Genussrechte der Bank Austria gehen an Stiftung

18. November 2008, 18:29
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Das Tauziehen um die Genussrechte der Bank Austria an Semperit und Co ist entschieden. Die B&C Privatstiftung kauft die Rechte selbst. Noch diesen Monat soll unterschrieben werden

Wien - Nach langen und heftigen Verhandlungen mit der italienischen Bank-Austria-Mutter UniCredit ist es jetzt so weit: Die im Jahr 2000 von der Bank Austria gegründete B&C Privatstiftung kauft der Bank Austria (BA) jene Genussrechte ab, die die Bank an den Beteiligungen der Stiftung hat.

Bis Ende November soll der Vertrag stehen - dem Vernehmen nach wird die B&C Privatstiftung (im Vorstand: Bank-Austria-Chef Erich Hampel, Werner Floquet und Anwalt Wolfgang Hofer) tief in die Tasche greifen: Der Kaufpreis liegt bei 1,2 Milliarden Euro - der Wert der Genussrechte wird, je nach Berechnungsmethode, mit 700 bis 900 Mio. Euro beziffert.

Es geht dabei um die Dividendenrechte aus jenem ansehnlichen Industrievermögen, das in der 100-prozentigen Stiftungstochter B&C Holding GmbH geparkt ist (siehe Grafik). Dazu gehört etwa die Alwa Güter- und Vermögensverwaltungs GmbH, sie umfasst riesige landwirtschaftliche Güter samt Jagden aus der alten CA und der Leykam; Eigengrundbesitz: 24.000 Hektar; Anlagevermögen: 14 Mio. Euro. Ebenfalls dabei ist das SAS Hotel am Wiener Parkring, insgesamt sind unter dem Stiftungs- und Holdingdach fast 90 Beteiligungsgesellschaften mit rund 13.700 Mitarbeitern vereinigt. Industrielles Filetstück: die Beteiligungen an der Lenzing AG (87,4 Prozent), der Semperit AG (25,3 Prozent) und der Baugesellschaft Porr.

Knackversuche

2007 hat die B&C Holding, die das ganze Reich führt und verwaltet, ein Rekordergebnis abgeliefert: Der Gewinn nach Steuern lag bei 144 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote bei 67 Prozent. 95 Prozent der Gewinne muss die Holding als Abgeltung der Genussrechte an die Bank Austria überweisen (zuletzt waren das rund 40 Mio. Euro), der Rest des Bilanzgewinns gehört der Stiftung. Ihr Zweck ist übrigens unter anderem die Förderung österreichischer Unternehmen, Begünstigter ist die Bank Austria.

Deren italienische Eigentümer haben zuletzt, wie berichtet, alles daran gesetzt, die Stiftung zu knacken. UniCredit will, nicht zuletzt im Lichte der Finanzkrise und des ausgeprägten Kapitalbedarfs, all ihre Nicht-Bankenbeteiligungen versilbern. Der geplante Verkauf der Immobilien-Privatstiftung der BA liegt mangels zahlungskräftiger Interessenten auf Eis, und bei der Industriestiftung bissen die Mailänder zunächst auf Granit: Man pochte auf das Stiftungsrecht.

Im Oktober hatten die Mailänder für höchste Aufregung gesorgt. Damals waren Gerüchte aufgetaucht, wonach der indische Großkonzern Birla - der größte Konkurrent des oberösterreichischen Fasererzeugers Lenzing - für die Genussrechte 1,1 Mrd. Euro auf den Tisch legen würde. Das löste sofort Existenzängste bei den Lenzingern und heftige politische Proteste aus. Und Stiftungsvorstand Hofer sprach damals öffentlich davon, ein etwaiger Verkauf an den Lenzing-Konkurrenten Birla "widerspräche dem Stiftungszweck; diesfalls müsste man Abwehrkonzepte entwickeln".

Die sind nun offenbar fertig - der Appetit der ursprünglich an den Genussrechten interessierten Fonds wie Permira, Blackstone oder CVC soll, auch wegen der Preisvorstellungen, abgeflaut sein. Die B&C Stiftung könnte ihren Einkauf zum Teil über Sonderausschüttungen von Lenzing und Semperit finanzieren; im Deal inbegriffen sind auch diverse Absicherungen für Grundaustattung und Vermögen der Stiftung. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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