Eine Klage und eiserne Grüße

18. November 2008, 17:40
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Kinderarzt Zoubek ist nach Dopingvorwürfen nicht mehr Triathlon-Vereinsobmann

 Wien - Der Kinderarzt und Hobby-Triathlet Andreas Zoubek hat am Dienstagnachmittag wie angekündigt gegen den Kurier Klage wegen "übler Nachrede" eingebracht. Dem derzeit freigestellten stellvertretenden ärztlichen Leiter desSt. Anna Kinderspitals war unter Berufung auf namentlich nicht genannte "Athleten" und "Szenekenner" Handel mit Epo in einem Wiener Fitnesscenter vorgeworfen worden. Zoubek bestreitet die Vorwürfe vehement und begehrt über Rechtsanwalt Michael Rami "Schadenersatz und eine Urteilsveröffentlichung".

Schon vor der Klagseinbringung trat der 51-jährige Hämatologe als Obmann des Mödlinger Triathlon-Vereins "99ers" zurück. Drei Mitglieder sind aus dem Verein ausgetreten, darunter Michael Weiss, ein ehemaliger Olympia-Teilnehmer im Mountainbike, dem indirekt wegen angeblich nicht nachvollziehbarer Leistungssteigerungen nach Umstieg in die Triathlon-Szene ebenfalls Doping unterstellt worden war. Der Manager des 27-Jährigen, der ehemalige Klasseläufer Michael Buchleitner, begründete den Vereinsaustritt von Weiss mit der "nötigen Transparenz" gegenüber möglichen neuen Partnern. Schließlich sei die neue Saison zu planen. "Michi ist lange bei diesem Verein gewesen, hatte von dort seine Mountainbike-Lizenz, wurde aber weder medizinisch betreut noch trainiert" , sagt Buchleitner. Einen Leistungssprung von Weiss hätte es nie gegeben. "Er war als Triathlet von Beginn an auf sehr hohem Niveau."

Buchleitner kennt Zoubek, auch hat er von Gerüchten um dessen Wirken gehört. "Ich bin nach den Zeitungsberichten nicht aus allen Wolken gefallen, war aber über die Dimension der Sache überrascht."

Gerüchte, Konsequenzen

Ebenfalls nicht aus allen Wolken fiel Stephan Heid, Rechtsanwalt in Wien und bis Montag Mitglied der "99ers" . "Es gilt die Unschuldsvermutung, aber ich will in dieser Situation keinem Verein zugeordnet werden, dessen Obmann unter solchen Verdächtigungen steht" , begründet Heid seinen Austritt. Doping sei im Triathlon, zumal im Hobby-Triathlon, ein heißes Thema, er habe auch Gerüchte über Zoubek gehört. "Aber die gibt es schon eine ganze Weile."

Gerüchte über seine Person hat Andreas Zoubek zumindest durch seine schreiberische Tätigkeit genährt. Der in seiner Altersklasse recht erfolgreiche Triathlet, der nach eigenem Bekunden pro Woche 50 Stunden arbeitet und zwischen 15 und 17 Stunden trainiert, führte auf der 99ers-Homepage unter dem Pseudonym Irondoc, das ihm ORF-Kommentator Christopher D. Ryan (99ers-Ehrenmitglied) vor Jahren in einem ORF-Beitrag verpasst hatte, bis Montag ein ausführliches Tagebuch.

Ein "Iron Doc" war Gast im Triathlon-Forum von bikeboard.at. In diesem sprach er sich im August 2007 für die Dopingfreigabe im Profisport aus. Im Amateur- und Jugendbereich, schrieb "Iron Doc" , sei Doping zu verfolgen. Er bleibe bei seiner Meinung, "und damit bin ich Gott sei Dank nicht allein: Pros = Freigabe, Amateure/Jugend = strengere Kontrollen und Suspendierung".

Montagabend verabschiedete sich "Iron Doc" von der Forumsgemeinde. "Haltet mir bitte die Daumen bei diesem 100x Ironman! Ich hoffe nur, dass diejenigen, die das angerichtet haben, sich auch wirklich der Konsequenzen bewusst waren. Dabei geht es gar nicht nur um mich, das wäre zu egoistisch, sondern um das St. Anna und das Forschungsinstitut für krebskranke Kinder. Letzteres wird ausschließlich aus Spendengeldern betrieben. Eiserne Grüße." (Sigi Lützow/Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 19.11. 2008)

 

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