Freude, schöner Götterfunken

18. November 2008, 19:11
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Schulfernsehen: Das ZDF zeigt in "Ein Jahrtausend Geschichte - Die Deutschen" - Arte legt mit dem Sechsteiler "Wir Europäer" nach

Vor dem Hintergrund einer höchstens feig bis gar nicht geführten Debatte zu einer umfassenden Bildungsreform in Österreich und ebenfalls betroffenen Nachbarstaaten ist Schulfernsehen wieder gefragt.

Das ZDF zeigt in "Ein Jahrtausend Geschichte - Die Deutschen", wer und wie diese nach 1000 Jahren zu sein haben. Mit dem Sechsteiler "Wir Europäer" legt Arte ab Mittwoch, 21 Uhr, gesamteuropäischen Geschichtsunterricht nach.

Die Dokumentationsreihe konzentriert sich nicht auf Staaten oder militärische Pakte, sondern auf die ungemütlichen Geister, die sich gegen Obrigkeiten - etwa in Teil eins die katholische Kirche - stemmten.

Die Überzeugungen, für die Jan Hus, Nikolaus Kopernikus oder Andreas Vesalius mit verbotenen Mitteln eintraten, dienen als Grundwerte der später folgenden Aufklärung und sind allgemein anerkannt.

Auch beim Fernsehfonds Austria. Dort bewegte das Motto "Gemeinsame Geschichte, die gemeinsame Werte schafft" die Entscheidungsträger dazu, insgesamt 378.500 Euro zur ORF-Co-Produktion zuzuschießen.

Inhaltlich bietet das Format genug interessantes Grundwissen, um so manche Supplierstunde im Wachzustand durchzustehen, nur bitte nicht an Schauspielschulen.

Weshalb gibt es diesen scheinbar unvermeidbaren Kunstgriff der nachgespielten Historienszenen, deren Inhalt zwei Sekunden zuvor erzählt wurde? "Ketzer", krächzt da ein patscherter Waffenknecht, bevor er Hus in den düsteren Konstanzer Kerker stößt - Hallo Informationsgewinn?

Der Glaube an "die Macht der Idee und des Arguments", hätten Hus motiviert, an seinen Überzeugungen festzuhalten, beschwört die Off-Stimme. Aber um ein europäisches Wir-Gefühl zu generieren, braucht es dann grottiges Fernsehtheater? Diese "unterhaltenden" Elemente sind ein Zugeständnis der Sendeanstalten an eine ganz andere Sorte zeitgenössischer Ketzer: "Die Zapper". (hoge/DER STANDARD; Printausgabe, 19.11.2008)

 

 

  • Im Sinne Vesalius' wird ein kontinen-tales Wir-Gefühl auch im Gedärm gesucht.
    foto: arte

    Im Sinne Vesalius' wird ein kontinen-tales Wir-Gefühl auch im Gedärm gesucht.

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