Künstler-Sozial-Studie des Ministeriums veröffentlicht

19. November 2008, 14:00

Schmied verspricht Konferenz und Maßnahmen, Grüne kritisieren Verzögerungen

Wien - Als "Ausgangspunkt für Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kunstschaffende" sieht Kulturministerin Claudia Schmied die am Mittwoch veröffentlichte Endfassung der Studie zur sozialen Lage der Künstler, deren Rohfassung bereits seit Monaten für Aufregung sorgte. Laut Aussendung möchte Schmied die Ergebnisse nun "intensiv mit den Experten im Kulturausschuss des Parlaments diskutieren und auch eine Konferenz zu diesem Thema organisieren".

Kritik der Grünen

Die soziale Lage der Künstler sei vor allem durch Phänomene wie prekäre Arbeitsverhältnisse, neue Selbstständigkeit und Teilzeitbeschäftigung geprägt. "Wir erleben eine extreme Einkommensschere", so Schmied, "Viele Künstler verdienen wenig, wenige Künstler verdienen viel." Der Zugang zu Kunstberufen hänge überdies weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab. Vor allem im Sozialversicherungssystem stünden viele Kunstschaffende "vor administrativen und sozialen Hürden". Als Maßnahmen müssten etwa die Förderangebote "noch transparenter und zugänglicher", das Stipendienwesen und die internationale Vernetzung verbessert werden.

Der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl kritisiert in einer Aussendung die späte Veröffentlichung der Studie: "Es stellt sich schon die Frage, warum die Studie vier Monate lang unter Verschluss gehalten werden musste - immerhin liegen die Ergebnisse seit Juli vor", so Zinggl. In diesen vier Monaten hätte die Ministerin "schon eine ganze Reihe von Maßnahmen setzen können". Weiters kritisiert er den Ansatz, "es gehe allen gleich schlecht und man habe es mit gesamtgesellschaftlichen Phänomenen zu tun". Wie die Studie belege, gehe es den Künstlern im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung "nämlich deutlich schlechter!". Zinggl fordert konkrete Maßnahmen statt der von Schmied vorgeschlagenen Einrichtung einer interministeriellen Arbeitsgruppe. "Von dieser weiß man zwar nicht so recht, was sie eigentlich machen soll, aber Hauptsache, man simuliert Aktivität. Die Kulturpolitik im Land erreicht ungeahnte Tiefpunkte."

Zahlen der Studie

Eine der Kernaussagen der Studie ist alarmierend: Das gesamte persönliche Einkommen von Kunstschaffenden, auch unter Einbeziehung von Einkommen aus nicht-künstlerischen Tätigkeiten, "bleibt deutlich unter dem anderer Berufsgruppen", wie es in der Zusammenfassung der Studie heißt. Im Mittel betrug das Einkommen aus künstlerischer Arbeit im Erhebungsjahr überhaupt nur 4.500 Euro netto. Auch die gesamtgesellschaftlichen Einflussgrößen kommen zum Tragen: Frauen verdienen im Mittel um 35 Prozent weniger als Männer.

Große Unterschiede wurden auch in den Kunstsparten festgestellt. Während darstellende Künstler mit etwas über 8.000 Euro jährlich an der Spitze liegen, lukrieren Literaten mit 2.600 Euro die geringsten Mittel. Erst unter Einbeziehung der kunstnahen bzw. auch -fernen Zusatzeinkommen nennt die Studie ein mittleres persönliches Netto-Jahreseinkommen von 12.400 Euro, was deutlich unter dem österreichischen Schnitt liegt. Das mittlere Äquivalenzeinkommen liege im Erhebungsjahr mit rund 1.000 Euro pro Monat nur knapp über der Armutsgefährdungsgrenze, unter die allerdings insgesamt 37 Prozent der Kunstschaffenden fallen, während der Anteil der Gesamtbevölkerung bei 13 Prozent, unter allen Erwerbstätigen bei sieben Prozent liegt. Weitere Schwerpunkte der Studie liegen auf der Analyse der Beschäftigungssituationen, dem Umgang mit dem Sozialversicherungsfonds sowie Förderungen durch die öffentliche Hand.

"Junge Branchen"

Wie es in der Studie heißt, unterscheiden sich die Lebensverhältnisse der Künstler in vielen Bereichen und Problemen nicht von jenen in der Kreativwirtschaft, der IT-Firmen oder anderer junger Branchen. Auch die geringen Einkommen von Frauen im Kunstbereich verhalten sich ähnlich wie in anderen Bereichen. "Diese Entwicklungen dürfen wir nicht isoliert aus dem Blickpunkt der Kunst betrachten. Wir müssen eine gesamtgesellschaftliche Diskussion darüber führen, wie wir den Bürgerinnen und Bürgern Elementarabsicherungen gegenüber Risiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter geben können", so Schmied. "Wir müssen uns mit den neuen Arbeits- und Lebensverhältnissen intensiv beschäftigen." Die nächste Bundesregierung müsse eine interministerielle Arbeitsgruppe zu diesem großen gesellschaftlichen Thema einrichten. (APA)

Die Studie sowie eine Kurzfassung ist unter bmukk.gv.at/kunst/bm/studie_soz_lage_kuenstler.xml abrufbar.

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24 Postings
Der Schwarzarbeit auch im Kunstbereich auf den Zahn fühlen!

Die Studie wäre sicher anders ausgefallen, hätten die lieben "Künstler" alle Gelder aus "schwarzen" gigs, Aufträgen usw. angeführt.
Da würden wohl leicht mehr als 4.500/Jahr an reinen Kunstschaffen rauskommen...
Auch Künstler haben "schwarze" Kassen! Hören wir endlich damit auf und machen reinen Tisch!

Studien, Arbeitsgruppen, Ausschüsse ...II

Na Hauptsache, es gibt Arbeit und Einkommen für die StudienautorInnen, für pragmatisierte BeamtInnen e tutti quanti. "Nachwuchsförderung" finde ich auch sehr hübsch. Viele Künstlerinnen können erst mit vierzig, wenn ihre Kinder groß sind (doch, doch, sie haben welche!), richtig durchstarten. Aber ab vierzig gibt es keine Förderungen, keine Preise mehr, nichts. Nur beim Essl kann man sich als "Emerging Artist" bewerben, beim Staat gibt es nur für den "Nachwuchs" was, bei Haselsteiner (Strabag) und r.k. Kirche (Monsignore Mauer) und vielen anderen Institutionen detto. Ein Glück, daß ich nicht nur von der Kunst leben muß; sobald ich allerdings mehr habe als nur das nackte Überleben, streicht man mir die Künstlersozialversicherung.

"Arbeit und Einkommen für die StudienautorInnen..."

...ich weiss ja nicht, von welchen (Ir)rationalitäten Sie - Eris - getrieben sind,

ABER: ich habe den Eindruck, dass das eine sehr fundiert gemachte Untersuchungen ist, die endlich auf Basis einer wissenschaftlichen Erhebung und abseits von "anecdotal evidence" die gegenständlichen Probleme darstellt und damit Munition für einschlägige Forderungen liefert. Und das ist ja wohl eine gute Sache, oder?

sehr fundiert gemachte Untersuchungen ist, die endlich auf Basis einer wissenschaftlichen Erhebung und abseits von "anecdotal evidence"

Bla di bla di bla. Sie sind Soziologin?

mit dem alter haben sie völlig recht. ich denke auch, dass das alter egal ist bezüglich der qualität der arbeiten. aber zur zeit zählen JUNG-stars. was ist, wenn jemand mit 50 KünstlerIn wird? und wieso die marginalen? grenzen 35 oder 40? wer ist auf diese "grenzen" (grenze wovon eigentlich? ab 40 ist das leben aus?) gekommen. bei galeristInnen, kuratorInnen, museumsdirektorInnen (vor allem in ö) gibts KEINE altersgrenzen. wieso eigentlich?
ich finde auch die altersangaben und die wohnortangabe beim lebenslauf eigenartig. was heißt geb. 1950 oder 1986, welche arbeiten dieser unterschiedl. geb. künsterlInnen soll man (nicht) ausstellen, kaufen? wieso werden "werke" von studentInnen gekauft, bei d. niem. weiß, wie es weitergeht?

(Nur so nebenbei zur Bedeutung der wko)

Arbeitsüberlastung bei Bildhauern ?

Neben Versicherungsvertretern ... werden Bildhauer
unter "deutlicher Fachkräftemangel" geführt
http://portal.wko.at/wk/format... =0&BrID=37

Wahrscheinlich braucht man richtige Bildhauer (Steinmetze), die imstande sind, von einem Stein alles wegzuschlagen, was überflüssig ist, während "Bildhauer" von den Kunstakademien nichts dergleichen können, sondern Plastiken und Makramée aus Pullovern, Staub und Mist basteln.

richtige und falsche Bildhauer ?

Klassisch in Stein arbeitende Bildhauer gibts schon noch , - Steinskulptur ist kostenintensiv und "schöne" Betonabgüsse als Massenware sind billig zu haben

Studien, Arbeitsgruppen, Ausschüsse ...

... es ist zum Kotzen! Nichts geht da weiter, gar nichts!

Es gehörten einige Maßnahmen her die sofort wirken und nicht zum St. Nimmerleinstag!

1. Sozialversicherung, KV, Unfall, Pensionsvers. usw. gratis für KünstlerInnen
2. Pauschalierung und totale Steuerbefreiung bis zu EUR 30.000,-- p.a. Einkommen
3. Modell zur steuerlichen Begünstigung von Mäzenatentum, Sponsoring usw.
4. Grundeinkommen für KünstlerInnen

IMO müssten in einem Land wie Österreich locker 20.000 - 40.000 Menschen unter diese Titulierung und Steuerbegünstigung "Künstler" fallen. Wären wir wirklich eine "Kulturnation" müssten es wohl mindestens 50.000 - 100.000 Menschen sein.

Was sich Ö da derzeit - nicht - leistet, ist eine Schande !!!

"4. Grundeinkommen für KünstlerInnen ..."

....und zwar als Gegenleistung was genau, bitte?!

einfach so für´s "Künstler sein" oder wie darf ich Sie verstehen?



lg

Auf was hinauf bitteschön soll jemand mit zB knapp 30.000 Euro Jahreseinkommen keine Steuern zahlen? Abgesehen davon würden von einer solchen Anhebung der Einkommensteuergrenze (jetzt rund 10.000 Euro - für alle, nicht nur für KünstlerInnen) die allermeisten KünstlerInnen in keiner Weise profitieren. Die meisten KünstlerInnen verdienen so wenig, dass sie ohnehin keine Steuern zahlen!

Das will ich Ihnen gerne sagen:

Weil das Einkommen von Künstlern naturgemäß extremen Schwankungen unterliegt. Nicht selten müssen wir jahrelang von geliehenem Geld oder privaten Rücklagen leben, bis wir einmal ein gutes, weil lukratives Jahr erleben. Und patsch! Schon ist beinah die Hälfte wieder weg. Wer zahlt uns denn etwas dazu, wenn's im nächsten Jahr wieder nicht so gut läuft?

"Wer zahlt uns denn etwas dazu, wenn's im nächsten Jahr wieder nicht so gut läuft?..."

ähh, gar keiner natürlich.

sucht´s euch nen anständigen Beruf und das Problem der 'mageren Jahre' löst sich - schwupps - in Luft auf.



lg

dazu gibts aber eigentlich die regelung, dass man das einkommen eines fetten jahres auf drei jahre aufteilen kann.

bei der blaskapelle ist das wohl so, freund?

nein, im steuerrecht. auch wenn es seltsam klingen mag, künstler können die einnahmen eines fetten jahres auf drei jahre steuerlich aufteilen.

Der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl...

..hätte, in Kenntnis der Rohfassung der ggst. Studie ebenfalls vier Monate Zeit gehabt, Lösungsvorschläge auszuarbeiten und vorzuschlagen. Von daher weiss man nicht so recht, was der Herr Zinggl eigentlich macht. "Aber Hauptsache, man simuliert Aktivität" (O-Ton Zinggl), indem man das "unter Verschluss halten" einer Studie kritisiert, die offensichtlich ohnenhin als vorläufige Endversion in der Kunst-Community kursierte. Also: Raus aus der Kritikecke, Herr Zinggl, und auf den Tisch mit Ihren Konzepten!

Künstler leisten ihren Gesellschaftsbeitrag durch ihre Kunst

Deswegen ganz radikal und einfach:

Keine Besteuerung von künstlerischen Einkommen bis zu einer gewissen Höhe (sagen wir 2000,- pro Monat), dadurch entfallen die komplizierten Abschreibungsmodelle und teure, unwillige und schlecht informierte Steuerberater

Keine extra Sozialversicherung für künstlerische Einkommen (speziell wenn schon eine Versicherung aus anderer Beschäftigung besteht), einfache Sozialversicherung für Vollzeitkünstler (minimal, d. h. ohne Pensions und Arbeitslosenversicherung)


Eine Analyse zum Nachlesen

In den aktuellen Kulturrissen gibt es eine Zusammenfassung von Daniela Koweindl, die die Misere nochmal auf den Punkt bringt. Morak hat 10 Jahre nichts gemacht und Schmied wird sich wohl sehr auf die Beine stellen müssen. http://igkultur.at/igkultur/... 1227106557

Schmied ist wie ihr Vorgänger eine Fehlbesetzung.

danke. etwas weiter oben wurde wohl vergessen, dass frau schmied schon zwei jahre kulturministerin ist.

ok, allerdings kann es auch sein, dass davon kaum jemand etwas bemerkt hat.

O-Ton Ministerin Schmied

"Für die Kunst- und Kulturpolitik läßt sich aus dieser Studie Handlungsbedarf ableiten (...) Die Nachwuchsförderung muß im Zentrum stehen. Die Künstlerinnen und Künstler brauchen Präsentationsmöglichkeiten." [Heutige OTS von Dr. Claudia Schmied.]

Daß es der großen Mehrheit der Kunstschaffenden in Österreich schlecht geht, wissen wir bereits. Der Grund: Es mangelt an bezahlten Aufträgen. Offizielle Begründung: Eure Kunst brauchen keiner! Den österreichischen Film verstecken wir daher im TV-Nachtprogramm, die Musik aus Österreich entfernen wir aus der Radio-Auslage, weil angeblich geschäftsschädigend. Für wessen Geschäft? Daß Kunst von heute auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, muß sich erst herumsprechen.

Vertippt

Eure Kunst braucht keiner.

die alterbeschränkungen sind eine schande ich frage mich warum es da nicht mehr hu ha von seiten der kunstschaffenden gibt...

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