220 Projekte: Programmbuch für Kulturhauptstadtjahr vorgestellt

19. November 2008, 11:43
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Motto "Linz.verändert" - Eröffnung mit "Raketensinfonie" - Zahlreiche Kooperationspartner

Linz - Für Linz und seine Regentschaft als Europäische Kulturhauptstadt 2009 ist nach zwei Vorläufern jetzt, rund eineinhalb Monate vor dem Beginn, das finale Programmbuch mit dem schlichten Titel "Das Programm" erschienen. Das 288 Seiten umfassende Druckwerk informiert über die 220 oft aus mehreren Einzelveranstaltungen bestehenden Projekte an 51 Spielstätten im Zusammenhang mit Linz09. Sie bedeuten ein Programmangebot für nahezu jeden Tag des Jahres. Vorgestellt wurde es unter anderem vom Linzer Vizebürgermeister und Linz09-Aufsichtsratsvorsitzenden Erich Watzl, Intendant Martin Heller und seinem Stellvertreter Ulrich Fuchs in Pressekonferenzen am Dienstagabend in Linz und am Mittwochvormittag in Wien. "Das Programm" soll dabei laut Heller mehr als nur ein Programmbuch sein, es ist bebildert und enthält auch Statements von 100 Persönlichkeiten zur Frage, ob Linz bis 2015 die "interessanteste Stadt Österreichs" werden könnte.

"Linz.verändert"

Das Motto für das Kulturhauptstadtjahr lautet "Linz.verändert". Das bezieht sich darauf, dass die Stadt von einer kleinen Handelsniederlassung an der Donau zu einer Patenstadt Hitlers, zu einem Industriestandort mit allen Lasten und Risken und nunmehr zu einem wirtschaftlich erfolgreichen, modernen Lebensraum wurde. Heller will nicht nur ein Kulturfest, sondern auch ein Stadtentwicklungsprogramm durchführen und Netzwerke aller im Bereich der Kultur Interessierten schaffen - für die Bewohner der Stadt und der Region und unter intensiver Mitwirkung von ihnen. Obendrein will er auch den Anspruch der Wirkung weit über das Jahr 2009 hinaus erfüllen.

Unter den Veranstaltungen befinden sich zahlreiche Uraufführungen von Produktionen sowie österreichische Erstaufführungen. Wert gelegt wird auch auf Kooperationen. Dazu kommt die Einbindung von bereits vorhandenen kulturellen Institutionen, wie etwa das Brucknerfest, Klangwolke, Ars Electronica, das Festival der Regionen oder das Crossing Europe Filmfestival. Den Organisatoren stehen von Stadt, Land und Bund jeweils 20 Mio. Euro zur Verfügung. Zusätzlich gibt es eine Absichtserklärung der Europäischen Union über 1,5 Mio. Euro und rund zehn Mio. von privaten Partnern und Sponsoren.

"Raketensinfonie"

Die offizielle Eröffnung findet zu Silvester unter anderem mit einer "Raketensinfonie" und einem mächtigen Feuerwerk an der Donau statt. Gleich in den ersten Tagen des Kulturhauptstadt-Jahres folgen unter anderem die Uraufführung der neuesten Symphonie von Philip Glass durch das Bruckner Orchester, die Eröffnung der Ausstellung "Best of Austria" im Lentos Kunstmuseum mit exzellenten Kunstwerken aus rund 30 österreichischen Sammlungen und Museen sowie die Eröffnung des neuen, erweiterten Ars Electronica Centers.

Ebenfalls zu Jahresbeginn steht die Premiere von "Das Buch der Unruhe" von Fernando Pessoa als Grundlage für ein Musiktheater des Komponisten, Film- und Theaterregisseurs Michel van der Aa auf dem Programm. Das Werk kommt in Zusammenarbeit mit Klaus Maria Brandauer und dem Linzer Bruckner Orchester unter Dennis Russel Davies zustande. Aufführungsort ist die eigens für Linz09 errichtete Spielstätte "Hafenhalle", die auch für etliche andere Produktionen genützt werden wird.

"Kunst für alle"

Ein bedeutendes Thema von Linz09 ist die Zeitgeschichte. Mit der im vergangenen September eröffneten Ausstellung "Kulturhauptstadt des Führers" im Schlossmuseum, die noch bis März kommenden Jahres geöffnet ist und zahlreichen anderen Projekten hat das Programm von Linz09 de facto schon vor geraumer Zeit begonnen. Es folgt noch das Vorhaben "in situ", das die Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik durch temporäre Zeichen im öffentlichen Raum erfahrbar machen soll.

Der öffentliche Raum ist auch Ziel von Veranstaltungen mit dem Anliegen "Kunst für alle" sein. So wird etwa das Wahrzeichen der Stadt, der Pöstlingberg, zum "Heiligen Berg" erklärt und im Sommer 20 Installationen und Interventionen nationaler und internationaler Künstler bieten. "Höhenrausch" ermöglicht einen ausgeklügelten Rundweg auf die Dächer der Innenstadt. Stadterkundungen unterschiedlicher Art sollen zusätzlich zu den etablierten Stadtführungen des Tourismusverbandes auch durch "Rebellinnen!" und "Kulturlotsinnen" erfolgen. Außerdem gibt es neun Monate lang jeweils einen "Kulturhauptstadtteil des Monats".

"Akustische Modellstadt Europas"

Unter dem Motto "Die ganze Stadt ist Theater" startet noch im Jänner das international besetzte Theaterfestival "Schneesturm" mit 37 Aufführungen von 18 Produktionen, dem im Sommer eines mit der Bezeichnung "Sonnenbrand" und zum Abschluss des Jahres ein durchaus an Erwachsene gerichtetes "Kasperl"-Theater folgen soll. Das von David Maayan inszenierte "Purimspil" zum Purimsfest, bei dem das Überleben der Juden gefeiert wird, bringt Heiteres und Rebellion in das aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Linzer Stollensystem.

Im mehr als nur musikalischen Bereich des Kulturstadtjahres soll Linz "akustische Modellstadt Europas" werden. Mit "Hörstadt" will Linz09 zum bewussten Hören anstiften. Unter anderem mit dem "Akustikon", einer Erlebniswelt des Hörens mit akustischer Forschung, Theoriebildung und Vermittlung. Geplant sind aber auch eine Kampagne gegen Zwangsbeschallung sowie Ruhepole. In einem "Circus"-Zelt soll in Linz, Schärding und Gmunden mit einem populären Anspruch niederschwellig zeitgenössische Musik vermittelt werden. Ö1 und die European Broadcasting Union mit 75 Radiostationen in über 30 Ländern werden von dort eine Woche lang live senden.

Linz wird im kommenden Jahr auch Gastgeber für das 10. Europäische Jugend-Musikfestival 2009 sein. Zu "Megahertz" werden 8.000 Teilnehmer erwartet. Und rund 500 sollen zum "Youth European Soccer YES09" Ende Mai/Anfang Juni kommen, einem Fußballturnier für Mannschaften aus ehemaligen und künftigen europäischen Kulturhauptstädten. (APA)

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