Hintergrund: Die Stellung von Burn-out und Co. bei Krankenständen in Österreich

18. November 2008, 14:43
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Einige Zahlen zu psychischen Gesundheitsproblemen und sonstigen krankheitsbedingten Arbeitsausfällen

Wien - Psychische Gesundheitsprobleme stellen eine der Hauptursachen für frühzeitigen Austritt aus dem Erwerbsleben dar, erklärte Thomas Leoni vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO). 2001 gingen von allen Betroffenen mit gesundheitsbedingter Pensionsneuzuerkennung 17,4 Prozent der Männer und 29,5 Prozent der Frauen wegen psychischen und Verhaltensstörungen in den Ruhestand, 2006 waren es bereits 22,6 Prozent der Männer und 34,6 Prozent der Frauen.

Verändertes Diagnoseverhalten

Psychische Krankheiten als Ursache für Krankenstandtage seien von 1997 bis 2006 um 30 bis 40 Prozent gestiegen, so Leoni. Letzteres müsse aber nicht unbedingt daran liegen, dass die Anzahl der Betroffenen tatsächlich steigt, sondern könne auch am Diagnoseverhalten liegen - soll heißen, dass mehr psychiatrische Erkrankungen auch als solche diagnostiziert werden. Generell würden psychische Krankheiten "nach wie vor nur einen sehr kleinen Anteil der Krankenstände verursachen", laut Diagnosen etwa fünf Prozent aller Krankenstandtage, erklärte der WIFO-Mitarbeiter.

Alternde Bevölkerung

Betrachtet man generell die Krankenstände in Österreich seit 1970, findet sich im Jahr 1980 der Höchststand: "Damal gingen fast fünf Prozent der Jahresarbeitszeit infolge von Krankheit verloren. In den vergangenen Jahren erreichte die Krankenstandquote mit knapp drei Prozent ihren Tiefstand." Kurzkrankenstände nehmen zwar zu, sind in der Statistik aber noch untererfasst, meinte Leoni. Mit dem Alter nehme die Anzahl an Krankheitsfällen ab, die Länge der Krankheitsepisoden aber zu. Dies sei vor allem im Hinblick auf die immer älter werdende Bevölkerung relevant.

Risiko Arbeitsplatzunsicherheit

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz nennt als wichtigste psychosoziale Risikofaktoren neue Formen von Arbeitsverträgen und Arbeitsplatzunsicherheit, die alternde Erwerbsbevölkerung, eine Intensivierung der Arbeit sowie hohe emotionale Anforderungen bei der Arbeit und die unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Anforderungen anders formuliert

Eine Untersuchung von Forschern der Universität Amsterdam von rund tausend Jobangeboten in heimischen Zeitungen von 1985, 1990 und 2005 zeigte Unterschiede im Anforderungsprofil auf. So  enthielt 1985 keines der Angebote einen Hinweis auf Stressresistenz beziehungsweise die Fähigkeit, unter Druck arbeiten zu können. 1990 waren es vier Prozent und 2005 bereits elf Prozent. Es könnte natürlich auch sein, dass es die Anforderungen auch schon 1985 gegeben hätte und diese nur nicht so formuliert wurden wie in den Jahren danach, gab Leoni zu Bedenken. (APA)

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