Hermes will zügig ausbauen

19. November 2008, 12:45
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Stärkerer Vorstoß in Consumer-Sektor - Gewinne erst 2009/10 - Kein Briefgeschäft-Einstieg geplant

Wien  - Hermes, der Post-Konkurrent im Paket-Bereich, will stärker in den Consumer-Sektor vorstoßen und die Zahl seiner Paketshops nächstes Jahr von knapp 1.300 auf bis zu 1.800 erhöhen. Der Marktanteil von 38 Prozent wird vorerst kaum weiter gesteigert werden können, doch will man bei den Retourpaketen von einem Viertel auf die Hälfte zulegen. 16 Monate nach dem Start in Österreich steht Hermes bei 15 Mio. Sendungen im Jahr bzw. bis zu 70.000 Stück pro Tag. Von den Turbulenzen bei der Post profitiere man nicht, sagte Logistik-Geschäftsführer Dieter Zillmann am Mittwoch im Gespräch mit der APA: "Die Debatte ist schlecht für den gesamten Versand-Bereich."

Die Hoffnung, bereits im ersten vollen Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende Februar) in die Gewinnzone zu kommen, wird noch nicht aufgehen. Für 2009/10 sei der Perspektive aber, "deutlich positiv" zu sein, so Zillmann. Verdichten will man das Paketshop-Netz vor allem in ländlichen Gebieten, "wir sehen uns ganz Österreich nochmals gut an". Shop-Partner für Hermes sind vor allem Einrichtungen mit hoher Kundenfrequenz und möglichst langen Öffnungszeiten, etwa Trafiken, Tankstellen, Putzereien, aber auch Schreibwaren-Geschäfte. Die Frage einer Übernahme aufgegebener Post-Standorte stelle sich somit nicht.

Hermes deckt den B2C- und den C2C-Bereich ab und zählt dort die großen Versandhäuser Otto, Universal, Neckermann und Quelle zu seinen wichtigsten Kunden. Der Großteil der Sendungen werde am Folgetag zugestellt, laut eigener Vorgabe müssten 98 Prozent binnen zwei Tagen beim Empfänger sein - "im gesamten Land, bis ins letzte Tal". Die Qualität sei kein Thema mehr, "da ist Ruhe eingekehrt. Hier gibt es allseits Zufriedenheit." Ein Österreich-Umsatz nennt die Otto-Tochter nicht. Die Österreichische Post AG sprach im August davon, dass sie der "Götterbote" pro Jahr 6 Mio. Pakete sowie etwa 15 Mio. Euro Erlös kostet und auch das operative Ergebnis (Ebit) dieser Sparte belastet.

Briefgeschäft außer Diskussion

An einen Einstieg ins Briefgeschäft denkt Hermes nach der völligen Liberalisierung dieses Bereichs ab 2011 derzeit "überhaupt nicht". Eine echte Post-Alternative müsse hier flächendeckend sehr gut aufgestellt sein, mit entsprechenden Investitionen ins Verteil- und Zustell-Netz. In Deutschland, wo Hermes seit 30 Jahren vertreten ist, werden etwa 11 Mrd. Briefe jährlich vom Noch-Monopolisten Post abgewickelt und nur 500 Mio. Stück von alternativen Anbietern. In Österreich habe man mit der Samstags-Paketzustellung in der gesamten Hermes-Struktur die Post aber schon unter Druck gebracht.

Die aktuelle "Verunsicherungsdiskussion" rund um die Post bezeichnet Zillmann als "schlecht für den gesamten Versand-Bereich". Hermes könne von dieser Situation keineswegs profitieren, "weil es um andere Bereiche geht". In einem hinsichtlich der Löhne kritischen Bereich sieht sich der Paketversender in Österreich nicht, da man kaum eigene Mitarbeiter hat, sondern vor allem mit Frächtern kooperiert, die ihrerseits Unternehmen seien und ihre Beschäftigten bezahlen müssten: "Wir sind nicht im lohnsensiblen Briefbereich."

Einen Anlass, die Prognosen für die kommenden Jahre aufgrund der schwächeren Konjunktur zu senken, sehe man nicht: "Wir erwarten auch 2009 und 2010 noch Wachstum." Das was im klassischen Paketversand wegfallen könnte, werde durch geändertes "Distanzhandelsverhalten" ausgeglichen - Stichwort E-Commerce, aber auch Home Shopping via TV. 2009 werde man einen solchen Fernsehkanal in Österreich als neuen Großkunden haben, kündigte Zillmann an. Airline-Unternehmer Niki Lauda werde weiterhin, auch 2009, Werbeträger von Hermes sein.

Dieselzuschlag wird aufgehoben

Rechtzeitig zur Weihnachtszeit nimmt Hermes in Deutschland seinen seit August erhobenen Dieselzuschlag zurück. Der Versand von Paketen innerhalb Deutschlands werde so 20 Cent billiger, der ins Ausland um 40 Cent, teilte Hermes am Mittwoch in Hamburg mit. Auch die Kunden sollten von der "erfreulichen" Preisentwicklung an den Tankstellen profitieren, erklärte das Unternehmen. Hermes hatte den Dieselzuschlag im August eingeführt. Im Juli hatte der Ölpreis seinen bisherigen Rekordstand von über 147 Dollar pro Fass erreicht. Mittlerweile ist er auf unter 60 Dollar gesunken. (APA)

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