Wiener Fanzone: "Impacts"-Insolvenz - Stadt Wien Marketing sieht sich als Gläubiger

18. November 2008, 14:40
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Geschäftsführer Draxler: "Haben Anwaltskanzlei eingeschaltet" - Probleme bei Abrechnungsmodalitäten

Die Stadt Wien Marketing GmbH sieht sich angesichts der Zahlungsunfähigkeit der als "Impacts" bekannten "Event & Gastro GmbH" selbst als Gläubiger. "Unserer Ansicht nach schuldet uns Impacts nun Geld", sagte Geschäftsführer Michael Draxler im APA-Gespräch am Dienstag. Impacts-Chef Christian Chytil hatte am Montag der Stadt Wien Marketing vorgeworfen, ihrerseits vereinbarte Zahlungen noch nicht geleistet zu haben. Das betroffene Unternehmen hatte als Generalkonzessionär für die Gastronomie der Wiener Fanzone bei der EURO 2008 hohe Verluste gemacht.

"Fakt ist, dass uns die Firma Impacts im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung ein Angebot gelegt hat und sich dabei als Bestbieter herausgestellt hat", kommentierte Draxler die Vorwürfe. Der daraufhin abgeschlossene Vertrag sei Basis der Geschäftsbeziehung. "Wir waren überrascht von der Insolvenz, sehen uns aber selbst in der Gläubigerposition." Man habe zur Causa bereits eine Anwaltskanzlei eingeschaltet.

Zuschlag für die Wiener Fanzone

Chytils Unternehmen hatte den Zuschlag als Chef-Gastronom für die Wiener Fanzone während der Fußball-Europameisterschaft erhalten. Als Lizenzgeber fungierte die gemeindeeigene, damalige "Stadt Wien Marketing und Prater Service GmbH". Die hohen Lizenzkosten sollten sich primär über die Vergabe von Verkaufsständen an mehr als 80 Wirten amortisierten. Die Hüttenmieter klagten jedoch bald über Verluste durch das Ausbleiben der Fans und forderten von Impacts die teilweise Rückvergütung der Standgebühren.

Gegenüber der APA hatte Chytil am Montag dann berichtet, diese Zahlungen seien ein "rein privates Vergnügen" gewesen, da mit den Verantwortlichen der Stadt vereinbarte Rückvergütungen noch nicht geleistet worden seien. Draxler wollte heute weder bestätigen noch ausschließen, ob es eine derartige Vereinbarung gegeben hat: "Dazu möchte ich nichts sagen - auch auf die Gefahr hin, Herrn Chytil damit das mediale Spielfeld zu überlassen." Es gehe jedenfalls nicht um diesen Vorwurf, sondern um den rechtlichen Rahmen des Vertrags.

Probleme bei den Abrechnungsmodalitäten

Gleichzeitig räumte Draxler Probleme bei den Abrechnungsmodalitäten ein. So sei die Event & Gastro GmbH verpflichtet gewesen, bis Ende September eine vollständige Abrechnung über ihre Fanzonen-Tätigkeit vorzulegen. Dieser sei sie mit Verspätung nachgekommen, wobei sich nach entsprechender Prüfung noch einige Fragestellungen ergeben hätten: "Es fehlen noch Belege, kleine und größere Positionen".

Die Stadt Wien Marketing sei aber ihrerseits zu einer lückenlosen Dokumentation angehalten, so Draxler. Deshalb müsse alles korrekt abgewickelt werden. Auf die Frage, ob man bei der Wahl des Generalkonzessionärs einen Fehler gemacht habe, meinte er: "Ich muss gestehen, dass man im Nachhinein immer klüger ist." Zum Zeitpunkt der Vergabe seien jedenfalls alle rechtlichen und finanzaussagekräftigen Daten überprüft worden. "Herr Chytil war ja kein Nobody, sondern ein Caterer mit viel Erfahrung und Referenzen."

Impacts selbst strebt nach der Insolvenzanmeldung eine Ausgleichsquote von 40 Prozent an, zahlbar binnen zwei Jahren. Gleichzeitig will Chytil sein Unternehmen nach organisatorischen und gesellschaftsrechtlichen Strukturänderungen weiterführen. Diese Möglichkeit wird nun im Zuge des Verfahrens, das am Montag am Handelsgericht Wien eröffnet wurde, geprüft. (APA)

Nachlese
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