Trapp-Hotel statt "Sound of Music"-Zentrum: Anrainer gegen Tourismusidee

18. November 2008, 18:50
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Ursprünglich war ein groß angelegtes Trapp-Zentrum im ehemaligen Wohnhaus der Trapps geplant - Anrainer im Nobelviertel wollen aber ihre Ruhe vor Besucher-Ansturm schützen

Der Konflikt um das im ehemaligen Wohnhaus der "Sound of Music"-Familie Trapp geplante Hotel ist zur Sache der Chefin geworden – Salzburgs Landeshauptfrau vermittelt zwischen Betreibern und besorgten Anrainern

Salzburg – Seit Ende vergangener Woche ist das Projekt, in der Villa Trapp im noblen Salzburger Stadtteil Aigen ein kleines Frühstückshotel zu führen, in der Landespolitik ganz oben angelangt. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) höchst persönlich hat sich der Sache angenommen. Betreiber und Anrainervertreter sind zu einem Krisengespräch geladen worden. Es sei das erklärte Ziel, eine für Betreiber wie für Anrainer akzeptable Lösung zu finden, damit die Stadt das Hotel bewilligen könne, so ein Sprecher Burgstallers auf Anfrage des Standard.

Die Zeit für eine zivilrechtliche Vereinbarung zwischen Anrainern und Betreibern drängt jedenfalls. Anfang Dezember läuft die Bewilligungsfrist aus; am 27. November müsste die Trapp-Villa auf der Tagesordnung des städtischen Planungsausschusses stehen. Bis spätestens dann müsste also eine Übereinkunft, in welcher beispielsweise Anzahl, Art und Größe von Veranstaltungen sowie weitere Nutzungsbeschränkungen festgeschrieben sind, fixiert sein.

Monatelanger Streit

Dem angesichts der Dimension des Frühstückshotels – vorgesehen sind gerade einmal 26 Betten – ungewöhnlichen Engagement der Landeshauptfrau persönlich, geht ein monatelanger Streit zwischen der Anrainerinitiative sowie den Projektbetreibern und Grundstückseigentümern voraus. Ursprünglich hatten die Unternehmer Marianne Dorfer und Christoph Unterkofler ein groß angelegtes Trapp-Zentrum im ehemaligen Wohnhaus der Trapps geplant.

"Sound of Music"-Disneyland

Eine vom ehemaligen ÖVP-Funktionär Manfred Schitter angeführte Bürgerinitiative lief gegen die Pläne Sturm. Die Bewohner des noblen Stadtteils Aigen befürchteten, dass jährlich hunderttausende, überwiegend japanische und amerikanische "Sound of Music"-Touristen mit Bussen oder zu Fuß in ihr beschauliches Viertel strömen würden und dort ein "Sound of Music"-Disneyland entstehe.

"Sound of Music" lockt 300.000 Besucher jährlich

Eine angesichts der bis heute bestehenden Strahlkraft des Rührstücks "Sound of Music" um die vor den Nazis geflüchtete, singende Familie Trapp durchaus realistische Annahme. Immerhin kommen allein wegen "Sound of Music" rund 300.000 Besucher jährlich nach Salzburg.

Nach massiven Bürgerprotesten wurde das Trapp-Zentrum auf ein 26-Betten-Hotel abgespeckt. Bewilligungspflichtig bleibt die kommerzielle Nutzung des im Besitz des Ordens der "Missionäre vom kostbaren Blute" stehenden Gebäudes trotzdem: Das Grundstück liegt im geschützten Grünland.

"Jeder Arbeitsplatz zählt"

Auf Anfrage des Standard waren weder Vertreter der Trapp GmbH noch Anrainersprecher Schitter zu Auskünften über den Inhalt möglicher Nutzungsauflagen bereit: Man habe Stillschweigen vereinbart. Hinter vorgehaltener Hand ist aus Anrainerkreisen freilich deutliche Skepsis angesichts der Initiative von Burgstaller zu hören. Diese sei an dem Vorhaben nur interessiert, weil sie mit Hotelbetreiberin Dorfer gut bekannt sei. In der SPÖ weist man das knapp zurück: "Jeder Arbeitsplatz zählt." (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 19.11.2008)

  • Eine Herberge mit 14 Zimmern und 26 Betten soll in der durch "Sound of
Music" weltberühmt gewordenen Trapp-Villa entstehen. Anrainer
befürchten einen Massenansturm von Tagestouristen.

    Eine Herberge mit 14 Zimmern und 26 Betten soll in der durch "Sound of Music" weltberühmt gewordenen Trapp-Villa entstehen. Anrainer befürchten einen Massenansturm von Tagestouristen.

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