Oligarchen verlieren 300 Milliarden Dollar

18. November 2008, 17:45
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Weltbank prognostiziert für 2009 einen Kapitalabfluss von 100 Milliarden US-Dollar

Moskau - Die russischen Oligarchen haben im Zuge der Finanzkrise an der Börse bisher rund 300 Milliarden US-Dollar verloren. Insgesamt wurden von Mitte Mai bis Anfang November diesen Jahres an der Moskauer Börse Unternehmenswerte in Höhe von einer Billion US-Dollar vernichtet. Das entspricht 84 Prozent des russischen Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2007.

"Die Auswirkung auf die Vermögen ist groß genug, um den gesamten Konsum zu betreffen", heißt im gestern veröffentlichten Weltbank-Bericht. Dazu komme noch der erschwerte Zugang zu Krediten. Die Weltbank rechnet daher heuer mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums auf sechs Prozent. Die Regierung erwartet sieben Prozent.

2009 dürften sich die Auswirkungen der Krise stärker bemerkbar machen. Die Weltbank prognostiziert ein BIP-Wachstum von drei Prozent. Die Analysten der Raiffeisenbank Russland malen sogar noch schwärzer: "Es wird sehr schwierig, 2009 eine Rezession zu vermeiden." Sie rechnen damit, dass die russische Wirtschaft in der ersten Hälfte 2009 um rund 1,8 Prozent schrumpfen wird.

Beschleunigter Kapitalabfluss

Indes beschleunigt sich auch der Kapitalabfluss aus Russland. Der Kapital-Nettoabfluss wird heuer rund 50 Milliarden und 2009 rund 100 Milliarden US-Dollar betragen. Der Anstieg des Kapitalabflusses führte die Weltbank auf die Notwendigkeit zurück, private Auslandsschulden zu tilgen. Zugleich würden größere Direktinvestitionen im nächsten Jahr ausbleiben.

Auch die Reserven der Zentralbank werden 2009 weiter schrumpfen - allerdings nicht mehr so schnell wie bisher. In den vergangenen drei Monaten sanken die russischen Währungsreserven um ein Sechstel auf 475 Milliarden US-Dollar. 2009 werden sie um weitere 100 Milliarden US-Dollar schrumpfen.

Durch die Krise kommt auch der Rubel zunehmend unter Druck. Laut einem Bericht von Russkij Newsweek haben Zentralbank und Regierung bereits die Abwertung beschlossen. Die Regierung dementierte ein derartiges Vorhaben bisher. Analysten sehen den Rubel bis Ende 2009 um 20 bis 30 Prozent schwächer. (ved, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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