MPC Capital gibt 2008 verloren

18. November 2008, 13:26
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Zum dritten Mal in diesem Jahr senkten die Hamburger ihre Prognose und erwarten nun einen Verlust von 70 Millionen Euro

Hamburg  - Das deutsche Emissionshaus MPC Capital schreibt 2008 endgültig ab. Zum dritten Mal in diesem Jahr senkten die Hamburger ihre Prognose und erwarten nun einen Verlust von 70 Mio. Euro. Grund sei die 80 Mio. Euro schwere Wertberichtigung auf die Beteiligung am Rivalen HCI Capital, ohne die ein Überschuss von zehn Mio. Euro zu Buche stehen würde, teilte MPC am Dienstag mit. Noch Anfang Oktober hatte MPC 18 bis 23 Mio. Euro Überschuss angekündigt, ursprünglich sogar 50 Mio.

"Die Verunsicherung der Anleger hat weiter zugenommen und zu einer deutlichen Zurückhaltung bei der Nachfrage nach Kapitalanlageprodukten geführt", erklärte MPC. Der Absatz von Schiffsbeteiligungen sowie Immobilien-, Rohstoff- und Lebensversicherungsfonds werde sich auch im vierten Quartal nicht beleben. Anleger reagierten enttäuscht. Die Aktie brach um 17 Prozent ein und erreichte mit 3,70 Euro einen neuen Tiefststand. Vor gut einem Jahr war das Papier noch über 70 Euro wert.

Magere Geschäfte im dritten Quartal

Im dritten Quartal machte MPC magere Geschäfte. Das Platzierungsvolumen brach um ein Fünftel auf 167 Mio. Euro ein und damit stärker als vom Unternehmen erwartet. Der Umsatz schrumpfte um die Hälfte auf 25 Mio. Euro, der Überschuss um vier Fünftel auf 1,6 Mio. Im Gesamtjahr rechnet MPC nun nur noch mit einem eingeworbenen Eigenkapital von 600 (bisher 750 bis 850) Mio. Euro. "Auch die neuen Ziele werden schwierig zu erreichen sein", prophezeite DZ-Bank-Analyst Werner Eisenmann. Besserung hatte auch Firmenchef Axel Schroeder zuletzt nicht in Aussicht gestellt: "Für den Markt der geschlossenen Beteiligungen wird 2009 ein sehr schwieriges Jahr werden."

Dass der im Frühjahr als Meilenstein gepriesene Einstieg bei HCI sich weiter als Mühlstein um den Hals erweist, hatte Schroeder ausgeschlossen. Aufgrund des gesunkenen HCI-Aktienkurses bilanziert MPC den Wert der für 140 Mio. Euro erworbenen 41-prozentigen Beteiligung nur noch mit 60 Mio. Euro. "Die Abschreibung auf den HCI-Anteil scheint ausreichend, um die Sorgen des Markts über die Buchwertannahmen zu zerstreuen", analysierte Equinet-Branchenexperte Christian Muschick. Analyst Eisenmann ergänzte jedoch: "Es wird für MPC immer schwieriger, sich kurzfristig zu refinanzieren und Finanzierung für neue Projekte zu bekommen." Daher sei es möglich, dass MPC eine Kapitalerhöhung benötige. Im Halbjahr hatte HCI durch eine große Abschreibung auf US-Immobilienkredite MPC das Ergebnis verhagelt. (APA)

 

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