Krankenkassen: Ärztekammer "kennt sich nicht mehr aus"

19. November 2008, 12:02
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Steinhart erstaunt über Haupverbands-Prognose

Wien - Die Ärztekammer reagiert erstaunt über die jüngst vorgelegten Defizitzahlen der Krankenkassen und fordert Aufklärung vom Hauptverband und der Politik. "Keiner kennt sich mehr aus", man komme sich vor wie in einem "Zauberdorf, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht und willkürlich laufend widersprüchliche Zahlen präsentiert werden", ärgert sich Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart in einer Aussendung.

Nicht nachvollziehbar ist es für Steinhart, dass "monatelang auf die Wiener Ärzte eingeprügelt wurde und man ihnen Oberösterreich als Benchmark vorgehalten hat". Nun zeige sich, dass die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse 2010 einen um 740 Prozent höheren Gebarungsabgang haben wird als 2008, in Wien dagegen werde der Gebarungsabgang der Gebietskrankenkasse sogar um 30 Prozent sinken. Hier bestehe Aufklärungsbedarf.

"Nicht wirklich schlüssig"

"Die internationale Finanzkrise wird man wohl in ganz Österreich spüren, aber dass nur die OÖGKK dadurch in ein so tiefes Loch stürzt, während die Wiener Kasse mit einem blauen Auge davonkommen soll und sogar noch ihren Gebarungsabgang minimieren kann, scheint mir nicht wirklich schlüssig", so der Vizepräsident. Da die Führung der OÖGKK sehr professionell arbeite, "kann ich mir nur vorstellen, dass offensichtlich auch hier nur die per Gesetzgeber zu Unrecht aufgebürdeten kassenfremden Leistungen für die Defizite verantwortlich sein können".

Weiter tief im Minus

Nach den jüngsten Zahlen des Hauptverbands zeichnet sich bei den Krankenkassen insgesamt eine leichte Entspannung ihrer Finanzlage ab, sie bleiben aber weiter tief im Minus. So wird für heuer ein Defizit von 238 Millionen Euro für die gesamte Krankenversicherung erwartet. Anfang des Jahres hatte man noch 314 Mio. befürchtet. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die gute Beschäftigungslage, die den Kassen mehr Beiträge bringt. Für nächstes Jahr soll das Defizit vor allem Dank der Halbierung der Mehrwertsteuer auf Medikamente auf 64 Mio. sinken, im Jahr 2010 aber dann wieder auf 266 Mio. Euro steigen. (APA)

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