das weitaus meiste Geld der Anleger sei hingegen in Containerschiffen angelegt. Und in diesem Bereich sei "fast alles in Ordnung" . Natürlich würde man in einzelnen Segmenten eine momentane Zurückhaltung spüren, eine Bedrohung für die Beteiligungen sieht Haller aber nicht. Im Gegenteil: "Viele Frachter haben Fixcharter für die nächsten Jahre, und 2010 wird ja schon wieder eine steigende Charterrate erwartet. Bei Produkttankern, die Fette, Rapsöl oder Biokraftstoffe transportieren, habe es bei der Charterrate sogar einen Anstieg gegeben.

Ein Ausfall droht nicht

China mischt seit 2003 "fühlbar im Welthandel" mit, daher seien die Charterraten in den vergangenen Jahren geradezu "explodiert" . "Wenn die Raten jetzt etwas zurückkommen, ist das ein Jammern auf hohem Niveau" , sagt Haller. Fast alle Schiffsfonds würden noch immer Gewinne ausschütten. Zwar in vielen Fällen nicht mehr so hohe, wie prognostiziert. Wenn aber in Zeiten wie diesen statt acht nur noch sechs Prozent verdient würden, sei das immer noch lukrativ, meint Haller.
Nur bei einem MPC-Fonds hätten Anleger weniger verdient, als im Prospekt angegeben. "Das war aber bei einem Immobilienfonds" , sagt Haller. Von einem Ausfall sei kein Produkt bedroht. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.11.2008)

 

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