30.Jahrestag: 1978 starben 923 Sekten-Mitglieder in Guyana

19. November 2008, 11:39
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Sektenboss Jim Jones ließ Frauen, Kinder und Männer mit Limonade vergiften. Bislang galt Jonestown als die größte Massen-Selbsttötung in der Geschichte der Menschheit

Buenos Aires  - Vor 30 Jahren am 18. November 1978 starben mindestens 923 Frauen, Männern und Kinder im Sektendorf Jonestown im südamerikanischen Guyan. Fast alle starben qualvoll an mit Zyankali vergifteter Limonade. Den Babys wurde das Gift in den Mund gespritzt. Es war eine der schlimmsten Fälle von Massen-Selbsttötung in der bekannten Geschichte der Menschheit. Heute, 30 Jahre später wird der Fall zu den Massenmorden gerechnet.

Was anfänglich wie eine Massen-Selbsttötung aus religiösem Wahn erschien, schilderten die Überlebenden später eher als Massenmord. "Sie haben uns einfach umgebracht", sagt erzählte das frühere Sektenmitglied Tim Carter im Film "Jonestown" von Stanley Nelson.  Auch andere Überlebende berichteten, dass um das Versammlungshaus der landwirtschaftlichen Urwaldkolonie bewaffnete Wachen aufgezogen waren. Etliche tote Sektenmitglieder hatten Schusswunden.

"Wenn man uns nicht in Frieden leben lässt, so wollen wir jedenfalls in Frieden sterben. Dies ist kein Selbstmord, sondern ein revolutionärer Akt", hatte der charismatische Gründer der Sekte Peoples Temple, Jim Jones seinen Gefolgsleuten erklärt. Jones stanb seit den 70er Jahren zunehmend unter dem Einfluss von Drogen.

"Paradies auf Erden"

Jim Jones stammte aus ärmsten Verhältnissen. Seine Mutter hielt ihn für einen "Messias". Schon mit 19 Jahren trat er seine erste Predigerstelle an. Die Anhänger von Jim Jones waren ihm aus den USA in den südamerikanischen Dschungel gefolgt. Dort sollte nach seiner wirren Heilslehre das Paradies auf Erden Wirklichkeit werden. Der Traum von Rassengleichheit, sozialer Gerechtigkeit und einem liebevollen Umgang untereinander endete indes in einer Katastrophe.

Sexueller Missbrauch

Am 17. November war der US-Kongressabgeordnete Leo J. Ryan zusammen mit Journalisten und einigen abtrünnigen Sektenmitgliedern nach Jonestown gekommen. Er wollte den sich häufenden Berichten über sexuellen Missbrauch von Sektenmitgliedern durch Jones, unerträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen, über Freiheitsberaubung und Folter in dem Musterdorf nachgehen.

Jones hatte zunächst versucht, den Besuch zu verhindern. Als das misslang, arrangierte er ein großes Fest, und zunächst schien alles ganz harmonisch zu verlaufen. "Hier sind Leute, die finden, dass die Kolonie das Beste ist, was ihnen in ihrem Leben je passiert ist", sagte Ryan am Abend nach ersten Gesprächen. Die Sektenmitglieder klatschten frenetisch Beifall. Am nächsten Morgen aber, kurz vor der Abreise von Ryan, schlug die Stimmung um. Erst bitten einige wenige, dann immer mehr Bewohner von Jonestown darum, mit dem Politiker die Kolonie verlassen zu dürfen. Vertraute von Jones eröffneten an diesem Tag das Feuer auf Ryan und seine Begleiter, als diese gerade ein Flugzeug besteigen wollten. Der Politiker, den zuvor schon ein Sektenmitglied mit einem Messer angefallen hatte, und fünf weitere Menschen wurden zum Teil mit Schüssen aus nächster Nähe ermordet.

Danach schürte Jones, bei seinen Anhängern eine Art von Weltuntergangsstimmung und  trieb  die Menschen  in den Tod: Jonestown brannte Mitte der 80er Jahre ab.

 

 

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    Jim Jones in seiner Kommune

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    Jim Jones begann schon mit 19 Jahren als Prediger zu arbeiten

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