Massiver Jobabbau beginnt

18. November 2008, 18:34
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Der Leiterplatten­hersteller AT&S baut 450 Jobs ab, Kranproduzent Palfinger 91

Wien/Leoben/Salzburg - Für den kommenden massiven Jobabbau häufen sich die Vorzeichen: Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice im Rahmen des "Frühwarnsystems" angemeldeten Kündigungen kletterte per Ende Oktober auf 29.433 Betroffene. Das waren mehr als viermal so viel wie noch Ende September. Die Voranmeldungen stammen zu einem Gutteil aus der Bauwirtschaft. Das AMS betont den saisonbedingten Anstieg hin, ein Plus von 7000 Voranmeldungen sei aber immerhin durch den Konjunktureinbruch bedingt.

Aber auch aus der Industrie reißen die schlechten Nachrichten nicht ab: Seit einer Betriebsversammlung am Dienstag ist fix: Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S baut 293 eigene Arbeiter und 159 Leiharbeiter (von insgesamt 1370 Stellen) ab. Die ersten Kündigungen werden schon Ende dieses Jahres ausgesprochen. Einige der in Leoben nun nicht mehr benötigten Maschinen werden im neuen Werk in Indien zum Einsatz kommen.

Der Zentralbetriebsrat des Unternehmens, Wolfgang Fleck, beteuerte im Gespräch mit dem STANDARD, "dass man soziale Härten abfedern" werde, er stehe voll und ganz hinter den Maßnahmen.

Man hoffe aber "mindestens 50 der betroffenen in einer Arbeitsstiftung unter zubringen und umzuschulen", da man sich mittelfristig auf Solartechnik spezialisieren werde und dann "vielleicht einige Arbeiter wieder zurückholen kann". Die Art wie Aufsichtsrats-Chef Androsch die Kündigungen kommunizierte - "über den Biertisch an Medien, bevor die Arbeitnehmer informiert wurden" - kritisierte Fleck scharf.

Kritik

Kritik kommt auch weiterhin vom Leobner KPÖ-Stadtrat und Landtagsabgeordneten, Werner Murgg: Er wies per Aussendung darauf hin, dass AT&S "2007/2008 bei Umsatz und Gewinn neue Rekorde aufgestellt hat". Mit 41,3 Mio. Euro verdiente man sogar um 32 Prozent mehr als im Jahr davor. Er wie auch ÖVP-Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann fordern, dass die Förderungen der Gemeinde zurückgezahlt werden.

Beim Kranherstellers Palfinger müssen auch 91 Mitarbeiter gehen. Der Rest der Belegschaft wird ab Jänner bei teilweisem Lohnausgleich in Kurzarbeit geschickt. Am Dienstag informierte Vorstandsvorsitzender Herbert Ortner die Mitarbeiter in Köstendorf und Salzburg-Kasern sowie in Lengau.

Angesichts der wirtschaftlichen Lage in der Baubranche hätte die Firma viel mehr Mitarbeiter abbauen müssen, "wir sind bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen", sagte Ortner. Man halte jetzt bis zu 150 Mitarbeiter, für die es nicht ausreichend Arbeit gebe.

Für die 91 gekündigten Mitarbeiter werde es "hoch dotierte" Sozialpläne geben, soziale Härtefälle wolle man vermeiden. Die Kurzarbeit für die restliche Belegschaft soll ab 12. Jänner vorerst ein halbes Jahr lang gelten - vorbehaltlich der Zustimmung der Sozialpartner. Für die 20-prozentige Arbeitszeitverkürzung sollen die Mitarbeiter weiterhin rund 95 Prozent ihres bisherigen Lohns erhalten. Als Grund nannte Ortner die weltweite Finanzkrise ("ein Armutszeugnis für unser Finanzsystem" ), die sich jetzt auf die Baubranche auswirke. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei hydraulischen Knickarmkranen. Palfinger beschäftigt 3900 Mitarbeiter, davon rund 1000 in Österreich. Auch Werke in Slowenien. Kroatien und Bulgarien sind vom Jobabbau betroffen. (cms, pehe, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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    In der Industrie geht der Arbeitsplatzabbau weiter: Beim Salzburger Kranhersteller Palfinger und beim steirischen Leiterplattenhersteller AT&S gehen hunderte Jobs verloren.

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