Kopf des Tages: Wolfgang Kulterer

18. November 2008, 18:25
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Husarenritt mit unsanftem Abwurf

In der Monarchie gab es für besonders verwegene Husarenstücke tapferer Offiziere im Kriege denMaria-Theresien-Orden. Aber nur, wenn deren eigenmächtiges Handeln zum Siege führte. Wenn nicht, endeten die Hasardeure vor dem Kriegsgericht. Nun leben wir nicht mehr in der Monarchie und Bilanzfälschung ist ein Strafdelikt, das mit Haft bestraft werden kann - auch wenn Wolfgang Kulterer als ehemaliger Chef der Hypo Group Alpe Adria seine Bank nach den schweren Swap-Spekulationsverlusten im Jahre 2004 in der Höhe von 328 Millionen Euro "bloß" vor Ungemach schützen wollte.

Und solches hätte nicht nur der Hypo Group, sondern auch dem Land Kärnten gedroht, wenn die katastrophalen Verluste damals ruchbar geworden wären, als sich die Hypo gerade anschickte eine dem beabsichtigten Börsegang vorgezogene Wandelschuldanleihe vorzubereiten, um damit auch das finanziell schwachbrüstige Kärnten mit frischem Geld zu versorgen. Eine Rechtfertigung kann das für eine Bilanzfälschung freilich nicht sein, auch wenn Kulterers "Strategie" des Verschweigens und Vertuschens voll aufgegangen ist.

Heute gehört die Hypo Group mehrheitlich der Bayern LB, das Land Kärnten konnte aus dem Verkauf seiner Hypo-Mehrheit immerhin 800 Millionen Euro lukrieren. Dabei hat Wolfgang Kulterer maßgeblich mitgewirkt.

Husarenritte ist der gebürtige Bauernsohn und Pferdeliebhaber aus Hörzendorf gewohnt. Schon als er 1992 die marode Landeshypo mit zwölf Filialen, einem kaputten Kreditgeschäft und unkündbaren Landesbeamten übernahm, zeigte er Mut zum Risiko.

In kurzer Zeit hat der 1953 in Villach geborene Vollblut-Banker daraus eine im Alpen-Adria-Raum bestens positionierte, hochprofitable Bank mit Tausenden Mitarbeitern gemacht. Auch die nicht enden wollenden Begehrlichkeiten des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider wusste Kulterer stets prompt, wenn auch nicht immer gerne zu erfüllen. Kulterer folgte Haider nicht nur in Muammar Gadhafis Wüstenzelt, sondern finanzierte auch dessen Kärntner Leuchtturmprojekte, etwa das Schlosshotel Velden.

Als Haiders Banker, wie ihn die Wiener Bankenszene abzuqualifizieren versuchte, sah er sich dennoch nie. Nach dem Auffliegen der Swap-Affäre flog der Erfolggewohnte erstmals unsanft aus dem Sattel. Als Investmentbanker in London wird der geschiedene Vater zweier Kinder aber wohl bald wieder seiner Leidenschaft, dem Military-Reiten, frönen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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    Wolfgang Kulterer wurde wegen Bilanzfälschung verurteilt. F.: APA

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