Vom "Raucherhusten" zur schweren Krankheit

19. November 2008, 07:00
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90 Prozent der Fälle chronischer Lungenerkrankung werden zunächst nicht erkannt, die Gefahr werde unterschätzt, sagen Mediziner

Wien - Die verkannte Gefahr: chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Was mit zumeist mit einem "Raucherhusten" beginnt, wird für immer mehr Betroffene weltweit zur Gefahr. Aus Anlass des heutigen Welt-COPD-Tages betonten Fachleute von der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) die Bedeutung der Erkrankung. Zumeist werde sie viel zu spät diagnostiziert.

Der Welt-COPD-Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto "Breathless not Helpless" (Atemlos, aber nicht hilflos, Übers). Die Betroffenen sollten zunehmend lernen, bezüglich ihrer Erkrankung Selbstmanagement zu betreiben.

Verkannte Gefahr

ÖGP-Generalsekretär Michael Studnicka, betonte, es gebe in Österreich eine "Unterdiagnostik" von 90 Prozent der an COPD Erkrankten. Der Experte: "Dieses eklatante Versorgungsdefizit ist darauf zurückzuführen, dass die Spirometrie (Lungenfunktionsprüfung, Anm.) in den Praxen der niedergelassenen Allgemeinmediziner noch immer keine Kassenleistung ist und daher auch nicht durchgeführt wird." Dabei sei dieser Test die einfachste, effizienteste und kostengünstigste Maßnahme, um die Lungenfunktion zu überprüfen und erste Anzeichen einer COPD zu erkennen.

Vorbeugende Untersuchung

Der Präsident der Fachgesellschaft, der Wiener Pneumologe Otto Burghuber, forderte daher erneut, dass "bei Rauchern, Personen mit rezidivierenden (wiederholten, Anm.) oder persistierenden respiratorischen Symptomen wie Husten, Auswurf und Atemnot, die über einen Zeitraum von drei Wochen hinausgehen, sowie bei jenen mit Lungenkrankheiten in der Familiengeschichte in jedem Fall einmal jährlich vorbeugend eine spirometrische Untersuchung durchgeführt wird." Dies sei eine Maßnahme, die anfangs zwar zusätzliche Kosten verursache, langfristig gesehen aber Kosten dauerhaft einsparte. Da dies in Österreich aber nach wie vor nicht umgesetzt ist, "ist mit einer gewaltigen Erkrankungs- und Kostenzunahme bei COPD zu rechnen", so Burghuber.

Krankheit selber erkennen

Es sind aber auch die Betroffenen selbst, die wesentlich dazu beitragen können, die ersten Anzeichen von COPD wahrzunehmen und rasch ärztlich abklären zu lassen. Auch dem Management der Erkrankung selbst kommt hohe Bedeutung zu. "Basis eines erfolgreichen COPD-Managements ist, dass die Betroffenen wissen, was COPD ist und wie man das Fortschreiten dieser chronischen Lungenerkrankung verzögern kann. Wichtig ist auch zu wissen, wie man sich im Notfall verhalten soll", erklärte Studnicka.

Eine britische Studie auf der Basis der Leitlinien zur Betreuung von COPD-Kranken des National Institute for Clinical Excellence (NICE) hat ergeben, dass eine frühzeitige Diagnose die Zahl der Patienten zwar vermehrt, gleichzeitig aber die Chance auf eine bessere Behandlung und auf eine Verzögerung des Fortschreitens des chronischen Leidens eröffnet. (APA)

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    Bronchialbaum der Lunge: Bei COPD sind die Atemwege der Patienten verengt - das Krankheitsbilder ist dadurch gekennzeichnet, dass der Luftstrom hauptsächlich beim Ausatmen behindert ist.

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