Forschen mit Glas, mit Sonne und mit Sicherheit

18. November 2008, 18:49
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Am Montag wurden in St. Pölten die Gewinner des diesjährigen tecnet-Calls bekanntgegeben – drei Preise wurden vergeben

Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir in Innenräumen. Wer glaubt, hinter einer großen Glasfassade naturverbunden zu wohnen, der irrt. "Die Gläser, die heute im Einsatz sind, lassen einen großen Teil der Infrarot- und Ultraviolett-Strahlung nicht durch" , sagt Architektin Renate Hammer von der Donau-Universität Krems. Die Folge: diverse Mangelerscheinungen, verringerte Bildung von Vitaminen und künstliche Ausdehnung der Winterdepression.

In einem Forschungsprojekt unter dem Titel "Light Passage" , ein Kooperationsprojekt der Donau-Uni mit der Eckelt Glas GmbH, möchte man den schlechten Glaswerten an den Kragen gehen. Am Montagabend wurde das Projekt im Rahmen des diesjährigen Tecnet-Calls für intelligentes Bauen mit dem erstenPreis ausgezeichnet.

Teilnahmeberechtigt waren Partnerschaftsprojekte von Wirtschaftsunternehmen und Forschungsbetrieben, wovon mindestens eine Firma ihren Sitz in Niederösterreich aufweisen muss. Das Land Niederösterreich und die Tecnet Capital Technologiemanagement GmbH stellten für die drei Siegerprojekte Preisgelder in der Höhe von 30.000 Euro zur Verfügung.

Für das Projekt "Light Passage" sind zwei Jahre anberaumt. "Die herkömmlichen Gläser, die heute in der Baustoffindustrie eingesetzt werden, haben einen zu geringen Spektraldurchgang" , so Hammer, "kaum jemand spricht darüber, aber das ist physiologisch nachweislich ungesund." Gemeinsam mit Eckelt will die Donau-Uni nun neue Gläser mit besseren, humanphysiologisch angepassten Werten entwickeln. Der Fokus richtet sich auf alternative Glaszusammensetzungen und auf Spezialbeschichtungen.

Der zweite Preis ergeht an die Austrian Research Centers (ARC). Gemeinsam mit der Moeller Gebäudeautomation GmbH und dem Fertighausproduzenten Wolf Systembau GmbH soll in den kommenden Jahren ein Smart Home entwickelt werden, das seinen Besuchern eine neue Dimension der Sicherheit bieten soll. "Wenn wir heute von einem Smart Home sprechen, dann meinen wir meistens das gänzlich computerunterstützte und somit kaum leistbare Haus, das mehr oder weniger im Alleingang denkt und handelt" , sagt Manfred Bammer, Bereichsleiter für Biomedical Engineering bei ARC, "für den Durchschnittskonsumenten ist das für lange Zeit noch Zukunftsmusik."

Als Alternative sollen einzelne intelligente Module marktreif gemacht werden, die jederzeit erweiterbar und auch für Fertighäuser kompatibel sind. Bewegungsmelder, thermische Sensoren und Türkontakte sollen genügend Informationen liefern, um auf dieser Basis aussagekräftige Algorithmen entwickeln zu können.

Das Haus, das alles weiß

"Unser Ziel ist es, aus den ermittelten Daten zu erfassen, wo sich jemand zu einer bestimmten Zeit aufhält und welche Lebensgewohnheiten diese Person hat" , erklärt Bammer. Bei Abweichungen - bleibt etwa im Winter ein Fenster stundenlang offen oder liegt jemand längere Zeit in der Badewanne - wird Alarm geschlagen: zuerst an den Bewohner, später per Handy an Verwandte und Bekannte, auf der höchsten Eskalationsstufe schließlich an die Notrufzentrale.

Auch das drittplatzierte Projekt beschäftigt sich mit dem Fertighaus. Der Österreichische Fertighausverband, die Holzforschung Austria und die ertex-solar GmbH werden ein System erarbeiten, kraft dessen es möglich sein wird, die Fertighauselemente bereits ab Werk mit Solarenergiemodulen zu bestücken. "In vielen Bereichen ist Fotovoltaik weitverbreitet" , sagt Christian Murhammer, Geschäftsführer des Fertighausverbands, "aber da, wo es wirklich wichtig wäre, nämlich bei Fertigteilhäusern, ist die Hemmschwelle beim Konsumenten noch zu hoch."

Der Plan: In Zukunft sollen Fertighäuser schon ab Werk mit der nötigen Technologie ausgestattet werden. "Unser Ziel ist es, dass die Solarenergie nicht erst im Nachhinein aufs Haus draufgepappt wird wie bisher" , sagt Murhammer, "der Kunde soll schon bei der Bestellung wählen können: mit oder ohne?" Mit kostet's mehr, dafür kann's auch mehr. Ein erwiesenermaßen schlagkräftiges Verkaufsargument. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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