Heimische IT-Branche unbeeindruckt von Krise

18. November 2008, 13:56
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Kleinbetriebe sind gewohnt zu kämpfen

"Keine besondere Sorge um die IT-Branche" macht sich derzeit Hans-Jürgen Pollirer, Obmann der Bundessparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Natürlich werden uns die Auswirkungen der Finanzkrise betreffen. Aber die typischen Kleinunternehmen sind gewohnt zu kämpfen und erfüllen wichtige Nischenaufgaben", erklärte der Spartenobmann im Gespräch mit der APA.

In diesem Bereich komme es voraussichtlich zu keinem Verlust von Arbeitsplätzen, der Großteil der Betriebe werde die Krise überleben. Probleme seien am ehesten bei den größeren Firmen zu erwarten. "Vor allem Unternehmen im automotiven und Finanz-Bereich sind betroffen, aber auch Partner der Industriebetriebe, die viel in die USA exportieren", so Pollirer.

Verantwortung der Politik

Mitverantwortlich für etwaige Schwierigkeiten sei auch die Politik: "Wir haben seit einem halben Jahr keine vernünftige Regierung, wodurch natürlich auch die öffentlichen Aufträge auf sich warten lassen. Das ist ja nicht mehr anzuschauen", sagte Pollirer. Er forderte erneut einen einzigen Ansprechpartner für die Branche, steuerliche Förderungen und einen leichteren Zugang zu Mikrokrediten.

Außerdem verlangt der WKÖ-Vertreter die Umsetzung einer nationalen IKT-Strategie, die von der Branchen-Initiative "Internetoffensive Österreich" erarbeitet worden ist und in einer "Internet-Deklaration" mündete. Zwar stehe im Vergleich zu bisherigen Vorstößen in diese Richtung - "IKT-Masterplan" und "IKT-Task Force" - "nichts Neues" in der "Deklaration", aber man müsse sie "endlich in die Hand nehmen und umsetzen". Derzeit würden die Ergebnisse unter Verschluss gehalten. "Papier und Pläne liegen vor, aber passiert ist nichts", so Pollirer.

Unbeeindruckt von der Finanzkrise gibt man sich auch beim Softwareriesen Microsoft. "Ich finde das manchmal ganz gut, dass solche Sachen passieren. Es ist eine Chance und man sieht auch schon, dass die Branche zusammenrückt, um zu zeigen, was sie kann", erklärte Harald Leitenmüller, Innovationssprecher von Microsoft Österreich. Hierzulande sei man in einer vergleichsweise guten Situation.

Förderinitiative

Einen - nicht ganz uneigennützigen - Beitrag dazu will man mit der heute, Dienstag, gestarteten Förderinitiative "BizSpark" leisten. Heimischen Jungunternehmen soll unter bestimmten Voraussetzungen drei Jahre lang Software des Branchenriesen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Nach dieser Zeit muss das Startup das Programm verlassen und 100 US-Dollar (79 Euro) bezahlen. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit sei der finanzielle Aufwand enorm. Für einzelne Softwareprodukte würden normalerweise bis zu 40.000 Euro fällig, so Leitenmüller.

Außerdem sollen die Jungunternehmer von Hilfestellungen durch eine globale Experten-Community sowie Kontakten zu Venture-Capital-Gebern, privaten Investoren und Unternehmerverbänden profitieren. Die Betriebe müssen im Bereich Softwareentwicklung tätig, nicht älter als drei Jahre und in privatem Besitz sein. Außerdem darf der Umsatz nicht über einer Million US-Dollar (790.400 Euro) liegen. Im ersten Jahr geht Leitenmüller von 200 teilnehmenden Startups aus. (APA)

 

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