Thatcher spielte im Irak doppeltes Spiel

28. Februar 2003, 20:02
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Eine Milliarde Pfund für Aufrüstung Saddam Husseins

London/Wien - Die britische Tageszeitung "The Guardian" hat aufgedeckt, dass die Regierung der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher Rüstungsgeschäfte mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein durch Millionenbürgschaften abgesichert haben soll. Die gelieferten Militärgüter werden demnächst wohl auch gegen britische Soldaten eingesetzt.

Laut "Guardian" spielte die Thatcher-Regierung in den achtziger Jahren ein doppeltes Spiel. Während Downing Street offiziell eine neutrale Haltung gegenüber dem Saddam-Regime einnahm, sollen Thatcher und ihr Außenminister Douglas Hurd intern verfügt haben, dass die Geschäfte britischer Unternehmen mit dem Irak fördernswert seien. Insgesamt habe die exportfreudige Wirtschaftspolitik der Thatcher-Regierung in Sachen Irak den britischen Steuerzahler gut eine Milliarde Pfund (1,46 Milliarden Euro) gekostet, zitiert "Spiegel Online" am Freitag das linksliberale Blatt.

Der "Guardian" beruft sich auf umfangreiches Material aus den Aktenschränken der Regierung, das dank neuer Transparenzvorschriften zugänglich geworden sei. Bereits in den Neunzigern waren ähnliche Vorwürfe gegen die "Eiserne Lady" laut geworden. Anhand der jetzt veröffentlichten Papiere lasse sich jedoch genau nachvollziehen, welche Firmen in welcher Höhe profitierten - und was sie an den Irak verkauften.

Kreditgarantien bei Exportgeschäften

Thatchers Regierung habe in zahlreichen Fällen Kreditgarantien bei Exportgeschäften vergeben - und habe dann einspringen müssen, weil der irakische Diktator seinen Verpflichtungen nicht nachkommen wollte oder konnte. Zu den harmloseren Deals gehörte etwa ein Kraftwerk, das eine Rolls-Royce-Tochter nahe Bagdad baute. Kosten für den britischen Steuerzahler: laut "Guardian" 65 Millionen Pfund.

Minister der damaligen Regierung hätten offizielle Exportrichtlinien "aufgeweicht", um privatwirtschaftlichen Unternehmen Geschäfte mit dem Irak zu ermöglichen, so die Zeitung. Die Namen der begünstigten Firmen seien damals in der Mehrzahl der Fälle geheim geblieben, ebenso wie die Höhe der vom Staat übernommenen Risiken.

Die verantwortliche Abteilung im britischen Industrie und Handelsministerium, das Export Credits Guarantee Department, habe seinerzeit auf Anweisung von höchsten Regierungsstellen gehandelt - laut der Zeitung war neben Thatcher und Hurd auch der Industrieminister Michael Ridley beteiligt. In den vom "Guardian" eingesehenen Dokumenten werden die Exporthilfen als "mutige Strategie" beschrieben. (APA)

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    Die von der Regierung Thatcher an den Irak gelieferten Militärgüter werden demnächst wohl auch gegen britische Soldaten eingesetzt

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