"Mobiles Fernsehen bleibt Ausnahme"

18. November 2008, 23:17
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"Nice to have", aber selten oder gar keine Verwendung in der Normalität des Alltags, sagt Berliner Kommunikationswissenschafter Lange

"Bleibt Fernsehen Fernsehen?", fragte sich dieses Wochenende die Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, genauer: deren Fachgruppe Medienökonomie, bei ihrer Jahrestagung an der FH St. Pölten. Wir greifen das Referat des Berliner Kommunikationswissenschafters Ulrich T. Lange heraus. Seine Sicht auf Handy-TV könnte in Österreich, wo DVB-H ja ein Stück weiter ist als in Deutschland, zu Debatten anregen.

Lange sieht mobiles Fernsehen als Fall für Ausnahmesituationen, in denen man sonst womöglich wegen einer Sendung gar daheim bliebe. "Diese Situationen, für die das „Mobile TV" wie geschaffen zu sein scheint, sind im Zeitmanagement insgesamt aber doch wohl eher die Ausnahmesituationen, und insoweit wird das Mobile TV nicht Normal-Fernsehen sondern Ausnahme-Fernsehen bleiben."

Das muss nicht unbedingt Brotlosigkeit bedeuten, findet Lange: "Wer sagt aber andererseits, daß Angebote für besondere Lebenslagen nicht attraktiv sind und daß sich nicht auch mit Ausnahmesituationen im Leben Geld verdienen läßt? Ein gutes Beispiel hierfür sind Ärzte oder Rechtsanwälte, zu denen man auch nur dann Zuflucht nimmt, wenn es in der ansonsten gewünschteren Normalität nicht mehr so sicher, vorzüglich und selbstverständlich klappt."

Aber: "Mobile TV wird in Zukunft den Stempel ,nice to have' aufgedrückt bekommen und doch werden wir in der Normalität des Alltags nur selten oder gar keine Verwendung für „Mobile TV" haben. Viele, die auf den mobilen Dauernutzer mit hohen Nutzungsraten und entsprechenden Umsätzen schwören, halten dies für eine defaitistische und branchenschädliche Aussage." Lange tröstet: "Mobile TV soll uns nicht in Form des Gänsestopfens datensatt machen, sondern uns so balanciert neugierig, informations- und unterhaltungshungrig halten, daß uns nur der gesunde und lebendige Appetit leitet, in der richtigen Situation möglichst die adäquate und optimale Auswahl aus einem mobilisierten und flexibilisierten Informations- und Unterhaltungsangebot zu treffen." (red)

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