Hypo-Prozess: Kavaliere der Banken

18. November 2008, 17:50
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In allerletzter Minute hat der ehemalige Chef der Kärntner Hypo Group Alpe Adria, Wolfgang Kulterer, die Reißleine gezogen

In allerletzter Minute hat der ehemalige Chef der Kärntner Hypo Group Alpe Adria, Wolfgang Kulterer, die Reißleine gezogen. Hat sich der Bilanzfälschung schuldig bekannt, 140.000 Euro Geldstrafe (280 Tagsätze à 500 Euro) ausgefasst und ist so einer möglichen Haftstrafe bis zu einem Jahr entronnen (das Urteil ist nicht rechtskräftig, es gilt die Unschuldsvermutung). Die Strafe wird er verkraften: Beim Abgang hat Kulterer mit seinem Aufsichtratschef Abschiedszahlungen von fast einer Million Euro vereinbart.

Noch billiger als der selbsternannte "Vater" der Hypo Alpe Adria, Kulterer, kam der seit 2004 amtierende Vorstandsdirektor Thomas Morgl davon. Er ist weiterhin unbescholten. Auch er hat noch schnell Bilanzfälschung gestanden, die ihm vom Richter angebotene Diversion angenommen - wahrscheinlich sehr dankbar. Gegenleistung: 114.000 Euro, davon aber rund 60.000 Euro für die Verfahrenskosten.

Morgl soll im Vorstand der Großbank bleiben; der Aufsichtsrat schenkt ihm weiterhin sein Vertrauen. Vergeben, dass Morgl beim 328-Millionen-Verlust diesen seinen Aufsichtsrat lange nicht informiert hat, vergeben, dass er den Wirtschaftsprüfer nicht korrekt aufgeklärt, die Aufsicht nicht informiert hat und überhaupt "zu wenig nachfragte" , wie er nun zugab. Vergeben, dass der Banker ein vom Richter vorgelegtes Papier nicht als Swap erkannte. Vergeben, dass er auf die Frage, wer denn einen Bankvorstand zu prüfen habe, letztlich antwortete, das wisse er nicht.

Spricht da jemand von Vertrauen in unsere Banken, in unsere Banker? Alles da, kein Problem, ein kleines Kavaliersdelikt wird uns doch nicht erschüttern. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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