Mehr Rente für gleich viel Geld

19. November 2008, 15:41
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Wer für eine Rente ansparen will, sollte sich möglichst früh entscheiden und dann die richtige Produktwahl treffen. Sonst ist die Rente plötzlich geringer als erhofft.

Eine Garantieverzinsung von 2,25 Prozent galt noch vor kurzem als ziemlich unsexy, die klassische Lebensversicherung fast als Produkt für Warmduscher. Angesichts der aktuellen Finanzkrise scheint bei Anlegern aber wieder ein stärkeres Sicherheitsbedürfnis die Oberhand zu gewinnen und der alte Rat, eine Vorsorgelösung mit einem traditionellen Produkt zu beginnen, auf fruchtbaren Boden zu fallen.
Die Debatte um die Pensionslücke und die Notwendigkeit der Eigenvorsorge führt aber auch im "Klassik-Bereich" zu einem Umdenken. Der Anteil der reinen Rentenversicherungen im Neugeschäft steigt, bei der Uniqa sind laut Elisabeth Stadler, Vorstandsmitglied der Uniqa Personenversicherung, bereits "ein Drittel aller Verträge, die neu zugehen, echte Pensionsvorsorgeversicherungen."
Der Vorteil dabei: Es gilt die bei Abschluss der Versicherung gültige Rententafel, die daraus errechnete Rente wird garantiert. Das "Risiko" des medizinischen Fortschritts und der damit verbundenen längeren Lebenserwartung (und somit höheren Rentenleistung) trägt der Versicherer. Anders als bei einer Kapitalversicherung (wie der Er- und Ablebensversicherung, wo ab der ersten Prämienzahlung bei Ableben die gesamte Versicherungssumme fällig wird), ist bei einer Rentenversicherung im Ablebensfall nur die Prämienrückgewähr inkludiert. Wie bei der Lebensversicherung kann man aber auch bei der Rentenversicherung bei Bedarf am Laufzeitende die Auszahlung des angesparten Kapitals wählen. "Das sollte man aber tunlichst ein Jahr vorher bekanntgeben, damit die Vermögensabteilung weiß, wie viel Kapital weiterveranlagt werden soll und wie viel beansprucht wird" , erklärt Stadler. Will man das Ableben höher versichern, kann man zur Renteversicherung "auch eine Zusatzrisikoversicherung als Baustein miteinschließen".

Faktor Rententafel

Bei Er- und Ablebensversicherungen, die laut Stadler noch immer 80 Prozent der bestehenden Verträge ausmachen, kann das angesparte Kapital am Laufzeitende zwar auch verrentet werden - allerdings mit der dann gültigen Rententafel. "In 20 Jahren bekommt man für das gleiche Geld dann aber viel weniger Rente" , sagt Stadler.
Dass die in die Rententafeln einfließende steigende Lebenserwartung und die damals auch noch höhere Garantieverzinsung einen großen Unterschied machen, zeigt der Vergleich der aktuellen mit den Vorgängertarifen. Ein Ablaufkapital von 100.000 Euro ergibt bei der aktuellen Rententafel (AVÖ 2005R) und mit der Garantieverzinsung von 2,25 Prozent für eine Frau ab 65 eine lebenslang garantierte monatliche Rente von 424 Euro (siehe Tabelle). Mit dem Vorgängertarif (AVÖ 1996R) und der damaligen Garantieverzinsung von 2,5 Prozent hätte die monatliche Rente 477 Euro ausgemacht. Die um 0,25 Prozentpunkten geringere Verzinsung und die von 83 auf 84,7 Jahre gestiegene Lebenserwartung verursachen eine Differenz von elf Prozent. Für Männer hatte die Umstellung noch drastischere Folgen: Ihre monatliche Rente verringerte sich (bei einem Kapital von 100.000 Euro) um 16 Prozent:von 560 auf 468 Euro.
Überlegen sollte man auch, wie man mit dem Problem Inflation umgehen will. Bei der Rente können Kunden meist zwischen zwei Modellen wählen: einer niedrigeren Startrente mit höherer jährlicher Valorisierung und der sogenannten Bonusrente, bei der ein Teil der zukünftigen Gewinnbeteiligungen bereits in die Berechnung der Rente einbezogen wird. Dadurch fällt die Rente von Beginn an höher aus: Bei 100.000 Euro Startkapital und einem Rechnungszins von vier Prozent bekommen Frauen ab 65 monatlich 520 Euro, Männer 565 Euro.

Kaufkraftverlust

Die jährliche Valorisierung der Rente ist dann allerdings geringer, der Kaufkraftverlust macht sich gegen Rentenende immer stärker bemerkbar. Wird z.B. bei einer jährlichen Inflation von zwei Prozent die Rente nur um 0,5 Prozent pro Jahr valorisiert, dann erhält der Versicherte nach 20 Jahren pro 100 Euro 110,49 Euro, müsste aber 148,59 Euro bekommen, um über dieselbe Kaufkraft wie zu Rentenbeginn zu verfügen, rechnet die s-Versicherung vor.
Und: Sobald die Rentenzahlungen das angesparte Kapital übersteigen, schlägt auch noch die Steuer zu. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.11.2008)

 

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