Hohe Burnoutgefahr in Sozialberufen

18. November 2008, 14:36
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Starke Belastung ist im Sozialbereich keine Seltenheit, aber auch Menschen in anderen Dienstleistungsberufen sind stark betroffen - Eine "Burnoutuhr" soll erkennen helfen

Jeder fünfte Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialbereich hat ein hohes Risiko an Burnout zu erkranken. Das ergab eine 2007 durchgeführte Studie von der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier, GPA-djp. 29 Prozent der Befragten gelten als stark belastet durch emotionale Erschöpfung. Das Risikopotential für Burnout aufgrund von Depersonalisierung und Entpersönlichung beträgt über ein Drittel.

Mehr als die Hälfte gab bei der Frage nach der persönlichen Erfüllung an, mittel bis stark belastet zu sein, so die Bundesvorsitzende der Interessensgemeinschaft work@social Selma Schacht. Die österreichische Vereinigung für Supervision, ÖVS, und die GPA-djp, stellten heute gemeinsam eine "Burnoutpräventions-Uhr" vor.

Burnout-Gefahr in allen Branchen

Angehörige von Berufen im Sozial- und Gesundheitsbereich sowie Lehrer und Lehrerinnen gelten schon seit vielen Jahren besonders gefährdet. Aber auch Angestellte im Dienstleistungssektor mit hohem Kundenkontakt, wie Banken, Polizei etc. sowie Manager und Führungskräfte aller Branchen sind immer öfter von Burnout betroffen. "Werden Manager mit der Skala der Burnout-Symptome konfrontiert, sind sie meist überrascht, wie weit sie sich bereits im bedenklichen Bereich befinden", beschreibt ÖVS-Vorsitzender Wolfgang Knopf aus der Begleitung von Führungskräften.

Prävention durch Organisation und Supervision

Die ÖVS und die GPA-djp sind sich einig, dass sowohl auf der organisatorischen Ebene durch verbesserte Rahmenbedingungen, als auch auf der Mitarbeiter-Ebene durch Supervision und Coaching präventive Maßnahmen gegen Burnout gesetzt werden müssen. Die ÖVS fordert eine permanente Reflexion der sich verändernden Arbeitsbedingungen.

Arbeitgeber müssen Überbelastung präventiv verhindern und die Freude an der Arbeit wieder ermöglichen. Für Mitarbeiter als auch für Führungskräfte tragen regelmäßige Supervision und Coaching dazu bei, dass es gar nicht erst zu Burnout im Beruf kommt. Überfordernde Arbeitsbelastungen werden rechtzeitig erkannt und abgebaut und die Work-Life-Balance gestärkt. Die GPA-djp fordert, "Supervision sowie Austauschmöglichkeiten zwischen den Beschäftigten müssen innerhalb der Arbeitsprozesse institutionell verankert werden."

Burnoutpräventions-Uhr

Die Burnoutpräventions-Uhr soll dabei helfen, erste Anzeichen und Warnsignale bei sich selbst und an anderen zu erkennen. Sie besteht aus zwei drehbaren Scheiben mit sechs Symptomen und Lösungshinweisen, die stressgeplagten Personen zeigen, wie sie sich vor dem Ausbrennen schützen können. "Burnout entsteht nicht von heute auf morgen und hat auch nicht nur eine Ursache. Wichtig ist, auf allen Ebenen zu achten, wie man präventive und nachhaltige Maßnahmen zur Burnoutprävention setzen kann, so Schacht. (red)

Info

Die Burnoutpräventions-Uhr wird bis Ende November allen GPA-djp-Mitgliedern, Betriebsräten, SupervisorInnen und Coaches angeboten. Unter office@oevs.or.at bzw. der Telefonnummer 01/5330822 kann die Burnoutpräventions-Uhr bestellt werden.

  • Burnoutpräventions-Uhr
    foto: theresa rauter

    Burnoutpräventions-Uhr

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