Antibiotika spalten Obstanbau

18. November 2008, 17:34
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Es gibt Zweifel über den korrekten Vertrieb - neben Äpfeln ist auch Honig betroffen

Wien - In Österreich nähren sich Zweifel, ob Äpfel von mit Antibiotika behandelten Plantagen im Vertrieb von unbehandeltem Obst getrennt wurden. Wie berichtet sind in reifen Äpfeln entgegen den bisherigen Beteuerungen der Agrarwirtschaft Spuren von Streptomyzin nachgewiesen worden, ein Antibiotikum, das heuer zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheit Feuerbrand zugelassen wurde.

Die steirische Erzeugerorganisation Obst ließ ihre 1000 Bauern im April wissen, dass ihre Produkte nicht "in irgendeiner Weise in behandelt oder nicht behandelt getrennt" werden, belegen Briefe an Landwirte, die dem Standard vorliegen. Die Branche rund um den frisch-saftig-steirischen Apfel dürfe nicht "in gute und schlechte Produzenten" aufgespalten werden.

"Wir haben uns damals auf die Meinung internationaler Experten verlassen, dass Antibiotikum keine Rückstände hinterlässt", sagt Obst-Chef Manfred Stessel. Bei der Ernte sei dann aber zwischen behandelten und unbehandelten Äpfeln unterschieden worden. Die Trennung sei seitens der Steirer anfangs in Frage gestellt worden, letztlich jedoch akzeptiert worden, heißt es bei der Agrarmarkt Austria. Bauern berichten anderes. Sie seien zwar von der Ama aufgefordert worden, den Einsatz von Strepto zu melden, Obst habe das hingegen nicht protokolliert. Dass vieles in einen Topf geworfen wurde, weist Stessel zurück. Der Nachweis von Antibiotika auf den Äpfeln stelle seine Branche jedenfalls vor eine schwierige Situation und habe internationale Folgen. "Wir müssen uns alle an einen Tisch setzen, besprechen, wie es jetzt weiter gehen soll."

Nach dem Analyseergebnis aus Österreich hat auch die Schweiz ihre Äpfel genauer unter die Lupe genommen. Ergebnis: In 52 von 62 Proben wurde Antibiotika festgestellt. Untersucht wurde auch Obst aus nicht behandelten Plantagen: Eine von 23 Proben war positiv.

Was den Honig betrifft, wurden darin in Deutschland, der Schweiz und jetzt auch in Vorarlberg Rückstände von Streptomyzin entdeckt. Der Haken: Das Monitoring erfasst keine Hobbyimker. Die Agentur für Ernährungssicherheit sieht für Panik keinen Anlass. Die Produkte seien völlig unbedenklich. Toxikologisch gesehen stimme das, sagen Biochemiker wie Walter Welz. Aus Sicht der Immunologie reiche die Belastung aber, um zu Resistenzen gegen Antibiotika zu führen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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    Äpfel von mit Strepto behandelten Bäumen in einen Topf mit unbehandelten - das sah der Plan vor. Umgesetzt worden soll er nicht sein.

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