Kabarett: "Show" mit fragilen Spitzen

19. November 2008, 10:15
posten

Rudi Schöller verarbeitet im Niedermair aktuelle Zivilisationsängsten oder auch Banales und bleibt dabei lakonisch gelassen

Ob großstädtischer Agenturmitarbeiter oder nervöser Schwiegersohn: Rudi Schöller (Rudi Schöllerbacher) ist verstört - aufgebracht wäre das falsche Wort. Dafür fehlt der "Show" benannten Anklage gegen die Übel, die Schöller und somit die gesamte Menschheit plagen, das Feuer. Denn Schöllerbachers Alter Ego bleibt allen Widrigkeiten zum Trotz lakonisch gelassen. Eine Grundstimmung, die dem FM4ler schon den Titel eines "geklonten jungen Haders" einbrachte. Die grassierende "Digitalisierung" des Menschen durch immer schnellere Kommunikationstechniken oder die schleppende persönliche Entwicklung in der Paarbeziehung beschäftigen den Kabarettisten. Hier gelingen ihm fragile Pointen und gelungene Gesangseinlagen zu aktuellen Zivilisationsängsten oder auch Banalem, etwa dem ÖFB. Beim Nachlegen brechen dann leider ein paar Spitzen in sich zusammen. Und den sehr langen Bart der Scherze über Gusenbauers Lippen oder den Traktor fahrenden Willi Molterer zu Beginn verzeiht man Schöllerbacher erst bei der gekonnten Auflösung im Finale. (hoge, DER STANDARD - Printausgabe, 19. November 2008)

Kabarett Niedermair
Lenaugasse 1a
1080 Wien

20.-22. 11., 19.30 Uhr
(01) 408 44 92

  • Rudi Schöller, ab Donnerstag im Niedermair.
    foto: lukas beck

    Rudi Schöller, ab Donnerstag im Niedermair.

Share if you care.