Linzer Kruzifixstreit beendet: Kreuze werden nachgehängt

18. November 2008, 18:46
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Nach Gespräch beim Bischof Kruzifix-Streit zwischen VP und SP in Linz beigelegt

Linz - Lange hat Diözesanbischof Ludwig Schwarz zu der Kruzifix-Debatte in Linz geschwiegen. Umso lauter wurde in den letzten Wochen der Disput zwischen ÖVP und SPÖ. Im Mittelpunkt des aktuellen Politstreits steht die Frage, ob in allen städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen ein Kreuz hängen muss (VP-Linie) oder, wie derzeit üblich, nicht (SP-Linie). Die VP sprach gar von einem "Kreuzzeichen-Verbot" und warf der SP einen "Anti-Religionskurs" vor.

Am Dienstag lud Schwarz dann gemeinsam mit Superintendent Gerold Lehner die Politiker zu einer Unterredung. Nach einstündiger Debatte mit Bürgermeister Franz Dobusch (SP) und Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) wurde den Medien eine Lösung präsentiert: Die Stadt Linz wird in Zukunft doch Kruzifixe in allen ihren 90 Kinderbetreuungseinrichtungen anbringen, erklärte Dobusch. Er machte aber gleichzeitig auch darauf aufmerksam, dass die Stadt in seiner Amtszeit nie religionsfeindlich gewesen sei. So würden christliche Feste in den Kindergärten stets gefeiert. Kreuze seien, wie von der VP behauptet, auch niemals entfernt worden, "weil bisher keine hingen", merkte Dobusch ausdrücklich an.

Recht auf Religion

Bischof Schwarz hatte bei dem runden Tisch darauf hingewiesen, dass "jedes Kind das Recht besitzt, religiöse Werte vermittelt zu bekommen. Das Kreuz steht als Symbol für religiöse Präsenz in den Kindereinrichtungen".

Laut oberösterreichischem Kinderbetreuungsgesetz müssen Kruzifixe in jenen Gruppen angebracht werden, in denen mehr als die Hälfte der Kinder christlichen Glaubens sind. Nachdem die Stadt Linz diesem Auftrag nicht nachkomme, drohte sogar der zuständige Landesrat Viktor Sigl (VP) an, die neun Millionen Euro an Landesmitteln für die Linzer Kindergartenpädagogen einzufrieren.

Nach der Unterredung beim Bischof zeigte sich auch die VP zufrieden. Pühringer erklärte nun, dass es seiner Partei um mehr als die Präsenz des Kreuzes gegangen sei. Es solle, wie in den Schulen auch, in den Kinderbetreuungseinrichtungen als Symbol für religiöse Erziehung stehen, pflichtetet er der Auffassung der Kirche bei.

Warum der Bischof bis Dienstag keine öffentliche Stellungnahme abgegeben hatte, begründete Stefan Kaineder, Organisationsreferent der Diözese Linz, noch vor einer Woche so: Die Debatte sei zu einer parteipolitischen Diskussion geworden, dabei wolle man es belassen. Umso überraschender wurde der runde Tisch mit anschließender Pressekonferenz am Dienstag gesehen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 19.11.2008)

  • Bischof Ludwig Schwarz hat den Kruzifix-Streit zwischen SP und VP in Linz geschlichtet.

    Bischof Ludwig Schwarz hat den Kruzifix-Streit zwischen SP und VP in Linz geschlichtet.

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