Forscherin durch die Filmbrille

18. November 2008, 18:47
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Eine Filmreihe beleuchtet die Rolle von Wissenschafterinnen im Kino

Blubbernde Flüssigkeiten, Rauchschwaden, von Ruß geschwärzte Gesichter, zerzaustes Haar zerstreuter Professoren - Wissenschaft wird oft in Klischees präsentiert. Das ist auch so, wenn Forscherinnen auf der Kinoleinwand vorkommen. Eine Filmschau des Wissenschaftsministeriums und des Filmmuseums im Votivkino widmet sich nun der Darstellung von Wissenschafterinnen im Kino.

"Die Forscherinnen sind jung, tragen oft Stöckelschuhe und Brille, sie müssen sexy sein und in manchen Szenen leicht bekleidet auftreten" , sagt Wilbirg Brainin-Donnenberg, die Kuratorin der Filmschau. Ähnlich urteilt auch die Medien- und Kommunikationssoziologin Eva Flicker: Nicht nur klug, auch schlank und vollbusig werden Forscherinnen auf der Leinwand präsentiert.

Klischees finden sich nicht nur beim Aussehen, auch beim Verhältnis der Wissenschafterinnen zu ihren Kollegen und anderen Menschen. Eines ist die Darstellung als einsame Kämpferin - die Forscherin ohne Kinder, ohne funktionierende Beziehung, die sich ganz ihrer Arbeit widmet. "Viele Filme zeigen zwar attraktive Frauenfiguren, aber ein unattraktives Bild vom Wissenschaftsberuf für Frauen.

Und es werden weibliche Stereotypen bedient: "Frauen im Film reagieren emotionaler, zeigen Intuition und Vorahnung statt Rationalität" , sagt Flicker. Wissenschafterinnen im Film sind meist von einem männlichen Forscher geprägt. "Oft führen sie das Werk ihres Vaters fort oder sind dessen Assistentin. Selten gibt es im Film weibliche Vorbilder" , weiß Brainin-Donnenberg.

Vieles an der Darstellung von Wissenschafterinnen ist auch realistisch. Wie ihre echten Kolleginnen müssen sie mit großem Aufwand um Projektgelder werben und sich in einem von Männern dominierten Umfeld behaupten. Generell sind sie auf der Leinwand weniger präsent als ihre männlichen Kollegen.

Naturwissenschafterinnen kommen im Film öfter vor als Sozial- oder Geisteswissenschafterinnen. Laboratorien und technische Geräte scheinen sich Flicker zufolge für den Film besser zu eignen als Wissenschafterinnen, die über Büchern sitzen und Interviews führen. Psychologinnen in Horrorfilmen und Thrillern würden hingegen häufig gezeigt.

Forschung als Berufung

"Forschung wird im Film oft als Berufung dargestellt. Die Forscherinnen leben scheinbar nur für die Wissenschaft" , sagt Flicker. Das decke sich zum Teil zwar mit dem echten Leben, etwa mit dem Druck, auch am Wochenende arbeiten zu müssen. Sexismen finden sich im Film ebenso wie in der Realität. "Frauen werden oft wissenschaftliche und Führungsfähigkeiten aberkannt, nur weil sie Frauen sind."

Die Filmschau ist Teil der Visibilty Maßnahmen des Wissenschaftsministeriums, mit denen auf die Rolle von Frauen in der Wissenschaft hingewiesen werden soll. Zu sehen sind unter anderem der Stummfilm Die Frau im Mond von Fritz Lang, Hitchcocks Spellbound mit Ingrid Bergmann als Psychiaterin, eine Biografie Madame Curies, Horror- und Kinderfilme sowie eine Wochenschau über die Physikerin Lise Meitner. Dazu gibt es Vorträge von Wissenschafterinnen, dei wohl so manche Rollenbilder zurechtgerücken. (Mark Hammer/DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

Veranstaltungs-Tipp
"Wissenschafterinnen im Film" , Votivkino, 21.-27. 11.

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    Klug, adrett und natürlich mit Brille: Ingrid Bergman als Psychiaterin mit Gregory Peck in "Spellbound".

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