Worauf die Frösche im Teich hören

18. November 2008, 18:51
posten

Im Rahmen der Begabungsförderung "Octopus" erforschen zwei Maturantinnen der HTL Braunau die Sprache der Frösche, um sie aus Nachbars Teich zu locken

Ein kleiner Fisch zieht seine Bahnen, eine Thermometer hängt im zu Hälfte mit Wasser gefüllten Aquarium, einige Steine ragen aus dem Wasser heraus. Viel zu sehen gibt es nicht. "Es sind aber vier große Frösche, ein kleiner und noch drei Kaulquappen im Wasser" , erzählt Steffi. Sie hat die Tiere gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Irina aus Nachbars Gartenteich gefischt. Schon diese Aufgabe entpuppte sich als echte Herausforderung, noch schwieriger sei es allerdings, die Frösche im Aquarium am Leben zu erhalten. Fleißig sammeln die beiden Maturantinnen deshalb Regenwürmer und Kellerasseln, die Leibspeise der Frösche.

Der Fisch diene als "Tester für die Wassergüte, denn der ist viel empfindlicher als die Frösche" , erklärt Steffi. Warum sich die Mädchen so viel Mühe geben? Weil sie mit den kleinen Tieren großes vor haben. Sie möchten die Froschsprache entschlüsseln, um so die Quälgeister weglocken zu können - etwa aus dem Schwimmteich des Nachbarn. Dieses Forschungsprojekt wird die Diplomarbeit der beiden Schülerinnen der HTL Braunau in Oberösterreich. Auf die Idee habe sie ihre Lehrer gebracht, denn er berichtete von einem Bekannten, der nachts immer durch das laute Quaken eines Frosches um seinen Schlaf gebracht werde.

Mindestens elf Stunden die Woche stehen Steffi und Irina deshalb im Labor der HTL vor dem Aquarium. Derzeit programmieren sie einen Freuquenzmesser. "Wir wollen als nächstes herausfinden, wie die Frösche auf Frequenzen reagieren. Welcher Frequenzbereich sie anlockt, welcher sie abstößt" , erklärt Steffi. Diese Messungen werden im Frühjahr dann im Freien, in einem Teich, wiederholt.

Zelle aus Farbstoff

Neben Irina und Steffi ist auch Andreas gerade im Labor. Er präpariert einen Glasträger mit Graphit. Gemeinsam mit Jürgen sucht er eine Alternative zur Siliciumzelle der Sonnenkollektoren. Die Zelle soll aus Farbstoff bestehen. Die Langzeitstabilität dieser Zelle sei die Schwierigkeit. Auf die Frage, ob sie bis zur Matura im Frühjahr eine Lösung gefunden haben, müssen sie lachen. "Wir werden nie fertig werden."

Die beiden Maturanten haben sich im Herbst 2007 im Rahmen des "Octopus-Programms" diese Forschungsaufgabe gestellt und daraus jetzt ihr Diplomthema gemacht, sagt Josef Wagner, einer der Programm-Verantwortlichen. Octopus steht für technisch-naturwissenschaftliche Begabungsförderung an der HTL Braunau. Seit 22 Jahren läuft dieses Programm. "Wir bieten Schülern ab der zweiten Jahrgangsstufe die Möglichkeit, in ihrer Freizeit an technisch-naturwissenschaftlichen Themen zu forschen" .

Forschen ohne Zwang

Ganz ohne Zwang oder irgendwelche Vorgaben soll die Kreativität angeregt werden, erläutert der zweite Octopus-Leiter, Peter Stöckl. Der Unterschied zur konventionellen Begabtenförderung bestehe darin, dass jeder Schüler teilnehmen kann, der Lust dazu hat. Die Lehrer lassen den Schülern freie Hand, stehen ihnen aber als Berater zur Verfügung. Damit biete man den Schülern abseits vom Regelschulbetrieb die Möglichkeit, ihre Neigungen selber herauszufinden. Und Hochbegabte, deren Förderung im Schulalltag nicht ausreichend betrieben werden könne, da sich der Unterricht am Durchschnittsschüler orientiere, erhalten eine zusätzliche Herausforderung, meint Wagner.

Dass Octopus Erfolg hat, zeigt die Anzahl der Auszeichnungen, die die HLT Jahr für Jahr kassiert: 60 internationale und nationale Preise haben die Schüler bereits gewonnen. Erst Anfang November gewannen drei Nachwuchsforscher mit ihrem Octopus-Projekt den österreichischen Energy Globe. Mit einem Saal-Voting von 75 Prozent der 1800 Besucher entschied das Trio mit ihrer Entwicklung des so genannten Latentwärmespeichers den Wettbewerb eindeutig für sich. Nun werden die Braunauer am World Energy Globe teilnehmen, der 2009 im EU-Parlament in Brüssel vergeben wird.

Mit ihrem Latentwärmespeicher entwickelten die Schüler eine Methode, Wärmeenergie von thermischen Solaranlagen mittels Salzlösung zu speichern. Ausgangsüberlegung der drei Burschen war, wie kann man in den Sommermonaten Sonnenenergie speichern, um sie dann im Winter als Heizung nutzen zu können. Es seien meist Probleme aus dem Alltag, die die Schüler zu lösen versuchen, sagt Stöckl. 2006 etwa gewannen drei Schüler den Science-Preis von "Jugend Innovativ" des Austria Wirtschaftsservice für eine "Untersuchung zur biologischen Abwehr von Nacktschnecken".

Martina Hafner, die seit Jahren auch für die freiwillige Feuerwehr im Einsatz ist und ebenfalls an der HTL Braunau maturierte, entwickelte mit einer Kollegin eine sich selbstlöschende Christbaumkugel, wofür sie 2004 den dritten Preis bei Jugend Innovativ erhielten. Die Entschlüsselung der Sprache der Frösche könnte nächster Anwärter auf eine Auszeichung sein. Doch jetzt müssen Steffi und Irina erst mal wieder im Keller auf Nahrungssuche für ihren Versuch gehen. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

  • Es sind die kleinen und großen Probleme des Alltags, die die Schüler und Schülerinnen der HTL Braunau experimentell zu lösen versuchen, und das ganz ungezwungen im Rahmen der Begabungsförderung "Octopus" .
    foto: htl braunau

    Es sind die kleinen und großen Probleme des Alltags, die die Schüler und Schülerinnen der HTL Braunau experimentell zu lösen versuchen, und das ganz ungezwungen im Rahmen der Begabungsförderung "Octopus" .

Share if you care.