EU will konzertierte Hilfe

18. November 2008, 12:35
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Ford muss wegen Krise Mazda-Anteile versilbern - Deutscher Arbeitgeberpräsident warnt vor weiteren Staatshilfen - Gemeinsame EU-Autoindustriestützung möglich

In der Europäischen Union werden Pläne gewälzt, die Autoindustrie des gesamten Kontinents in einer konzertierten Aktion zu stützen, sollten auch die USA ihren Fahrzeugproduzenten unter die Arme greifen. Der Sprecher der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, regte an, diese mit von der EU begebenen Anleihen zu finanzieren.

Deutschlands Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte hingegen bei einem Besuch in Wien vor weiteren Hilfen für Industrien, wie sie der Autohersteller Opel, ein Tochterunternehmen des angeschlagenen US-Konzerns General Motors, fordert: Diese könnte "eine Kettenreaktion auslösen" und sei "ordnungspolitisch bedenklich" Laut deutschen Medienberichten könnte Opel im schlimmsten Fall eine Staatsbürgschaft über 1,8 Milliarden Euro benötigen.

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Detroit/Berlin/Wien - Die Suche nach liquiden Mitteln lässt den finanzmaroden US-Autokonzern Ford nun eine seit 1996 bestehende enge Verbindung mit dem japanischen Autohersteller Mazda aufgeben: Der US-Konzern kündigte am Dienstag an, 20 Prozent seiner Anteile an Mazda zu verkaufen. Dafür erhält Ford umgerechnet rund 430 Mio. Euro.

Bisher kontrollierte Ford mit knapp 34 Prozent den japanischen Hersteller, den er um die Jahrtausendwende vor der Pleite retten und danach sanieren musste. Beide Seiten sagten aber, sie wollten aber ihre bisherige intensive Zusammenarbeit fortführen. Mazda selbst kauft 6,87 Prozent, die übrigen 13 Prozent erwerben rund 20 Geschäftspartner.

Der Ford-Rückzug aus Japan ist bereits die zwei derartige Maßnahme, die ein US-Autokonzern jetzt notgedrungen setzen muss: Am Montag hatte General Motors erklärt, seine Anteile am Klein- und Geländewagenhersteller Suzuki für 184 Mio. Euro zu verkaufen.

Ford hat heuer bereits seine Marken Jaguar und Land Rover an den aufstrebenden indischen Konzern Tata verkauft. Zudem werden Interessenten für die zu Ford gehörende Pkw-Sparte der schwedischen Marke Volvo gesucht.

Problematische Rettung

"Für sehr problematisch" hält der deutsche Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die deutsche GM-Tochter Opel angedachte staatliche Bürgschaft. Wenn schon, dann müsse sicher gestellt sein, dass Geld deutscher Steuerzahler nicht zur Opel-Mutter GM transferiert werde und "ausschließlich für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung steht . Er warnt vor "schwerwiegenden Folgen": "Die Opel-Hilfe würde eine Kettenreaktion auslösen, die nicht mehr zu beherrschen ist. Der Sektor muss seine Probleme selbst lösen." Auto- und Zulieferindustrie hätten auch 1992/93 eine schwere Krise gehabt mit bis zu 30 Prozent rückläufigen Auftragsbeständen und rückläufiger Binnennachfrage und diese Krise sei gemeistert worden.

Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker sprach sich auch für ein europäisches Rettungskonzept für die Autoindustrie aus. Wenn die US-Regierung mit Milliarden von Dollar Autohersteller wie Ford, General Motors oder Chrysler vor der Pleite rette, "dann können wir nicht einfach zusehen und unsere Hersteller in Europa allein lassen". Es habe "wenig Sinn, wenn Deutschland, Frankreich oder Italien jetzt einzeln versuchen, ihre Auto-Industrie zu schützen. Das geht nur gemeinsam".

Zur Abwechslung kamen am Dienstag gute Nachrichten für Graz: Mercedes-Benz erhielt von der australischen Regierung einen Auftrag zur Fertigung von 1200 Fahrzeugen der G-Klasse. Der australische Verteidigungsminister und Mercedes-Vertreter unterzeichneten einen Vertrag über ein Gesamtauftragsvolumen von 200 Mio. Euro. Produziert wie diese Militärversion der G-Klasse im Magna-Steyr-Werk.

Trotz des Volumens werde die Produktion allerdings keine zusätzlichen Arbeitskräfte erfordern, heißt es im Grazer Werk, es würden aber bestehende abgesichert. Ausgeliefert werden die Fahrzeuge ab 2009 in mehreren Varianten: als Allrad mit zwei Achsen sowie als Allrad mit drei Achsen. Die Militär-G-Klasse gilt wegen der vielen Extras als besonders personalintensiv. (Reuters, szem, ung, mue, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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    Bildgerechter Aktionismus: Die Umweltschutzorganisation Greenpeace baute vor dem Brandenburger Tor in Berlin eine "Arche Merkel" auf, die rosa bemalte Autos als "Klimaschweine" aufnimmt.

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