Es werde Wald, und zwar bald

28. Februar 2003, 20:01
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Alfred Pitterle begrünt Asien mit österreichischem Know-how

Er war nur ein blaues Mandl inmitten der unglaublichen Pracht eines thailändischen Tempels. Aber er hatte eine unglaubliche Ausstrahlung!" Diese Ausstrahlung von Teng Hsiao Ping, neben dem Alfred Pitterle bei einem Staatsbesuch in Thailand zu stehen kam, war für ihn stark genug, um Asien zu seiner "Spielwiese" zu machen.

Quirlig, fuchtelnden Armes und enthusiastisch verrät der Professor an der Wiener Uni für Bodenkultur seine Visionen von einer weltweit hoffentlich bald begriffenen und gelebten Biodiversität, bekräftigt seine Überzeugung, dass man Hausverstand in der Wissenschaft wieder finden müsse, und erklärt sein Ziel: die Entwicklung eines Waldzertifizierungssystems, das weltweit eine tragfähige Grundlage einer ökosozialen Marktwirtschaft darstellen könnte. "Dann könnte man die vielfältigen Leistungen des Waldes endlich messbar machen und Diskussionen um eine zu hohe Autobahnmaut gäbe es gar nicht mehr in einem Land wie Österreich, das mit 47 Prozent Bewaldung Sauerstoff aus dem Kohlendioxyd des gesamteuropäischen Transportverkehrs macht und den Straßenschutz vor jenen vor Lawinen stellt."

Unerschöpflich sind seine Bemühungen, durch bunte Vorträge über Samenflug und Schattenbildung, Wasserspeicherung und Windschutz Mensch und Natur zusammenzufügen. Sei es in einem Tiroler Steiltal oder in der mongolischen Steppe. Diese Bemühungen waren nicht zuletzt ausschlaggebend für seine Karriere als Aufforstungs- und Waldwirtschaftsfachmann im asiatischen Raum, wo er seit Jahren gute fünf Monate im Jahr per Jeep auf holprigen Wegen durch China, Vietnam, die Türkei, Tibet und die Mongolei fährt und Erosionsbekämpfung betreibt. Dabei konnte er nach eigenen Konzepten einmaliges Datenmaterial sammeln, das kein Staat finanzieren könnte und das Österreich keinen Cent gekostet hat.

Was er an China, wo bereits "seine" 150.000 Hektar Wald stehen, besonders faszinierend findet, sind die verschiedenen Klimata im Land: die gesamte Vielfalt des Waldes der nördlichen Hemisphäre, Wüsten, Lössdecken von 500 Metern Stärke (zum Vergleich: Die begehrten heimischen Weinböden sind höchsten 20 Meter dick), tropische und subtropische Bereiche, aber auch gemäßigte Gebirgsbereiche, Österreich durchaus vergleichbar.

Auch der politische Stellenwert des Waldes lässt ihn immer wieder nach China zurückkehren. Dort gibt es seit 1999 ein Schlägerungsverbot, weil man die Gefahren der Bodenerosion wichtiger nimmt als kurzfristige wirtschaftliche Interessen. Und dort konnte er mit seinen ersten Konzepten und Vorschlägen Langzeitprojekte entwickeln, die heute Beispiel gebend für die Forstpolitik dieses Riesenreiches sind. "Ich glaube, dass Österreich auf dem Gebiet der Wald- und Holzwirtschaft, den Erkenntnissen der Biodiversität und Sozioökonomie Spitzen-Know-how zu bieten hat. Wir haben gelernt, in der Natur zu lesen. Das muss man nützen, das nützt dann allen." (Elisabeth Hewson/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1./2. 3. 2003)

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