Ethik-Fonds halten, was sie versprechen

19. November 2008, 15:33
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Bei ihren Investments geht es vielen Anlegern nicht nur um Ertrag und Risiko, sondern auch um nachhaltige oder ethische Komponenten

Im Rahmen der Verwaltung eines nachhaltig oder ethisch orientierten Fonds müssen Fondsmanager bei ihrer Strategie bestimmte Kriterien berücksichtigen. Diese können strenge Ausschlusskriterien sein oder aber auch nur Richtlinien und Anhaltspunkte für die Auswahl von Aktien, Anleihen oder anderen Fonds.
Ein Fondsmanager eines ethischen Fonds darf etwa nicht in Rüstungskonzerne investieren oder in Unternehmen, die Pflanzen gentechnisch manipulieren. Ausgeschlossen sind meist auch Tabakkonzerne, Unternehmen, die im Bereich der Atomkraft, Tierversuche, Prostitution oder auch im Glückspiel tätig sind. Der Fantasie für solche Ausschlusskriterien sind dabei keine Grenzen gesetzt. Auch nach religiösen Gesichtspunkten können Unternehmensaktien ausgewählt werden. Damit werden Portfolios auch an die Glaubens- und Lebenseinstellungen von Anlegern angepasst. Im Trend liegen derzeit islamkonforme Produkte, die den Grundsätzen der Scharia entsprechen.

Veranlagtes Volumen steigt

Diese Investmentprodukte erleben derzeit einen Boom. Ob schariakonforme Fonds oder nachhaltige und grüne Produkte - ethische Investments erfreuen sich wachsender Beliebtheit. "Wir spüren das steigende Interesse und verwalten mittlerweile 2,5 Milliarden Euro in unseren nachhaltigen Fonds. Das sind immerhin schon rund fünf Prozent des gesamten verwalteten Vermögens der Swisscanto-Gruppe" , meint etwa Bernhard Engl, Nachhaltigkeitsexperte von Swisscanto.
Während die Investments von vielen Fondsgesellschaften gefördert werden, zweifeln viele Experten aber an der Ethik der Produkte. Zahlreiche Studien haben nämlich ergeben, dass nachhaltige Fonds gar nicht schlechter performen. Das würde aber naheliegen, denn das Investmentuniversum wird durch die Ethikkriterien eingeschränkt. Außerdem liegen die Erträge der Fonds oft näher an "konventionellen" Indizes wie dem "DJ Industrial Average" oder dem "Euro Stoxx 50" , als an den Indizes, die nach ethischen Kriterien selektiert werden wie etwa dem "FTSE4Good Index" .

Kein "Deckmantel"

Diese Ergebnisse legen den Verdacht nahe, dass gar nicht nach ethischen Gesichtspunkten investiert wird. Eine Möglichkeit wäre etwa, dass die Fonds "Window-Dressing" betreiben. Das bedeutet, dass die Fondsmanager an und für sich ganz normal investieren, also auf die nachhaltigen Kriterien verzichten, aber zum Quartalsende, wenn sie die Beteiligungen des Fonds offenlegen, ethische Investments zukaufen. Eine Studie des CFR Cologne straft diese Kritiker aber Lügen. Die beiden Forscher Alexander Kempf und Peer Osthoff kommen in ihrer Studie "SRI Funds: Nomen est Omen" zu dem Ergebnis, dass SRI-Fonds nichtkonventionelle Fonds unter dem "Deckmantel" von ethischen Kriterien seien. Die beiden Forscher haben sich die Portfolios amerikanischer SRI-Fonds angesehen und mit anderen US-Aktienfonds verglichen. Die ethischen Fonds haben dabei deutlich stärker in Unternehmen investiert, die verschiedene Kriterien wie die Einhaltung von Menschenrechten oder besonders nachhaltigen Aktivitäten erfüllen.

Die Schlussfolgerung Kempfs und Osthoffs: "SRI-Fonds sind nichtmaskierte konventionelle Fonds. Sie wurden nach jedem unserer qualitativen oder ausschließenden Kriterien höher gereiht." Ethikfonds sind laut den Forschern also tatsächlich ethisch.
Nichtsdestotrotz heißt es für bewusste Investoren aufpassen. Während sich viele Fonds auf die Umweltnachhaltigkeit der Unternehmen konzentrieren, stellen andere wiederum Menschenrechte in den Fokus. Bei jenen Fonds, die auf Nachhaltigkeit oder Ethik setzen, sind daher oft sehr unterschiedliche Unternehmen im Portfolio. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.11.2008)

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    Renditereiches Veranlagen und die Rücksichtnahme auf nachhaltige und ethische Kriterien schließen einander nicht aus. Auch "grüne" Investments sind lukrativ.

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